Nach offenem Brief eines Angehörigen

Werden Leben aufs Spiel gesetzt, weil ein Heli am Krankenhaus Berchtesgaden nicht landen darf?

Rettungshubschrauber Christoph 14 auf einer Wiese (Archivbild)
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Eine Außenlandung darf das Team von Rettungshubschrauber Christoph 14 im Notfall immer durchführen, auch am Krankenhaus Berchtesgaden (Archivbild).

Berchtesgaden - „Wenn jede Minute zählt!“ - unter diese Überschrift stellt Franz Kurz seinen offenen Brief an Politik und Wirtschaft. Es geht um die Rettung seiner Frau nach einer Hirnblutung und die Möglichkeit für den Rettungshubschrauber am Klinikum Berchtesgaden zu landen.

„Menschenleben vs. Bürokratie“, so drastisch stellt sich die Situation für Franz Kurz nach einem akuten Notfall seiner Frau dar. Seine Frau wurde vor wenigen Wochen vom Bahnhof Berchtesgaden umgehend in die Kreisklinik Berchtesgaden gebracht - Diagnose Hirnblutung. Die nötige Operation konnte nur am Klinikum Traunstein durchgeführt werden.


Keine Rettungshubschrauber-Landung an der Kreisklinik Berchtesgaden, aber schnellstmöglicher Transport?

„Nach Anforderung des Hubschraubers und Zusage, dass dieser in 11 Minuten das Krankenhaus Berchtesgaden für den schnellstmöglichen und vor allem schonendsten Transport verfügbar wäre, erfolgte ein Umstand, der mich bis heute beschäftigt und welchen ich zum Schutz nachstehender Patienten nicht unbesehen lassen kann“, schreibt Kurz in einem offenen Brief, den er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat.


„Nach weniger Zeit erfolgte ein Rückruf mit der Aussage, dass eine Landung des Hubschraubers am Klinikum Berchtesgaden nicht erfolgen „dürfe“, mit der Begründung, dass der Landeplatz dort keinen TÜV beziehungsweise keine EU-Zulassung aufweist. Ferner wurde der Abholort vom Krankenhaus Berchtesgaden weg zum knapp fünf Kilometer und unzählige Unebenheiten sowie Kurven entfernten Bergwachthaus Landeplatz Königssee verlegt. Am Rande bemerkt, einhergehend natürlich mit weiteren Umlagerungen der Patientin, welche indes arteriell in den Kopf einblutete“, schildert Kurz die Situation aus seiner Sicht.

Notfall-Weitertransport von Kreisklinik Berchtesgaden grundsätzlich möglich

Er befürchtete in diesem Moment gravierende Folgeschäden oder sogar den Tod seiner Frau aufgrund von bürokratischen Hindernissen. Dem widersprechen die Kliniken Südostbayern AG und Robert Portenkirchner, Leitender TC-HEMS des Rettungshubschraubers Christoph 14. „Grundsätzlich kann der an der Kreisklinik Berchtesgaden vorhandene Hubschrauberlandeplatz durch den Rettungsdiensthubschrauber angeflogen werden, auch für den notfallmäßigen Weitertransport beziehungsweise die Verlegung von Patienten in eine andere Klinik, in diesem Fall von der Kreisklinik Berchtesgaden in das Klinikum Traunstein“, sind sich beide Seiten einig.

Portenkirchner schränkt aber ein: „Der Landeplatz weist jedoch keine Genehmigung nach PIS (Public Interest Side) auf.“ Dies sei eine Unterkategorie von Landeplätzen, die nicht die Auflagen erfüllen könnten, die ein Landeplatz nach §7 wie beispielsweise der am Klinikum Traunstein erfüllen müsse. „Die Bestimmungen dafür sind sehr umfangreich. Es ist ein Landeplatz wie an einem Flughafen“, konkretisiert Portenkirchner.

Das sei in Berchtesgaden nicht notwendig. Die PIS-Genehmigung bedeute für das Hubschrauber-Team aber, dass gewisse Minimas vorgehalten würden und auch eine gewisse Sicherheit. Portenkirchner betont aber noch einmal, dass es bei der Rettung der genannten Patientin keine Rolle gespielt hätte.

Trotz Verlegung mit Rettungswagen keine zeitliche Verzögerung für Patientin

„Die Lage hat es so ergeben, dass die Patientin vom noch anwesenden Rettungswagen circa 600 Meter vom Krankenhaus auf einer geeigneten Wiese übernommen wurde.“ Das Ganze sei in Absprache mit dem noch anwesenden Notarzt erfolgt. „Die Darstellung der fünf Kilometer Fahrt mittels Rettungswagen zum Bergwacht Landeplatz können wir nicht bestätigen. Die Patientin war vor Eintreffen unseres Rettungshubschraubers bereits im RTW am Landeplatz. Eine zeitliche Verzögerung entstand der Patientin nicht.“

Robert Portenkirchner verweist darauf, dass bei einer Rettung der aktuelle Eindruck eine große Rolle spiele. Die Entscheidung, die Patientin noch einmal in den Rettungswagen zu verladen und ein Stück weiter vom Krankenhaus auf einer Wiese aufzunehmen, sei aus der Lage heraus gefallen. Das Rettungsteam sei immer bemüht, die Rettung bestmöglich für den Patienten umzusetzen.

„Setzen Versäumnisse oder Geld Menschenleben aufs Spiel?“

Natürlich ist das für einen Außenstehenden schwer zu verstehen. Franz Kurz führt dabei auch zahlreiche Rettungen von „erschöpften Hunde“ oder von „bei Schneefall mit Sandalen bekleideten Touristen“ per Hubschrauberlandung auf den Wiesen des Nationalparks an. „Ich maße mir nicht an, ohne vieler Informationen zu urteilen, dennoch stelle ich mir die Frage, ob
nicht Versäumnis oder gar Geld das Leben meiner Frau derart aufs Spiel gesetzt hat.“

Die Kliniken Südostbayern AG erklären in diesem Zusammenhang: „Da wir gerade an den beiden größeren Standorten Bad Reichenhall und Trostberg eine dichtere Bebauung rund um die Kliniken haben, sind die Landeplätze dort als PIS zertifiziert. Für die übrigen kleinen Kliniken mit geringem Notfallaufkommen, darunter auch in Berchtesgaden, ist sichergestellt, dass dort jederzeit Landungen und Starts für Notfallverlegungen oder Notfalltransporte auf ausgewiesenen Flächen erfolgen können..“

cz

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