Nach Evakuierung eines Seniorenheims in Bad Feilnbach

Einsatz überzogen? Ärztlicher Leiter weist Leserkritik entschieden zurück

In einem Bad Feilnbacher Pflegeheim sind 31 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Das Heim wurde evakuiert.
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In einem Bad Feilnbacher Pflegeheim sind 31 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Das Heim wurde evakuiert.

Bad Feilnbach - Das Alten- und Pflegeheim St. Lukas in Bad Feilnbach ist am Mittwoch in einem Großeinsatz evakuiert worden. Der Grund: Etliche Bewohner waren an COVID 19 erkrankt. War der Einsatz überzogen? Zu dieser Kritik unserer Leser äußert sich jetzt der ärztliche Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz.

Die Heimaufsicht des Landkreises Rosenheim hatte die Maßnahme angeordnet, weil die Versorgung der Bewohner in der gewohnten Form nicht mehr gewährleistet gewesen wäre. Hintergrund war, dass sich die Leitung der Einrichtung und mehrere Mitarbeiter und ein Großteil der Bewohner mit dem Coronavirus infiziert hatten. Insgesamt wurden bei dem Großeinsatz 41 Personen verlegt, 31 davon sind nachweislich infiziert. Viele Bewohner wurden in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.


„Von der Schwere der Fälle sind alle Bandbreiten dabei, bis hin zu Schwererkrankten. Es wurde inzwischen die ganze Einrichtung evakuiert“, sagte Bettina Bauer, die Leiterin des Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis Rosenheim auf Nachfrage von rosenheim24.de.

War der Einsatz überzogen?

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Dr. Michael Städtler, der ärztliche Leiter Führungsgruppe Katastrophenschutz, der für die Verlegung und Unterbringung zuständig war, erklärte in einer Pressekonferenz am Mittwoch auf die Meinung einiger Leser hin, der Einsatz wäre massiv überzogen gewesen: "Wir hatten 41 Einwohner mit unterschiedlichstem Pflegegrad, die unter Umständen von COVID 19 betroffen sind. Da muss man dementsprechend Vorkehrungen treffen dass man da einen vernünftigen Transport und eine vernünftige Logistik hinstellt. Das Einfachste wäre natürlich gewesen, man schickt einen Reisebus hin", sagt Städtler ironisch. 15 Fahrzeuge seien an dem Einsatz beteiligt gewesen. "Einige könnten leider einen Rettungstransport nicht von einem Krankentransportwagen unterscheiden. Das waren aus unserer Sicht die geeigneten Fahrzeuge um die Einwohner geordnet aus diesem Heim in eine entsprechende weitere Betreuung zu bringen."


Die 15 Fahrzeuge seien entsprechend von der Polizei abgesichert worden. "Das zieht das einfach nach sich. Das alles ist eine riesen Logistik. Der geneigte Leser sollte ein bisschen dankbar sein, dass wir das so über die Bühne gekriegt haben", so Städtler. "Der Aufwand ist deshalb erforderlich, dass man einen gesicherten Übergang von 41 Personen inklusive medizinischer Betreuung inklusive der notwendigen Nachvollziehbarkeit, wo der Patient jetzt ist, hat. Aus diesem Grund war eine große Einsatzleitung draußen." Alle Bewohner seien erfasst, nach medizinischer Bedürftigkeit kategorisiert und entsprechenden Häusern zugewiesen worden. Das ganze wurde dann der Heimaufsicht übergeben, um auch für die Angehörigen nachvollziehbar zu machen "was ist denn mit meinem Opa passiert?". 

Großeinsatz an Seniorenwohnheim in Bad Feilnbach

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Dringender Appell von Bad Feilnbacher Bürgermeister

Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner (CSU) wandte sich in einer Art offenem Brief auf der Homepage der Gemeinde mit einem dringenden Appell an seine Bürger: "Unsere Fallzahlen liegen weit über dem Landkreisdurchschnitt. In unserer Gemeinde gibt es mittlerweile einige Corona-Todesfälle zu beklagen. Einige unserer Mitbürger liegen schwer erkrankt in den Krankenhäusern." 

Mit dieser Information wolle der Bürgermeister jedoch nicht noch zusätzlich verunsichern, sondern auf die dramatische Situation aufmerksam machen, hieß es. Deswegen appellierte Wallner daran, die sozialen Kontakte weiterhin auf das Notwendigste zu beschränken. "Jeder Kontakt schafft ein Ansteckungsrisiko. Einige unserer Mitbürger sind noch zu sorglos", so Wallner. Dies betreffe vor allem ältere Mitbürger in der Gemeinde, die nach wie vor persönlich zur Apotheke, zum Einkaufen oder zur Bank gehen würden. "Das muss sofort aufhören", so Wallner, der in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf den von der Gemeinde organisierten Einkaufsservice verwies (Infos bei Veronika Gasteiger unter Telefon 08066-88725).

jb

Quelle: mangfall24.de

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