ADAC lehnt Tempolimit auf A8 ab

"Knapp sechzig Prozent aller Verkehrstoten auf Landstraßen"

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Landkreis/A8 - Braucht es auf der A8 und auf deutschen Autobahnen generell ein Tempolimit? Über diese Frage wird immer wieder diskutiert. Der ADAc hat eine klare Meinung dazu.

Würde ein Tempolimit den weitreichenden Umbau der Autobahn A8 unnötig machen? Diese Frage wird im Rahmen der Diskussionen um das Großprojekt immer wieder aufgeworfen, nachdem eine Studie aus Österreich auch nachgewiesen haben will, dass ein Tempolimit für weniger Unfälle sorgt. Unter Autofahrern gehen die Meinungen auseinander.

Einer der größten Verkehrsclubs in Deutschland, der ADAC, hingegen ist dagegen. "Die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen wird in Deutschland immer wieder diskutiert. Ein Blick auf die Fakten zeigt aus unserer Sicht, dass ein generelles Tempolimit weder dem Klimaschutz dient noch die Verkehrssicherheit verbessert", erklärt Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher sowie Leiter für Verkehr/Technik/Umwelt beim ADAC Südbayern.

Kein Zusammenhang zwischen Tempolimit und Sicherheit

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Laut dem ADAC zählen Autobahnen zu den sichersten Straßen in Deutschland. Das belegen auch Zahlen: So sei im Jahr 2017 etwa ein Drittel aller Kraftfahrzeugkilometer auf Autobahnen gefahren worden. Der Anteil der Verkehrstoten sei im Vergleich dazu mit rund 12 Prozent unterdurchschnittlich. "Die Zahl der auf Autobahnen Getöteten pro eine Milliarde Fahrzeugkilometer liegt in Deutschland bei aktuell 1,6", sagt Alexander Kreipl. "Ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen ist auch im internationalen Vergleich nicht feststellbar. Länder mit genereller Geschwindigkeitsbeschränkung, wie Österreich, Belgien oder die USA schneiden nicht besser ab als Deutschland."

Auch beim innerdeutschen Vergleich ereignen sich auf Abschnitten ohne Tempolimit nicht mehr Unfälle als auf Strecken mit Tempolimits von 120 oder 130 Kilometern pro Stunde lautet das Fazit. Auch eine höhere Unfallschwere, also Getötete je 1.000 Unfälle mit Personenschaden, lasse sich nicht feststellen. "Die eigentlichen Schwachstellen in Sachen Verkehrssicherheit sind nach wie vor die Landstraßen, auf denen knapp sechzig Prozent aller Verkehrstoten registriert werden, bei nur etwa vierzig Prozent der Kfz-Fahrleistungen", resümiert Alexander Kreipl.

Situation auf der A8

"Angesichts der Tatsache, dass bereits ungefähr zwei Drittel der Strecke der Autobahn A8 vom Autobahnkreuz München-Süd bis zur Landesgrenze mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen ausgestattet sind und nur für zirka zwölf Prozent dieser Strecke kein Tempolimit gilt, sollte unseres Erachtens mehr Wert auf die Qualität der Schaltzustände der Verkehrsbeeinflussungsanlagen gelegt werden", fordert der verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC.

Einerseits seien die bestehenden Anlagen zum Teil veraltet und könnten erforderliche Verkehrszeichenkombination gar nicht schlüssig anzeigen. Andererseits führten mittlerweile oftmals nicht nachvollziehbare Anzeigen, zum Beispiel die Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h bei geringer Verkehrsdichte und besten Witterungsbedingungen, zu schwindender Akzeptanz dieser Anzeigen. "Jedoch wurden diese Anlagen ursprünglich gerade wegen dieser erhofften höheren Akzeptanz der flexibel schaltbaren Verkehrsregelungen durch die Verkehrsteilnehmer mit hohem Aufwand errichtet", sagt Alexander Kreipl.

Keine Probleme in Sachen Lärmschutz

Viele Anwohner leiden unter dem Lärm, den die Fahrzeuge auf der Autobahn A8 verursachen. Jedoch sei diesbezüglich das Tempo in zahlreichen sensiblen Bereichen bereits gedrosselt, so zum Beispiel in den Bereichen Rohrdorf oder Frasdorf.

Wenn die Autobahn von vier auf sechs Spuren ausgebaut wird, greifen zudem Lärmschutzrichtlinien, die im Vergleich zum derzeitigen Zustand eine starke Verbesserung bringen sollen. Neben zusätzlichen Lärmschutzwänden sollen unter anderem auch schallmindernde Fahrbahnbeläge verwendet werden. "Die Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ist da lediglich ein weiterer möglicher Baustein, auf Lärmemissionen dämpfend einzuwirken", sagt Alexander Kreipl.

ksl

Quelle: rosenheim24.de

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