Kreisbrandinspektor Anton Brandner zieht Schnee-Bilanz

Helfer kamen aus tiefster Überzeugung

Winter in Bayern
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Anton Brandner (2. v.l.) erklärte auch Horst Seehofer und Joachim Herrmann wie sie die Lage in Berchtesgaden im Griff hatten.

Berchtesgadener Land - Zwei Wochen waren die Feuerwehren im inneren Landkreis im Einsatz. Was mit umstürzenden Bäumen begann, endete im Katastrophenfall mit Tausenden Helfern aus ganz Bayern und deutschlandweiter Unterstützung. Für Kreisbrandinspektor Anton Brandner der erste Einsatz dieser Art.

"So ein Einsatz mit so vielen Helfern über einen so langen Zeitraum, das kommt in Bayern selten vor", ist sich Brandner der Besonderheit seiner Aufgabe bewusst. Er koordinierte als Einsatzleiter die Helfer von Feuerwehr, Bundeswehr, THW, BRK, Polizei, Bundespolizei, Malteser Hilfsdienst, der Bergwacht und der Wasserwacht. "Die Stimmung war unfassbar gut. Alle, die geholfen haben, haben aus tiefster Überzeugung geholfen."


Dabei begann der Einsatz für die heimischen Feuerwehren mit umgestürzten Bäumen. Bis zu 20 Mal am Tag wurden sie alarmiert, um eine Straße wieder frei zu machen. Nebenbei waren die Räumdienste im Dauereinsatz. Je mehr der Schnee wurde, desto mehr stellte sich für den Kreisbrandinspektor die Frage: "Sind wir von der Feuerwehr fürs Abschaufeln der Dächer zuständig?" Spätestens mit der Ausrufung des Katastrophenfalls wurde die Frage mit "Ja" beantwortet.

Kommunale Führungsstrukturen aufrecht erhalten

Doch schnell wurde auch klar, dass die heimischen Feuerwehrleute langsam ans Ende ihrer Kräfte kommen. Als am10. Januar der Katastrophenfall ausgerufen wurde, waren sie ja bereits fünf Tage mehr oder weniger im Dauereinsatz. "Es gibt in Bayern eine überörtliche Katastrophenhilfe. Dort meldet jeder Landkreis ein bestimmtes Kontingent an Einsatzkräften verfügbar. Diese Kräfte haben wir über die Regierung von Oberbayern und über das Innenministerium abgerufen", erklärt Anton Brandner. Dazu kam die Unterstützung der Bundeswehr.


Bilder vom Katastrophenfall in Berchtesgaden

 © FDL/Arz
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Jetzt ging es darum, Ordnung in das bereits deutschlandweit verbreitete 'Chaos' zu bringen. "Das geht nur mit System", so der Kreisbrandinspektor. Dabei kam ihm die Organistationsstruktur der Feuerwehr und der Bundeswehr zu Hilfe. "Wir haben bewusst geschaut, dass die kommunalen Führungsstrukturen aufrecht erhalten bleiben." Das bedeutet, jede Gemeinde arbeitete ihre Dächer ab. Wo die eigenen Kräfte nicht ausreichten, wurden von der Einsatzzentrale in Berchtesgaden auswärtige zugeteilt.

Baufachberater vereinfachen Arbeit

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"Dann haben wir grundsätzlich kalkuliert, dass eine Einheit am Tag zwei Dächer abschaufeln kann. Je nachdem wie viele Dächer die Gemeinden meldeten, dementsprechend Einheiten wurden ihr für den nächsten Tag zugeteilt", gibt Brandner Einblick in sein Geschäft der letzten beiden Wochen. Ganz wichtig sei der Einsatz von Baufachberatern gewesen. "Denn weder ein Hausbesitzer, noch wir von der Feuerwehr, können beurteilen, ob ein Dach wirklich abgeschaufelt werden muss."

Mit der Hilfe der Baufachberater wurden die Dächer priorisiert und auf die Liste der abzuarbeitenden Dächer gesetzt. "Wir hatten immer den aktuellen Stand von abzuschaufelnden Dächer gegenüber den erledigten Aufgaben. Anfangs waren es gerade mal 20 bis 30 Prozent, die wir am Tag geschafft haben, da immer mehr dazugekommen sind." Aber die Stimmung unter den Einsatzkräften sei trotzdem immer gut gewesen. "Zum Teil wurde ein sportlicher Ehrgeiz entwickelt, wie schnell man so ein Dach abschaufeln kann", freut sich Anton Brandner. "So ein Einsatz schweißt total zusammen und gehört sicher zu den Einsätzen, wo man dabei gewesen sein will."

Nur kleine Verletzungen und Schäden

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Hauptsächlich auch deswegen, weil es bei diesem Einsatz keine großen Verletzungen oder Schäden gegeben hat. Der Kreisbrandinspektor selbst kann sich da eine Anekdote nicht verkneifen. "Ich musste privat in dieser Zeit mal ins Krankenhaus. Beim Betreten des Krankenhauses sehe ich schon zwei Feuerwehrmänner, der eine den Arm bandagiert, der andere im Rollstuhl." Bis zu diesem Zeitpunkt sei er selbst noch davon ausgegangen, dass nichts schlimmes passiert sei. "Im Gespräch mit den beiden hat sich aber schnell herausgestellt, dass der eine sich das Knie verdreht hatte und der andere nur eine kleine Verletzung am Arm."

Durch die wenigen Verletzungen, den reibungslosen Ablauf, aber vor allem durch seine 'dermaßen guten Leute im Stab' wird Anton Brandner dieser Einsatz tatsächlich'in schöner Erinnerung' bleiben. Dennoch sind alle Einsatzkräfte aus dem Berchtesgadener Land froh, dass sie dieses Wochenende zuhause mit den Familien genießen können und nicht mit Schaufel und Seil auf einem Dach stehen müssen, um eine Katastrophe zu verhindern.

cz

Quelle: BGland24.de

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