Nach der Übergabe des A8-Stautagebuchs

26 oder 139 Tage Stau auf der A8? Das sagt der Bundesrechnungshof dazu

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Michael Linnerer aus Raubling hat die Stautage auf der A8 geprüft.
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Raubling - Knapp acht Monate ist es her, dass das A8-Stautagebuch an den Bundesrechnungshof übergeben worden ist. Hierzulande wird weiter auf eine Antwort gewartet.

Im August 2018 hat die Facebook-Gemeinschaft zum A8-Stautagebuch ihren Abschlussbericht an die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) übergeben. Sie hat den Bericht mit fünf Kernfragen daraufhin an die Verantwortlichen beim Bundesrechnungshof weitergeleitet. "Knappe acht Monate später haben wir immer noch keinerlei Antwort seitens des Bundesrechnungshofs auf unsere fünf Fragen und Forderungen erhalten", erklärt Initiator Michael Linnerer (FDP). "Deshalb wendeten wir A8-Pendler, Anrainer, Berufskraftfahrer und Sicherheitskräfte uns erneut vergangene Woche mit einem offenen Brief an den Bundesrechnungshof, um nachdrücklich eine Antwort auf unsere fünf Fragen zu erhalten."

Weitere Informationen

Die Unterlagen zum A8-Stautagebuch hat der Bundesrechnungshof erhalten, wie er auf Anfrage bestätigt. Jedoch: "Daraus erwächst für den Bundesrechnungshof keine Neubewertung seiner bisherigen Position. Er hat das Thema in seinen Bemerkungen 2017 aufgegriffen und umfassend dargestellt", heißt es vonseiten des Bundesrechnungshofes. "Welche Konsequenzen aus dieser Bemerkung folgen sollen, wird derzeit im Rechnungsprüfungsausschuss des Deutschen Bundestages beraten." Jedoch wird zugesichert, dass "der Petent in Kürze eine Antwort auf seine Eingabe erhält".

Der offene Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrte Damen und Herren vom Bundesrechnungshof,

wie Ihnen sicherlich bekannt ist, haben wir Anwohner, Pendler, Sicherheitskräfte und Berufskraftfahrer die fast täglich den von Ihnen bewerteten Streckenabschnitt der A8 befahren im vergangenen Jahr hundert Tage lang genau unter die Lupe genommen, um Ihre Aussage von lediglich 26 Stautagen pro Jahr zu hinterfragen.

Im Anhang erhalten Sie nochmals den Abschlussbericht unseres Stautagebuchs, in dem die Messmethodik, die Rohdaten, die Hochrechnung, die Schlussfolgerungen sowie unsere Forderungen enthalten sind.

Ich wende mich an Sie, weil wir Anwohner, Pendler, Sicherheitskräfte und Berufskraftfahrer auf unsere fünf Forderungen eine Antwort/Stellungnahmen von Ihnen erwarten!

Weiterhin möchten wir Sie auf Ihre Art zu messen hinweisen. In unserem Abschlussbericht wird ganz deutlich aufgezeigt (und evaluiert!), dass die von Ihnen und vom Verkehrsministerium zugrundeliegende Messmethode des Verkehrsaufkommen eine unzureichende Aussagekraft besitzt.

Sie stützen sich auf das reine Zählen von Autos (Induktionsschleifen), die einen Streckenabschnitt in einer gewissen Zeit passieren, und nehmen alleine diese Zahlen her, um Rückschlüsse zu ziehen, ob der Verkehr flüssig ist oder sich Staus bilden.

Dabei werden temporäre Themen auf diesem vierspurigen Streckenabschnitt mit zwei Spuren in jede Richtung, wie Verengung auf eine Spur durch Mäharbeiten, Pannen oder Unfälle, nicht berücksichtigt. Unsere nachvollziehbaren und modernen Auswertungen mittels Schwarmintelligenz von Bewegungsprofilen haben einen deutlichen Unterschied der realen Verhältnisse zu Ihrer Interpretation der Zählung ergeben.

Wir zeigen in unserem Abschlussbericht ganz deutlich auf, dass Sie durch Ihre veraltete Messmethodik von Verkehrsaufkommen eine völlig falsche Einschätzung des Verkehrsaufkommens erhalten.

Unsere fünf Forderungen an den Bundesrechnungshof:

  1. Die in der Argumentation vom Bundesrechnungshof angegebenen 26 Stautage weichen in gravierender Weise von den tatsächlich festgestellten 139 Stautagen im Jahr ab. Wir fordern den Bundesrechnungshof auf, die tatsächlich gemessenen Daten als Basis für die Bewertung der Kosten-Nutzen-Rechnung zu verwenden.
  2. Der Streckenabschnitt A8/Inntal bis österreichische Staatsgrenze bei Salzburg muss im Ganzen betrachtet werden, da in der aktuell vorgenommenen Aufteilung Inntal bis Chiemsee und weiter Chiemsee bis Staatsgrenze keinerlei nennenswerte Anschlussstellen vorhanden sind, die größere Verkehrsströme aufnehmen können. Wir fordern den Bundesrechnungshof auf, keine Unterteilung des Streckenabschnitts A8/Inntal bis österreichische Staatsgrenze bei Salzburg in der Bewertung vorzunehmen!
  3. In unserem Bericht wird eindeutig festgestellt, dass nicht nur Verkehrsspitzen, zum Beispiel durch Reiseverkehr, hochproblematisch sind, sondern die sehr hohe dauerhafte Verkehrsauslastung Montag bis Freitag immense Störungen verursacht. Wir fordern den Bundesrechnungshof auf, die Empfehlung für einen zügigen/beschleunigten sechsspurigen Ausbau des kompletten A8-Streckenabschnitts Inntal bis österreichische Staatsgrenze bei Salzburg abzugeben.
  4. Ein Ausbau des Standstreifens auf dem Streckenabschnitt A8/Chiemsee bis österreichische Staatsgrenze kann nur als Übergangslösung infrage kommen, wenn zeitgleich der sechsspurige Ausbau vorangetrieben wird und beim Standstreifenbau bereits berücksichtigt wird.
  5. Um zukünftig für ähnliche Verkehrsprojekte eine Bewertung auf Basis tatsächlicher Daten vorzunehmen, fordern wir, dass im Zuge einer Digitalisierungsoffensive veraltete Methoden ad acta gelegt werden und die moderne Methoden, wie die von uns verwendete Auswertung durch Schwarmintelligenz, verwendet werden.

Wir fordern Sie auf, dazu Stellung zu nehmen."

ksl

Quelle: rosenheim24.de

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