"Niemand vom Bundesrechnungshof hat sich jemals die A8 angeschaut"

Daniela Ludwig übergibt A8-Stautagebuch an Bundesrechnungshof

+
FDP-Landtagskandidat Michael Linnerer übergibt das A8-Stautagebuch an die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig.
  • schließen

Landkreis - Der FDP-Landtagskandidat Michael Linnerer hat das A8-Stautagebuch am Dienstagvormittag in Rosenheim an die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig übergeben.

Update, 29. August, 16 Uhr - Stautagebuch übergeben

Wie versprochen, hat die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig das Stautagebuch des FDP-Landtagskandidaten Michael Linnerer an den Bundesrechnungshof übergeben. Dies berichtet Radio Charivari. Bis Mitte September will sie dem Bundesrechnungshof nun Zeit geben, auf das per Post zugeschickte Dokument zu reagieren.

Update, 14.55 Uhr - Pressemitteilung MdB Daniela Ludwig

Der Bund bleibt auch nach der Kritik des Bundesrechnungshofes beim sechsspurigen Ausbau der Autobahn A8 zwischen Rosenheim und der Landesgrenze. "Es gibt in der Haltung des Bundesverkehrsministeriums und innerhalb der Unionsfraktion keinerlei Veränderungen", sagte die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Daniela Ludwig, bei der Übergabe des Stautagebuches durch Michael Linnerer.

"Wir sind der festen Überzeugung, dass eine Autobahn aus der Vorkriegszeit mit engen Kurvenradien, kurzen Ein- und Ausfahrten und teilweise fehlenden Pannenstreifen als moderne, verkehrssichere Autobahn ausgebaut werden muss", sagt sie. Die A8 sei eine der meist belasteten Autobahnen in Deutschland.

Der Bundesrechnungshof hatte den geplanten sechsspurigen Ausbau zwischen Felden und der Landesgrenze als unwirtschaftlich kritisiert und eine 4+2-Lösung als ausreichend empfohlen. Dabei ging der Rechnungshof von 26 Stautagen im Jahr aus. "Geradezu zynisch ist die Aussage des Rechnungshofes, dass man bei einem vierspurigen Ausbau am Lärmschutz sparen kann", sagt Daniela Ludwig weiter. "Diesen Lärmschutz, der weit über das gesetzlich vorgesehene Maß hinausgeht, haben wir im Abschnitt Rosenheim-Bernau in einem intensiven Planungsdialog mit den Bürgern erreicht."

Michael Linnerer aus Raubling hatte auf Facebook 100 Tage lang ein Stautagebuch geführt. Er und mehr als 500 User hatten vom 23. März bis 30. Juni auf der 47,1 Kilometer langen Strecke von Bernau am Chiemsee bis Piding Staus gemeldet und gemessen.

Heraus kamen 38 Stautage - auf das Jahr umgerechnet wären das 139 Stautage auf diesem Abschnitt. Michael Linnerer übergab Daniela Ludwig das Stautagebuch mit der Bitte, es an den Bundesrechnungshof weiterzuleiten. "Das mache ich gerne", erklärte Daniela Ludwig. "Ich werde den Präsidenten des Bundesrechnungshofes persönlich zu einer Fahrt auf der A8 einladen. Denn die Einschätzungen zeigen eines: Niemand vom Bundesrechnungshof hat sich jemals die A8 angeschaut."

Pressemitteilung des Büros MdB Daniela Ludwig

Vorbericht

Zwei große Probleme haben der FDP-Landtagskandidat Michael Linnerer und seine Anhänger in der Facebook-Gruppe zum A8-Stautagebuch: "Wenn die Autobahn vom Chiemsee bis zur Landesgrenze zweispurig bleiben soll, welcher Bereich ist denn dann konkret gemeint, und wo soll der Verkehr dann hin, denn die Autos können ja nicht einfach verschwinden?"

In einem Gespräch mit der CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig hat er die Ergebnisse des Stautagebuches am Dienstagvormittag vorgestellt und den Abschlussbericht überreicht. Die Rosenheimer Abgeordnete ist zugleich verkehrspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion und Obfrau im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Weitere Informationen

Und sie hat eine klare Meinung zu dem Bericht und der Kritik des Bundesrechnungshofes am sechsspurigen A8-Ausbau: "Der Bundesrechnungshof entscheidet nicht über Bau oder Nicht-Bau, sondern kann nur Stellungnahmen abgeben", erklärt sie am Dienstag. "Ich kann mir die Einschätzung des Bundesrechnungshofes nur so erklären, dass er die A8 noch nie gesehen hat."

Hinzu komme, dass der Bundesrechnungshof bei seiner Analyse wichtige Punkte außer Acht lasse und primär auf das Einsparpotential achte. Verkehrssicherheit spiele zum Beispiel kaum eine Rolle, gespart werde bei den rund 100 Millionen Euro, die der Bundesrechnungshof errechnet hat, vor allem am Lärmschutz.

Und das kann nicht sein: "Wir haben einen intensiven Planungsdialog geführt, um Anwohner für den sechsspurigen Ausbau zu gewinnen, auch weil wir ihnen damit mehr Lärmschutz versprochen haben", sagt Daniela Ludwig. Wenn die vom Bundesrechnungshof vorgeschlagene vierspurige Variante mit zuschaltbaren Standstreifen gebaut würde, müsste nicht so umfangreicher Lärmschutz gebaut werden.

Kurzum: Das Bundesverkehrsministerium hält weiter am sechsspurigen Ausbau plus Standstreifen fest, damit die neue A8 verkehrssicher wird, möglichst fließenden Verkehr gewährleistet, die Region gut erschließt und den Güterverkehr generell problemlos abwickeln kann. Zudem will Daniela Ludwig den Präsidenten des Bundesrechnungshofes zu einem Ortstermin einladen, damit er sich selbst ein Bild machen kann.

Die Ergebnisse des Stautagebuches im Überblick:

  • tatsächliches Verkehrsaufkommen in 100 Tagen: Im Zeitraum 23. März bis 30. Juni ergeben sich 38 Stautage. Daneben stehen 15 Tage mit leichten Stauungen sowie 13 Tage mit zähfließendem Verkehr. Lediglich an 34 Tagen kann die Strecke als frei befahrbar bezeichnet werden.
Das Diagramm zeigt die Anzahl der Stautage im hunderttägigen Erfassungszeitraum.
  • Hochrechnung auf das komplette Jahr: Auf Basis der erfassten Stautage ist es möglich, eine repräsentative Hochrechnung auf 365 Tage durchzuführen. 139 Stautagen und 55 leichten Stautagen sehen sich Pendler, Anrainer, Hilfs- und Rettungskräfte sowie Berufskraftfahrer auf dem Streckenabschnitt ausgesetzt. An 47 Tagen müssen sie mit zähfließendem bis stockendem Verkehr rechnen und lediglich an 124 Tagen - zumeist auch am Wochenende, wie weitere Auswertungen zeigen - ist eine freie Fahrt möglich.
Die Tabelle zeigt die Hochrechnung der Anzahl der Stautage auf das komplettes Jahr.
  • erheblicher Unterschied im Ergebnisvergleich: Der Bundesrechnungshof geht in seinem Bericht zum A8-Ausbau von 26 Stautagen pro Jahr zwischen Chiemsee und Landesgrenze aus. Die Daten des Stautagebuchs zeigen jedoch, dass es sich tatsächlich eher um 139 Stautage pro Jahr handelt. Ein gravierender Unterschied, der sich auch auf die vom Bundesrechnungshof angeführte Kosten-Nutzen-Rechnung eklatant auswirken würde.
  • Auswertung nach Wochentagen: Berufspendler und Berufskraftfahrer haben es besonders schwer auf der A8. "Von den 34 Prozent der freien Tagen ist eine Großteil, nämlich 19 Tage, am Wochenende, sodass für Berufspendler und Berufskraftfahrer wenig freier Verkehr möglich ist", erklärt Michael Linnerer. Zudem zeigt die Übersicht, dass ein Großteil der 38 Stautage auf Wochentage fallen.
Diese Auflistung zeigt die Stautage nach Wochentagen in Tagen.
  • Gesamtauslastung problematisch - nicht nur bei Verkehrsspitzen: Die Daten des Stautagebuchs zeigen deutlich, dass für den Streckenabschnitt nicht - wie vom Bundesrechnungshof argumentiert - reine Verkehrsspitzen, verursacht zum Beispiel durch Reiseverkehr, problematisch sind und vereinzelt zu größeren Staus führen. Bereits durch das reguläre Verkehrsaufkommen ist die zweispurige A8-Trasse deutlich überlastet. An zwei Drittel der Tage kann das normale Verkehrsaufkommen schon jetzt nicht bewältigt werden - Tendenz steigend. Bereits kleine unvorhersehbare Störungen führen zu erheblichen Staus.
Die Grafik zeigt den maximalen täglichen Zeitbedarf für die Referenzstrecke.
  • gravierende Unterschiede in der Messmethodik: Die Facebook-Gruppe hat sich im Rahmen des Experiments auch mit Messmethodiken befasst. Dabei hat sich gezeigt, dass die angewendete Methode des zuständigen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr möglicherweise nicht mehr zeitgemäß ist. Bei dem angebotenen Online-Service wird die Verkehrslage in Echtzeit dargestellt - anhand der Daten der Messstationen auf der A8. Diese Daten werden auch in Behörden und Ministerien genutzt, sind daher wahrscheinlich auch Grundlage der Aussagen des Bundesrechnungshofes. Auf der Strecke vom Inntal bis zur Staatsgrenze gibt es laut Michael Linnerer jedoch lediglich zwei Zählpunkte.

Ein Vergleich am 17. April, um 13.53 Uhr, kommt zu folgendem Ergebnis:

  1. Bayern-Info misst normales Verkehrsaufkommen und gibt einen Zeitbedarf von 33 Minuten auf der Strecke Bernau am Chiemsee bis Piding an, was sich im Laufe des Tages auch nicht nennenswert geändert hat.
  2. Google-Maps meldet einen erheblichen Stau. Google-Maps wertet die Bewegungsdaten der vielen GPS-Geräte (Schwarmintelligenz) in diesem Bereich aus. Es wird gemessen, wie lange die Geräte und somit die Fahrzeuge tatsächlich auf diesem Streckenabschnitt verweilen. Der Zeitbedarf von einer Stunde und 15 Minuten auf der Strecke Bernau am Chiemsee bis Piding wird errechnet.
  3. Die Mitglieder der Facebook-Community bestätigen einen erheblichen Stau mit mehr als einer Stunde Zeitbedarf auf der Facebook-Seite.

Schlussfolgerung: Das reine Zählen von Autos ermöglicht keine qualitative Aussage zum Durchfluss auf einer Strecke und somit zu Stautagen. Dagegen sind Auswertungen von Verweildauern auf der Strecke aussagekräftig, zum Beispiel über Google-Maps, um Stautage zu erfassen.

  • Bestätigung durch ADAC-Daten aus dem Jahr 2017: Die erfassten Stautage und Verkehrsbehinderungen können durch Staudaten des ADAC aus dem Jahr 2017 validiert werden. Der ADAC hat dabei die Anzahl der Staus für die einzelnen Streckenabschnitte von Bernau am Chiemsee bis Grenzübergang Bad Reichenhall und zurück sowie die Gesamtstaulänge in Kilometern und Stunden erfasst. "Die Zahlen können in keiner Weise mit lediglich 26 Stautagen in Verbindung gebracht werden und unterstreichen vielmehr die Aussagekraft des von uns gewählten Messverfahrens und unserem Ergebnis von zirka 139 erheblichen Stautagen pro Jahr", erklärt Michael Linnerer.

Diese fünf Forderungen stellt die Gruppe an den Bundesrechnungshof:

  1. Die in der Argumentation des Bundesrechnungshofes angegebenen 26 Stautage weichen in gravierender Weise von den tatsächlich festgestellten 139 Stautagen pro Jahr ab. Wir fordern den Bundesrechnungshof auf, die tatsächlich gemessenen Daten als Basis für die Bewertung der Kosten-Nutzen-Rechnung zu verwenden.
  2. Der Streckenabschnitt der A8 vom Inntal bis zur österreichischen Staatsgrenze bei Salzburg muss im Ganzen betrachtet werden, da in der aktuell vorgenommenen Aufteilung Inntal bis Chiemsee und weiter Chiemsee bis Staatsgrenze keinerlei nennenswerte Anschlussstellen vorhanden sind, die größere Verkehrsströme aufnehmen können. Wir fordern den Bundesrechnungshof auf, keine Unterteilung des Streckenabschnitts A8 Inntal bis österreichische Staatsgrenze bei Salzburg in der Bewertung vorzunehmen!
  3. In unserem Bericht wird eindeutig festgestellt, dass nicht nur Verkehrsspitzen, zum Beispiel durch Reiseverkehr, problematisch sind, sondern die hohe dauerhafte Verkehrsauslastung montags bis freitags immense Störungen verursacht. Wir fordern den Bundesrechnungshof auf, die Empfehlung für einen zügigen/beschleunigten sechsspurigen Ausbau des kompletten A8-Streckenabschnitts Inntal bis österreichische Staatsgrenze bei Salzburg abzugeben.
  4. Ein Ausbau des Standstreifens auf dem Streckenabschnitt A8 Chiemsee bis österreichische Staatsgrenze kann nur als Übergangslösung in Frage kommen, wenn zeitgleich der sechsspurige Ausbau vorangetrieben wird und beim Standstreifenbau bereits berücksichtigt wird.
  5. Um künftig für ähnliche Verkehrsprojekte eine Bewertung auf Basis tatsächlicher Daten vorzunehmen, fordern wir, dass im Zuge einer Digitalisierungsoffensive veraltete Methoden ad acta gelegt werden und moderne Methoden verwendet werden, wie die von uns verwendete Auswertung durch Schwarmintelligenz.

ksl

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT