Unermüdlicher Ampfinger baut Camping-Einsätze für Autos

"Start-up" mit eigener Erfindung: 72-Jähriger will's noch einmal wissen

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Gerd Thiede mit einem Bauteil seiner mobilen Camping-Küchen. Aus einer Erfindung für sich selbst wurde für den Ampfinger ein Geschäftsprojekt.

Ampfing - Zusammen sind sie fast 150 Jahre alt. Gerd Thiede und Sepp Klement wollten es noch einmal wissen, gründeten gemeinsam eine Firma um Thiedes Erfindung zu vertreiben. Auch vom aktuellen Stopp durch Corona wollen sie sich dabei nicht unterkriegen lassen.

Es riecht nach Schmieröl und Lötmaterial, wenn man Gerd Thiedes Wirkungsstätte betritt. Knapp 20 Quadratmeter hat sie. Alles ist vollgestellt mit Regalen voller Metall- und Elektrobauteile. In der Mitte steht eine Werkbank. Darum herum, in unterschiedlichen Baustadien, Thiedes Erfindung, seine Campingeinsätze. "Machen Sie da bitte kein Foto von, das ist ja gar nicht mehr das aktuelle Modell", bittet er und räumt hastig ein paar Metallteile zur Seite, von denen der Laie kaum einen Unterschied zum Rest erkannt hätte. 


Wenn er von seinem Projekt sprechen darf, dann lebt Thiede so richtig auf. Er berichtet begeistert von den neuesten kleinen Verbesserungen, die er vorgenommen hat. Hantiert mit Bauteilen, Schrauben, Steckern. Ohne profunde technische Kenntnisse versteht man vielleicht nicht alles. Aber klar ist: Hier ist jemand hochgradig begeistert bei der Arbeit.

Alles fing an mit einem privaten Projekt


Thiede und Klement vor den neuen Geschäftsräumen in Ampfing

Mit 64 in Rente gehen. Vielleicht noch davor den Betrieb übergeben. Das ist das Ziel der meisten Leute für ihren Lebensabend. Auch Gerd Thiede hätte sich nun zurücklehnen und den Ruhestand genießen können. "Früher war ich als Inhaber eines Zulieferbetriebes in der schmalen Nische der Entwicklungsarbeit für Elektromobilität tätig. Große Autokonzerne ließen sich die von meiner Firma ausgetüftelten elektronischen Teile in Klein- und Vorserien für Elektroautos bauen." Vor ein paar Jahren übergab er dann den Betrieb an seinen Sohn. Doch zur Ruhe kam er nicht.

Thiede und Klement im Video-Interview:

Er arbeitete weiter in einer kleinen Werkstatt im Ampfinger Gewerbegebiet vor sich hin. Auch im Alter ist er noch begeisterter Motorradfahrer. Wenn es ihn hinaus in die Welt zieht, wird das Motorrad im Kleinbus mittransportiert. Statt eines fertigen Wohnmobils wollte er dazu einen Bus umgestalten. "Es lag erst mal nahe, nachzusehen was es dafür an Fertig-Systemen zum Einbau eines Betts, Kochgelegenheit und so weiter gab", berichtet er. Allerdings war er mit dem Angebot nicht zufrieden. "Das waren alles Massenprodukte und nur für bestimmte Fahrzeugmodelle oder in bestimmten Maßen verfügbar. Vor allem aber waren sie viel zu schwer und dafür gedacht, dass man sie mindestens zu zweit in sein Auto wuchtet."

Da habe ihn der Ehrgeiz gepackt, es besser zu machen. "Es ging los mit einem Prototypen aus Holz. Aber der war dann auch zu schwer", erinnert sich Thiede. "Aber dann wurde mir klar, dass ich ja über meine alte Firma Zugriff auf das beste, leichteste Material habe!" Also ging es zurück an den Zeichentisch und die Werkbank, ein neues Modell entstand. "Die Camping-Einsätze laufen nun auf sogenannten Vollauszügen. Den Einsatz für den Kocher kann man herausnehmen. Es ist eine Wanne aus Aluminium, die leicht gereinigt werden kann und mit einer Elektroplatte oder einem Gaskocher verwendet werden kann. Wir liefern den sehr guten CampinGaz Kartuschen-Kocher mit Zündsicherung aus. Die Wanne verfügt über eine Nivelliereinrichtung mit Wasserwaage. Damit ist das Fett auch immer da, wo das Schnitzel ist."

Kaufmann und Erfinder fanden zusammen

Immer weiter arbeitete der Ampfinger an seiner Erfindung. "Das war einfach nur ein Zeitvertreib, um mein Problem zu lösen", erzählt er. "Dann bin ich zufällig auf Sepp Klement getroffen." Klement ist ebenfalls eher ein "Oldtimer". Sie lernten sich über die gemeinsame Begeisterung für alte Autos kennen. "Gerd hat mir davon erzählt und ich selbst betreibe ja eine Vermietung für Camping-geeignete Fahrzeuge. Da trafen also die Richtigen aufeinander!" So beschlossen sie, mit "CoMo Mobile Küchen" gemeinsam eine Firma zu gründen, um darüber die Auto-Camping-Einsätze zu vertreiben. "Das ist ja eine echte Marktlücke, so was maßgeschneidert anzubieten", schwärmt Klement. Als Geschäfts- und Vorführräume wurde ein zuvor leerstehendes Bürogebäude an der Simon-Ohm-Straße im Gewerbegebiet angemietet.

Gerd Thiede und sein Geschäftspartner Sepp Klement in der Werkstatt in Ampfing.

"In erster Linie ist das interessant für Leute, die ihr Auto die Woche über ganz normal, aber am Wochenende oder im Urlaub den Bus oder Hochdachkombi als Camper nutzen wollen", beschreibt Klement die von ihnen anvisierte Zielgruppe. "Ohne schrauben zu müssen, wird die Einrichtung mit ein paar Gurten an den Zurrrösen befestigt. Fünf Minuten, länger sollte das nicht dauern, da sie aus Aluminium und komplett schraubbar sind." Das Küchenmodul ist 110 mal 54 mal 41 Zentimeter klein und wiegt 23 Kilogramm. "Es kann hochkant auch in der kleinsten Wohnung, auf dem Balkon oder im Keller untergebracht werden", schwärmt Klement. "Das alles nur von einer Person! Dazu kommt natürlich Matratze und Lattenrost und so weiter. Aber auch die sind klein und extrem leicht. Zudem kann die Matratze im Notfall als Gästebett dienen." Die Preise reichen von 1.770 bis 2.780 Euro, je nach Ausstattung.

Corona-Krise sorgte für Einbruch der Bestellungen

Geht man derzeit durch die neuen Geschäftsräume von "CoMo" fällt auf, dass noch kaum etwas eingerichtet ist. Das kommt nicht von ungefähr. "Ja, Corona hat uns echt einen Strich durch die Rechnung gemacht", räumt Klement ein. "Wir waren kurz bevor so richtig klar wurde, was da auf uns alle zukommt noch auf der Freizeitmesse 'FREE' in München. Haben unsere Bausätze begeisterten Leuten vorgestellt. Im Anschluss hatten wir 36 Kaufabsichten im Auftragsbuch", berichtet er. "Aber dann: Das meiste storniert, nur noch sechs sind übrig!" 

Aber das Kaufmann-Erfinder-Duo lässt sich davon nicht unterkriegen. Thiede kann dem ganzen sogar noch etwas Gutes abgewinnen. "Da kann ich die Zeit mit der einen oder anderen Verbesserung am aktuellen Modell überbrücken."

Im Juli 2020 haben wir uns noch einmal erkundigt, ob Thiede und Clement vom neuen Camping-Boom durch Corona profitieren konnte.

Interessierte können per Telefon oder E-Mail Kontakt aufnehmen. Auch eine Besichtigung und Vorführung vor Ort ist nach Anmeldung möglich.

hs

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