Fazit des Bundesrechnungshofes zum A8-Ausbau - Teil 1

"Eine grundlegende Erneuerung ist dringend erforderlich, aber..."

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Landkreis - Der Bundesrechnungshof übt heftige Kritik am geplanten A8-Ausbau. Ist diese berechtigt? Nach diesen Parametern kommt der Bundesrechnungshof zu seinem Ergebnis.

Viele fordern einen sechsspurigen Ausbau der A8 zwischen dem Inntaldreieck und der Landesgrenze zu Österreich. Doch einer hat etwas dagegen - der Bundesrechnungshof. Doch warum eigentlich? Was spricht gegen den durchweg sechsspurigen Ausbau der Autobahn? Wir haben beim Bundesrechnungshof nachgefragt. Zunächst legen wir dar, unter welchen Parametern der Bundesrechnungshof zu seinem Ergebnis kommt.

1. Mindestens 110 Millionen Euro könnten eingespart werden

Laut Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Ausbau des rund siebzig Kilometer langen Abschnittes vom Chiemsee bis nach Salzburg rund 1,2 Milliarden Euro kosten. Der Bundesrechnungshof hält diese Ausgaben für unverhältnismäßig und das Projekt somit für nicht wirtschaftlich. Mindestens 110 Millionen Euro an Steuergeldern könnten eingespart werden, wenn eben nicht der gesamte Abschnitt sechsspurig ausgebaut würde.

2. Ausbau zerschneidet das Landschaftsbild

In seinem Bericht thematisiert der Bundesrechnungshof auch die Zwickmühle beim Ausbau der A8. "Ein Seitenstreifen ist bis auf einen Streckenabschnitt am Chiemsee nicht vorhanden. Fahrbahn und Brücken sind teilweise in einem mangelhaften Zustand", lautet das Fazit. "Der Streckenabschnitt ist daher nicht verkehrssicher und unfallträchtig. Eine grundlegende Erneuerung ist dringend erforderlich."

Aber: "Dieser Abschnitt verläuft im bayerischen Voralpenland und berührt ökologisch wertvolle Landschaften. Er zerschneidet das Landschaftsbild", heißt es in dem Bericht. Wenn also der Bedarfsplan aus dem Jahr 2016 so durchgezogen wird, wie geplant, würde die A8 von München bis zum Inntal achtstreifig und vom Inntal bis zur Bundesgrenze sechsstreifig ausgebaut werden. Dadurch würde eine regelrechte Schneise entstehen. 

3. Zu wenig Verkehr auf der Strecke

Der Verkehr auf der Autobahn reicht nicht aus, um einen sechsspurigen Ausbau zu rechtfertigen. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrechnungshof. Vom Inntal bis zum Chiemsee liegt die Verkehrsbelastung demnach zwischen 60.000 und 70.000 Kraftfahrzeugen pro Tag, danach bei rund 50.000. 

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Zudem resümiert der Bundesrechnungshof, dass es im Abschnitt bis zum Chiemsee an 106 Tagen im Jahr zu Spitzenbelastungen von mehr als 100.000 Fahrzeugen kommen kann. Bis zu Bundesgrenze sind es hingegen nur noch 26 Tage pro Jahr, an denen es durch Ferienverkehr und an Wochenenden zu prognostizierten Spitzenbelastungen mit 90.000 bis 100.000 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden kommen.

Den Gegenbeweis tritt derzeit der FDP-Landtagskandidat Michael Linnerer an. Er führt ein Stautagebuch für den Abschnitt und erlebt in der Praxis ganz anderes als das Bundesministerium in der Theorie annimmt. Auch an den Zahlen des Bundesministeriums gibt es Zweifel.

4. Wirtschaftlichkeit des Projektes ist nicht gegeben

Um die Wirtschaftlichkeit zu ermitteln, wird das sogenannte Nutzen-Kosten-Verhältnis ermittelt. Dabei spielen sowohl die prognostizierten Kosten, als auch der entstehende Nutzen, zum Beispiel durch kürzere Reisezeiten, günstigere Transportkosten, höhere Verkehrssicherheit oder Vorteile für die Umwelt, eine Rolle.

Im konkreten Fall hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die beiden Bauabschnitte von München bis zum Inntal und vom Inntal bis zur Bundesgrenze zunächst gesondert untersucht.

Demnach liegen die Baukosten für den ersten Abschnitt bei rund 580 Millionen Euro. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis liegt bei 2,8. Die Baukosten für den Abschnitt vom Inntal bis zur Bundesgrenze belaufen sich hingegen auf 1,2 Milliarden Euro. Als Nutzen-Kosten-Verhältnis ist ein Wert unter 1 ermittelt worden. Somit ist die Unwirtschaftlichkeit nachgewiesen.

Danach hat die Behörde einen kleinen Trick angewendet: Indem beide Abschnitte zusammen betrachtet worden sind, ist für die Strecke von München bis zur Bundesgrenze ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,2 herausgekommen. Es liegt also knapp im Bereich der Wirtschaftlichkeit.

ksl

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Montage (picture alliance/dpa)

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