Dramatische Suche nach Hund im Nationalpark Berchtesgaden

"Ein kleines Wunder": Barry nach elf Tagen aus Felswand gerettet

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Berchtesgaden - Immer wieder hörten Wanderer, Mitarbeiter von Nationalpark und Königssee-Schifffahrt, Fischer und Almbauern in den vergangenen Tagen das verzweifelte Bellen des Hundes aus der steilen, absturzgefährdeten Wand nahe der Salet-Alm. Jetzt konnte er endlich an die überglückliche Besitzerin übergeben werden.

Immer dann, wenn Suchtrupps ausrückten, verstummte der Hund und reagierte nicht auf Rufen oder Pfeifen. Am Donnerstag, den 23. August, machte sich um 5.30 Uhr nochmals ein Team von Nationalpark-Mitarbeitern mit Wärmebildkamera auf den Weg zum Sagereck-Steig. An diesem Morgen hatte der geschwächte Hund nur noch wenige, leise Geräusche von sich gegeben, die ein Senner am Fuße der Felswand gehört hatte. Die Nationalpark-Mitarbeiter stiegen erneut durch unwegsames Gelände auf, um Barry zu lokalisieren. 


Doch der Rüde gab keinen Laut mehr von sich. Die Nationalpark-Mitarbeiter wollten den Hund nicht aufgeben, und suchten mittels Ferngläsern und Spektiven die Felswand ab. Denn es war klar: Den bevorstehenden Wetterumsturz würde der Hund, dessen Bellen von Tag zu Tag weniger und schwächer geworden war, wohl nicht mehr überleben.

Revierleiter erblickt Barry

"Es war großes Glück, dass ich zur richtigen Zeit an die richtige Stelle geschaut habe", berichtet Revierleiter Tilman Piepenbrink. Der Förster suchte mit einer Wärmebildkamera systematisch einen Geländerücken ab, als ihm gegen 8 Uhr ein kleiner, heller Punkt auffiel. Barry hatte sich in diesem Moment kurz bewegt und war dann wieder hinter einem Busch verschwunden. "Es war nur ein kurzer Augenblick, doch ich war mir sicher, dass dies ein Hund sein musste", berichtete Piepenbrink, der daraufhin eine Rettungsaktion für Barry einleitete


Rund 150 Höhenmeter oberhalb des Sees in einem 70 Grad steilen Grashang und direkt über einem 100-Meter Steilabbruch hatte sich Barry in eine ausweglose Lage gebracht. Für den Hund gab es hier kein Vor und Zurück mehr. Ein sechsköpfiges Team stieg über den Sagereck-Steig auf und querte auf rund 800 Meter Höhe einen Rücken, um sich anschließend 40 Meter über ein Steilstück zum Hund abzuseilen.

Rettungsaktion des Nationalpark-Teams: Hund Barry wohlauf

 © Nationalpark Berchtesgaden
 © Nationalpark Berchtesgaden
 © Nationalpark Berchtesgaden

„Für die Rettungsaktion haben wir drei 60 Meter lange Seile verbaut", erläutert Nationalpark-Ranger Fritz Eder, der sich schließlich zu Barry abseilte und den Hund mit einem speziellen Tragesystem sicherte. "Bei seiner Rettung war Barry völlig apathisch, er hat mich gar nicht mehr richtig wahrgenommen und sich nicht mehr bewegt", berichtet der Ranger. "Er war völlig abgemagert und bestand nur noch aus Haut und Knochen". 

Gemeinsam zogen die Nationalpark-Mitarbeiter den Mischling mittels Flaschenzug-System zum Standplatz, wo sie den Hund schluckweise mit Wasser versorgten. In Folge ging es über ein rund 120 Meter langes Seilgeländer durch absturzgefährdetes Steilgelände zurück zum Steig. "Die Rettungsaktion hat knapp fünf Stunden gedauert und wir sind alle sehr froh, dass Barry noch lebt", fasst Eder zusammen.

Barry kehrt zu glücklichen Besitzern zurück

In einer Tierklinik wurde dem Hund nach der guten Erstversorgung durch die Nationalpark-Ranger ein stabiler Zustand attestiert. Nach einer Nacht in der Obhut von Ranger-Leiter Jochen Grab nahm die Urlauberin ihren Hund am Freitag in der Nationalparkverwaltung wieder in Empfang. "Nachdem ich Barry aus den Augen verloren hatte, hörte ich erst noch einen Bellgeräusch, dann ein Winseln und dann nichts mehr“, beschreibt die 27-jährige den Zeitpunkt seines Verschwindens von elf Tagen. 

"Ich bin ihm zuerst nachgeklettert, aber das Gelände war zu steil. Dann habe ich Barry immer wieder gerufen, aber er reagierte nicht mehr. Ich bin davon ausgegangen, dass er abgestürzt ist". Umso glücklicher war die junge Frau, als sie ihren tot geglaubten Hund mit Tränen in den Augen wieder in den Arm nehmen durfte. Nationalpark-Leiter Roland Baier betont in diesem Zusammenhang: "Auch uns liegt der Tierschutz natürlich sehr am Herzen und wir sind alle sehr froh, dass diese aufwändige Aktion gut ausgegangen und Barry gerade noch rechtzeitig gerettet werden konnte. Das ist schon ein kleines Wunder". An alle Wanderer appelliert Baier, ihre Hunde im Nationalpark an der Leine zu führen: "Auch damit anderen Vierbeinern das Leiden von Barry erspart bleibt".

Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

Quelle: BGland24.de

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