Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Mutter aus Unterwössen kritisiert Gemeinde - diese weist Vorwürfe zurück

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

UPDATE, Dienstag, 26. Mai, 15.30 Uhr:

Im Rahmen unserer Leserbriefe zu der Coronakrise haben wir auch einen anonymen Beitrag einer Leserin aus Unterwössen veröffentlicht (Anonym aus Unterwössen). In diesem kritisiert die Frau vor allem die Gemeinde Unterwössen. Die Gemeinde veröffentlicht nun eine Gegendarstellung:


Sehr geehrte Damen und Herren,

in einem anonymen Beitrag mit der Überschrift „Eure Geschichte zu Corona“ in Chiemgau24 sind Vorwürfe gegen die Gemeinde und unseren Geschäftsleiter veröffentlicht worden, die wir so nicht hinnehmen wollen.


Eine Familie aus Oberwössen hat in der Gemeinde angefragt ob wir bei der Suche nach einem Appartement für einen ihrer Söhne behilflich sein können. Wir haben dies zugesagt, sofern das Gesundheitsamt eine solche Quarantänemaßnahme für erforderlich hält. Die Mutter hat mit einem Anschreiben an das Gesundheitsamt dabei die freundliche Unterstützung durch unseren Geschäftsleiter noch gewürdigt (E-Mail vom 06.05.2020).

Mit E-Mail vom 08.05.2020 ist uns vom Gesundheitsamt mitgeteilt worden, dass keine Notwendigkeit von Quarantäneanordnungen und von einer zeitlichen Unterbringung besteht. Trotzdem haben wir daraufhin die Geschäftsstelle des Achentaltourismus informiert, ihr bei der Wohnungssuche behilflich zu sein. Eine Kostenübernahme konnte aufgrund dieses Sachstandes selbstredend nicht in Aussicht gestellt werden.

Gegen die persönlichen Angriffe dieser Art möchten wir uns mit Nachdruck verwahren.

Vorbericht:

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:

Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Unterwössen

Liebe Leser von chiemgau24, wir bitten um Eure Aufmerksamkeit. Die Situation ist folgende: Unser 19-jähriger Sohn musste am vergangenen Montag wieder an sein Gymnasium zurückkehren. Unter normalen Umständen hätte er bereits am Montag, den 27. April, wieder mit dem Unterricht begonnen. Aus Rücksichtnahme auf seinen neunjährigen organtransplantierten Bruder ging er erst später an die Schule. 

Da sein organtransplantierter und damit auch immunsupprimierter Bruder einer Risikogruppe angehört und deshalb unbedingt geschützt werden muss, kann unser angehende Abiturient wegen des nach wie vor bestehenden Infektionsrisikos in den Schulen die nächsten voraussichtlich zwei bis drei Wochen nicht nach Hause zurückkehren. Da ja nun bereits die Abiturprüfungen laufen und er damit vor Ort am Gymnasium sein muss, benötigt er für voraussichtlich zwei bis drei Wochen ein kleines Zimmer oder Appartement. Am besten in der Region Wössen oder auch in der näheren Umgebung. Wir sind natürlich bereit, die Nebenkosten zu tragen. 

Leider mussen wir uns mit diesem Anliegen an die Öffentlichkeit wenden, da weder unsere Vermieterin (deren Zuhäusl neben unserem Wohnhaus auf dem demselben Grundstück seit dreieinhalb Jahren leer steht), noch die direkten Nachbarn (wo drei Häuser und mehrere Wohnungen leer stehen) bereit sind, vorübergehend zu helfen. Und auch die Verantwortlichen der Gemeinde Unterwössen, welche bereits seit geraumer Zeit sehr gut Bescheid wissen, sind nicht bereit, entsprechend ihrer Möglichkeiten, so zum Beispiel engagierte Bürger, Gemeinderäte oder Ferienwohnungsbesitzer anzusprechen und zu fragen, ob sie unserem Sohn ein Zimmer anbieten wollen. 

Wir müssen leider zum wiederholten Male feststellen, dass sich die Verantwortlichen der Gemeinde Unterwössen passiv zeigen. Die Gemeinde Unterwössen hat uns auf den Achental Tourismus verwiesen, wo wir eventuell ein Mietobjekt zu normalen Konditionen anmieten könnten. Gerade jetzt in dieser Situation stehen viele Ferienwohnungen leer.

Wir hoffen, dass uns jemand von Ihnen helfen kann und ein Zimmer oder ein kleines Appartement zur Verfügung stellen kann. Unser 19-jähriger Sohn muss nämlich bereits im Laufe der Woche wieder aus seiner jetzigen, nur notdürftigen Unterkunft ausziehen. Falls Sie uns helfen möchten, schreiben Sie bitte eine Mail an termine@ovb24.de. Die Redaktion von chiemgau24.de wird Ihre Mail dann an uns weiterleiten.

Nachtrag: Ich möchte mich im Namen meiner ganzen Familie ganz herzlich bei all denen bedanken, die sich per Mail gemeldet haben. 

Tatjana aus Rosenheim

Die Corona Zeit bringt viele Veränderungen mit sich. Man muss versuchen für sich das Beste daraus zu machen. Wir haben die Zeit genutzt, um gemeinsam mit der Familie etwas für unserer Terrasse zu erschaffen. Wir haben eine Bank gebaut. Und zwar eine Gemeinsam-Bank.

Normalerweise werden diese Bänke von Schülerinnen und Schülern an ihren Schulen, in einem künstlerisch-handwerklichen Projekt mit "mazu" gebaut. Da "mazu" momentan, bedingt durch Corona, nicht an die Schulen darf, konnten wir das Equipment für unsere Zwecke genutzt.

Entstanden ist eine wunderschöne Bank. Egal ob vierjährig, elfjährig, oder erwachsen, alle in der Familie haben mit angepackt, jeder war gefordert und konnte nach seinen Möglichkeiten mitarbeiten. Die beiden Kleinen (4 und 7 Jahre alt) waren begeistert am Holz schleifen, die Größeren (9 und 11 Jahre) fasziniert vom Beton anrühren und gießen. Nicht zu vergessen, die wundervollen Mosaike, die die Kinder gestaltet haben und die jetzt unserer Bank ihre ganz persönliche Note verleihen. Jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte.

Es war eine Freude, den Kindern beim Arbeiten zuzuschauen und mitzuerleben, mit welcher Motivation und mit wie viel Spaß unsere Kinder bei der Sache waren. Nun steht die Bank auf unserer Terrasse. Auch nach Corona wird uns die Bank daran erinnern, was wir in der außergewöhnlichen Zeit als Familie bewerkstelligt haben. Wir werden daran denken wie schwer es manchmal war, dass man die Freunde und Großeltern nicht sehen konnte und das Gemeinschaftsgefühl in der Schule und im Kindergarten nicht mehr erleben durften. Aber auch daran, wie wir die Bank zusammen gestaltet und gebaut haben, auf der wir jetzt so gerne sitzen.

Nützliche Links zu Corona:

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Bäda aus Rosenheim

Wir sitzen nicht alle in einem Boot. Wir befinden uns vielleicht im selben Sturm, aber die einen befinden sich dabei auf einem Kreuzfahrtschiff und die anderen in einem Schlauchboot. Die Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff (zu denen ich mich nicht zählen darf) echauffieren sich derzeit sehr häufig über die Besatzung in den Schlauchbooten, die um ihr Leben schreien. Das sind die Menschen, die gerade ihrer Existenzgrundlage beraubt werden und die zurecht die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen hinterfragen und in dem Zusammenhang die Kritikalität der Infektion anzweifeln. 

Ich musste mein Geschäft seit 63 Tagen schließen, in dieser Zeit sind regulär ca. 163.800 Menschen gestorben in Deutschland, davon 8.027 an oder mit Corona, dies kann man noch nicht mal genauer beziffern. Diese Beraubung der Existenzgrundlage geht in vielen Staaten in extrem kritische Bereiche, insbesondere wenn kein Sozialsystem greift. Diese Menschen schreien gerade zurecht um ihr Leben. Sind deren Menschenleben weniger wert? Sind inzwischen diese Menschen sogar mehr, die um ihr Leben fürchten, als die sogenannte Risikogruppen, die wir gerade händeringend versuchen zu schützen? Im Übrigen ohne zu fragen, ob die das in irgendeiner Weise wollen, völlig alleine von "Marsmenschen" versorgt in einem isolierten Raum ohne dem Partner den Freunden der Familie dem Bekannten aus dem Leben zu scheiden ?

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Katharina aus Kolbermoor

Ich gehöre zu den Menschen, die immer noch hoffen, dass sich durch die Pandemie irgendetwas verändert. Am Verbraucherverhalten, an der Herstellung und Verarbeitung von Produkten, an den Lieferketten und, und, und. Nachher, so meine Wunschvorstellung, sollte nicht mehr das Gewinnstreben an erster Stelle stehen, sondern die Ethik des Wirtschaftens. 

Aber jetzt - mit Einsetzen der Lockerungen - bekomme ich Zweifel. Kaum haben die Geschäfte wieder offen, preisen Textildiscounter T-Shirts an, die billiger sind als ein Putzlappen. Und die Menschen stehen davor, ohne darüber nachzudenken, wie dieser Superpreis entstanden ist! Ich weiß, dass die Menschen in den Herstellungsländern diese Arbeit brauchen. Aber haben sie nicht auch ein Recht auf einen menschenwürdigen Lohn, damit sie ihre Kinder auf eine Schule statt zur Arbeit schicken können? 

Beim Fleisch erleben wir gerade Ähnliches. Muss Fleisch in Deutschland so billig sein, dass die meist aus Osteuropa kommenden Arbeitskräfte, unter prekären Verhältnissen leben, nicht krankenversichert sind und auch nicht ordentlich entlohnt werden? Das Ganze nur, damit die Discounter ihren Verbrauchern billiges Fleisch anbieten können, die bei dieser "Ramschware" auch noch zugreifen. Nicht die Einschränkungen durch Corona machen mich wütend, sondern dass gegen die Missstände, die seit vielen Jahren bekannt sind, niemand etwas unternimmt!

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 2.339 Todesfälle (Stand: Mittwoch, 20. Mai, 14.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle

Seit Mittwoch, 6. Mai, gilt in Bayern eine Kontaktbeschränkung. Das heißt, man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen. Zudem sind Treffen von Familien (Eltern, Großeltern, Enkel) wieder erlaubt. Seit Freitag, 8. Mai, gibt es eine weitere Lockerung der Corona-Regeln. So sind nun auch wieder Treffen von Angehörigen zweier verschiedener Haushalte möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum.

Seit Montag, 18. Mai, können Biergärten bis 20 Uhr und ab Montag, 25. Mai, auch wieder Speiselokale aufsperren (bis 22 Uhr) - allerdings unter sehr strengen Hygienekonzepten. Die Maskenpflicht besteht weiterhin.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/ha

Quelle: rosenheim24.de

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