Initiator, Bürgermeister und Obst- und Gartenbauverein äußern sich

Obstbauern wehren sich gegen geplantes "Biotop-Gesetz" - Apfelmarkt Bad Feilnbach in Gefahr?

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Bad Feilnbach - Viele Landwirte in der Region ergreifen derzeit starke Maßnahmen: Sie fällen ihre Obstbäume, da sie fürchten, wegen einem neuen Gesetz ihren eigenen Grund und Boden zu verlieren. Die schlimmste Folge wäre, wenn dann auch noch der Apfelmarkt in Bad Feilnbach dran glauben müsste.

Ein Gesetz, das aus dem bayerischen Volksbegehren Artenschutz (Motto: „Rettet die Bienen“) hervorgeht, lässt derzeit viele Obstbauern in der Region aufschrecken. Es besagt, dass ein Streuobstgarten ab 2.500 Quadratmeter als geschütztes Biotop gilt. Zwar ist das Gesetz noch nicht in Kraft getreten, d ennoch rebellieren die Bauern aus der Region schon jetzt. Sie befürchten, dass ihnen das Sagen auf ihrem eigenen Grund und Boden entzogen werde, falls das Gesetz in die Tat umgesetzt werde. Also fällten die Obstbauern reihenweise ihre Obstbäume.

Was sagt der Obst- und Gartenbauverein dazu?

Gerti Seebacher vom Obst- und Gartenbauverein Feilnbach-Wiechs-Litzldorf sagte im Gespräch mit mangfall24.de, dass dieses Gesetz die freie Vermarktung der Obstbäume gefährde. Statt ein solches Gesetz ins Leben zu rufen, wäre es, laut Seebacher, viel effektiver und wichtiger, die Obstbauern bei der Pflege und Pflanzung der Obstgärten zu unterstützen und zu stärken. Mit dem Gesetz würde man eher "dagegen arbeiten", so Seebacher.

Gerti Seebacher vom Obst- und Gartenbauverein Feilnbach-Wiechs-Litzldorf

Auch Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner versteht die Befürchtungen der Bauern, dass sie ihre Obstgärten nicht mehr wie gewohnt bewirtschafte könnten, wenn das Gesetz in Kraft trete. Das stoße den Landwirten natürlich auf, so Wallner.

Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner

Was ist so schlimm an einem Biotop?

Das Gesetz, durch das ein Streuobstgarten ab einer Größe von 2.500 Quadratmeter, zu einem Biotop werde, gefährde die kleineren Obstgärten, sagte Gerti Seebacher im Interview. In einem Biotop bestehe eine starke Verwilderung, beispielsweise mit Mäusen und Maulwürfen. Die starke Verwilderung schlage dann auf die kleinen Streuobstgärten über, die ja gepflegt und bepflanzt werden.

Was bedeutet das für den Bad Feilnbacher Apfelmarkt?

Die schlimmste Folge, die das Durchsetzen des Gesetzes mit sich bringe, wäre ein Absetzen des Bad Feilnbacher Apfelmarktes. Laut Seebacher würden die Obstbauern am Apfelmarkt nicht mehr gerne teilnehmen. Sie hätten dann einfach keine Freude mehr daran, Teil des Apfelmarktes zu sein. Zwar glaube sie nicht, dass der Apfelmarkt komplett ausfallen werde, trotzdem wäre das die schlimmste Folge, die das Gesetz nach sich zeihen würde. 

Bürgermeister Wallner versicherte im Gespräch mit mangfall24.de, dass der Apfelmarkt wie gehabt stattfinden werde.

Das sagt Apfelmarkt-Initiator Kirner

Manfred Kirner, der Initiator des Apfelmarktes in Bad Feilnbach, nahm ebenfalls Stellung zu der aufgeworfenen Frage, ob es einen Apfelmarkt im Jahr 2019 geben wird: "Der Apfelmarkt findet auf alle Fälle statt."

Das wird auch in einer Pressemeldung deutlich:

Auf dem Bild Festwirt Manfred Kirner mit Gattin Elisabeth Kirner

"Unser 28. Apfelmarkt in Bad Feilnbach findet selbstverständlich statt. Unsere Landwirte, Ihre Streuobstwiesen und die daraus resultierenden Erzeugnisse sind ein Garant für den Erfolg des Bad Feilnbacher Apfelmarkts. Das Volksbegehren für mehr Artenschutz oder in kurzer Schreibweise, „Rettet die Bienen“, bringt weiterhin viele kontroverse Diskussionen hervor. Eine demokratische Grundordnung bleibt gerade durch sachliche Auseinandersetzungen lebendig. Am Ende muss ein für alle Beteiligte tragfähiger Kompromiss gefunden werden. Unsere Umwelt und Natur ist unsere Lebensgrundlage, das liegt auf der Hand. Gerade jetzt sollte die Politik unseren Landwirten den Rücken stärken und die Chance nutzen, unsere Fachleute in Sachen Grund und Boden für gelebten Natur- und Artenschutz zu belohnen. Meldungen wie „ab 2500 Quadratmeter sollen Streuobstwiesen zu Biotopen werden“ polarisieren und sollten von der Politik umgehend richtig gestellt bzw. aus der Welt geschafft werden. Ein Fällen der Obstbäume führt die Diskussion um mehr Artenschutz ad absurdum. Eine Unterstützung der Landwirte für mehr Streuobstwiesen, biologisch bewirtschaftet und gepflegt, führt zu mehr Artenvielfalt und damit zu mehr Artenschutz. Eine bürokratische Einordnung von Lebensräumen in Biotop, Natura 2000 oder auch Naturschutzgebiet ist weithin überflüssig, sofern mehr Artenschutz und Artenreichtum durch entsprechende landwirtschaftliche Maßnahmen von der Politik dauerhaft gefördert und von den Bürgerinnen und Bürgern ebenso langfristig unterstützt werden.

Zusätzlich bieten wir mit dem Bad Feilnbacher Apfelmarkt unseren Landwirten und Obstbauern eine hervorragende Möglichkeit,ihr Obst oder dessen Folgeprodukte direkt vor Ort einem sehr großen Publikum zu präsentieren und letztendlich zu vermarkten. Dies führt schließlich dazu, dass vom biologischen Anbau von Obst nicht nur unsere Landwirte, sondern auch die Natur und natürlich auch die Verbraucher profitieren."

Lesen Sie auch:

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) erklärte auf einer Regionalkonferenz am Freitag in der Inntalhalle Rosenheim den neuen Gesetzesentwurf nach dem Volksbegehren und die betrieblichen Auswirkungen im Einzelnen.

ics

Quelle: mangfall24.de

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