Landesjägermeister im Gespräch - WWF setzt auf "Herdenschutz"

"Hier ist kein geeigneter Lebensraum für Wölfe"

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Larcher: Schafe "mit hoher Wahrscheinlichkeit" von Wölfen gerissen. 

Bayern/Tirol - Meister Isegrim versucht offenbar wieder in der Region heimisch zu werden. Tierschützer begrüßen das - andere wiederum sind skeptisch. 

Meister Isegrim zieht es wieder in unsere Region. Dieser Umstand sorgt nicht überall für Freude - kaum ein Wildtier polarisiert dermaßen, wie der Wolf. Eigentlich ist er im südlichen Oberbayern schon längst ausgerottet. Und nicht wenige sind der Meinung, dass das auch tunlichst so bleiben sollte. Ein - erneutes - Zusammenleben zwischen Mensch, Nutztier und dem hochintelligenten Raubtier erscheint in den Augen vieler Menschen undenkbar. 


Bislang war der Wolf in unserer Region ja nur auf Durchreise zu Gast. Vor allem auf Tiroler Seite der Grenze kommt es in letzter Zeit immer wieder zu Sichtungen - aber auch hochwahrscheinlich zu Wolfsrissen. Mehrere Schafe wurden tot aufgefunden. Noch stehen die Ergebnisse der DNA-Tests aus. Der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher geht im Gespräch mit rosenheim24.de aber davon aus, dass die Tiere "mit hoher Wahrscheinlichkeit" von Wölfen gerissen wurden. Wie viele Exemplare sich derzeit in der Grenzregion aufhalten, ist Inhalt heftiger Spekulationen. 

Tiroler Jäger wollen von zumindest zwei Wölfen wissen, die in der Grenzregion streifen - ein dunkles, und ein helles Tier. Darauf will sich Larcher allerdings nicht festlegen: "Der einzige Nachweis, der aus fachlicher Sicht relevant ist, ist der einer genetischen Probe oder eine eindeutig verifizierte fotografische Dokumentation." Von hell auf dunkel auf eine Mehrzahl von Individuen zu schließen wäre zu kurz gegriffen, weil dieses „Ansprech-Merkmal“ sehr stark von Tageszeit, Lichteinfall oder ganz einfach davon abhänge, ob der Balg der Tiere hell oder nass ist. Es gelte, hier vorsichtig mit Prognosen zu sein.


Video sorgt für Verwirrung

Verwirrung herrscht indes um ein Video, welches einen Wolf zeigt, der einen Reh-Kadaver in einen Wald zerrt. Hieß es zunächst, das Video, das derzeit in Whatsapp-Gruppen viral geht, sei im tirolerischen Kössen entstanden, scheint dies inzwischen höchst fraglich. Auch Larcher weiß von dem Video. Allerdings könne er nicht mit Sicherheit dessen Authentizität bezogen auf das Gebiet Kössen bestätigen. 

Polit-Debatte um Abschüsse - soll die Bevölkerung entscheiden?

In Tirol nimmt momentan die Debatte darüber Fahrt auf, ob die Tiere abgeschossen werden sollen. Die Partei "NEOS" fordern inzwischen eine Volksbefragung. Ohnedies, unter gewissen Umständen ist es in Tirol bereits möglich, Wölfe zu schießen, wie Larcher aufklärt: "Wenn ein Wolf eine dauernde und große Gefahr für Menschen oder für die Nutztierbestände konkret darstellt, so gibt es gesetzliche Grundlagen, die die Entnahme ausnahmsweise ermöglichen.

Und er stimmt bayerischen Stimmen zu, die sagen, dass das Grenzgebiet keine Rudel vertragen könne: "Vom Menschen intensiv genutzte Ballungsräume, wie sie bestehen, sind aus meiner Sicht generell kein geeigneter Lebensraum für Wölfe."

WWF warnt vor "Populistischer Stimmungsmache"

Auch der WWF hat sich in der Debatte um mögliche Abschüsse zu Wort gemeldet. WWF-Wolfsexperte Christian Pichler spricht in der "Tiroler Tageszeitung" im Hinblick auf Abschussforderungen, welche Österreichs Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger aufbrachte, von "Populistischer Stimmungsmache." Zwar seien die Sorgen der Weidetierhalter ernst zu nehmen, "Büchse statt Herdenschutz ist aber der falsche Weg", so Pichler. Die geforderten "wolfsfreien Zonen" seien weder rechtlich noch praktisch möglich. Viel mehr gelte es, das "traditonelle Hirtenwesen" zu stärken und eine "Herdenschutz-Offensive" zu starten. 

(dp)

 

Quelle: rosenheim24.de

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