Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

+++ Eilmeldung +++

Schwerer Unfall bei Vilsbiburg

Großeinsatz auf Baustelle: Betondecke stürzt ein und verletzt wohl mehrere Personen

Großeinsatz auf Baustelle: Betondecke stürzt ein und verletzt wohl mehrere Personen

Noch sehen Experten Chancen

„Horror-Prognose“: Wärmer, trockener, extremer - Bayern droht ein massiver Klimawandel

Klimawandel in Bayern
+
Klimawandel in Bayern

Der Klimawandel ist längst Realität. Auch in Bayern kann man die Folgen schon spüren: Mehr Hitze, Trockenheit, Hagel, Starkregen. Viel spricht dafür, dass sich die Lage bis 2100 noch stark verschlimmern dürfte.

Ohne wirksame Klimaschutzmaßnahmen droht Bayern bis zum Jahr 2100 ein Anstieg der Durchschnittstemperatur von bis zu 4,8 Grad Celsius. Zu diesem Ergebnis kommt der am Mittwoch in München vorgestellte Klima-Report 2021, der die bisherige Prognose aus dem Jahr 2015 um 0,3 Grad nach oben korrigiert. Dabei wird vorausgesetzt, dass keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Referenzzeitraum in dem 196 Seiten umfassenden Bericht ist die Spanne von 1971 bis 2000.

Klima-Report Bayern: Bis zu 36 weitere Hitzetage

Aber nicht nur die mittlere Temperatur im Freistaat wird sich - in unterschiedlicher regionaler Prägung - in den kommenden 79 Jahren massiv verändern. So könnten pro Jahr bis zu 36 weitere Hitzetage hinzukommen. Hitzetage sind Tage mit einer Temperatur von mindestens 30 Grad Celsius. Zum Vergleich: Zwischen 1971 und 2000 gab es gerade einmal vier Hitzetage pro Jahr. Auch kühle Nächte dürften seltener werden. Der Bericht rechnet damit, dass bis zu 18 Tropennächte mit einer Temperatur über 20 Grad Celsius in Bayern möglich sind.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber sprach von einer „Warnung der Wissenschaft“. Der FW-Politiker kündigte an, auf Grundlage des Reports konkrete Vorschläge machen zu wollen, wie der Klimaschutz in Bayern weiter vorangebracht werden könne. „Der Klimareport lässt aufhorchen.“ Die neue Dynamik des Wandels beunruhige ihn.

Der Klimawandel kann laut Report noch abgemildert werden. Sollte das Pariser Klimaabkommen weltweit erfolgreich umgesetzt werden, würde die Temperatur in Bayern spätestens ab 2050 nicht mehr nennenswert steigen. Im Mittel sagen die Experten dann ein Plus von 1,1 Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts voraus.

Längere Trockenperioden und intensivere Starkregenereignisse

Ohne Gegenmaßnahmen prophezeit der Report ferner, dass sich zwar die Gesamtregenmenge in Zukunft kaum ändert, Niederschläge aber nicht mehr so gleichmäßig verteilt über das Jahr fallen. Dadurch drohen - wie in den vergangenen Jahren - längere Trockenperioden sowie häufigere und intensivere Starkregenereignisse mit Hochwasser im ganzen Land. Wegen des Starkregens drohe zudem die Abschwemmung wertvoller Böden. Die Bodenerosion könnte sich gar verdreifachen.

Klima-Report

Der Klima-Report 2021 enthält alle relevanten Zahlen und Fakten rund um den Klimawandel in Bayern. Der Bericht soll über den Verlauf aufklären und die schon heute spürbaren Auswirkungen aufzeigen. Er schreibt den Report aus dem Jahr 2015 fort, dieser ging für Bayern im Jahr 2100 noch von einer Maximaltemperatur von bis zu 4,5 Grad Celsius aus. Im neuen Klima-Report wurden die bisherigen Prognosem aus dem Jahr 2015 nochmals um 0,3 Grad nach oben korrigiert.

Als Reaktion auf die neue Dynamik müssten die Klimaschutz-Ziele in Bayern nochmals „nach oben geschraubt werden“, betonte Glauber und kündigte ein Klima-Paket II an. Neue Schwerpunkte seien die Bereiche natürlicher Klimaschutz – wie etwa Schutz der Moore, kommunaler und internationaler Klimaschutz sowie erneuerbare Energien. Bayern werde künftig seine Klimaziele auch analog zum Bund nach oben korrigieren.

Noch immer gebe es Menschen, die den Klimawandel leugnen, sagte Glauber. Hier würden die Fakten aber eine klare Sprache sprechen. Jedes Jahr, in dem nicht gegengesteuert werde, verschärfe die Herausforderung für kommende Generationen. Wie in der Corona-Krise müsse in der Klimapolitik der Gesundheitsschutz Priorität haben.

Das im vergangenen Jahr von CSU und Freien Wählern durch den Landtag gebrachte bayerische Klimaschutzgesetz verzichtet auf klar definierte Verbote zur Reduzierung der Emissionen des Klimakillers Kohlendioxid (CO2). Zur Erreichung des Ziels, Klimaneutralität bis 2050, setzt es auf die freiwillige Umsetzung eines 96 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalogs, der etwa eine massive Aufforstung oder den Schutz von Mooren umfasst. Kritiker sehen das Gesetz daher als nutzlos an.

Umweltpolitiker spricht von „Horror-Prognose“

Die Opposition im Landtag reagierte alarmiert auf die neuen Klimaprognosen. SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn sprach von einer „Horror-Prognose“, die das „klimapolitische Totalversagen“ der Staatsregierung offenlege. Seit 2005 sei keinerlei Reduzierung von Treibhausgasen erreicht worden.

Auch Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann warf der Regierung Versagen vor. CSU und Freie Wähler würden ihre Vorbildfunktion nicht annehmen. „Es werden weiter Wälder im staatlichen Besitz für Gewerbegebiete gerodet, Moore werden trockengelegt, auf den Schuldächern und anderen öffentlichen Gebäuden haben wir weiter keine Photovoltaikanlagen – dieser Versäumnisbericht ließe sich endlos fortsetzen.“

Der klimapolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Christoph Skutella, forderte finanzielle Hilfen für die Kommunen, damit diese sich auf die Klimaveränderungen vorbereiten könnten. Zugleich müsse Bayern sich auch international mehr für den Schutz engagieren.

Zugleich betonte Glauber, dass die Energiewende ohne mehr Windkraft in Bayern nicht erfolgreich zu meistern sei. Die von der CSU 2018 verankerte 10-H-Regel zu Mindestabständen beim Bau von Windrädern zu Wohnhäusern halte er für falsch, da sie den Ausbau auf null bremse - er sei aber an den Koalitionsvertrag gebunden. In Zukunft werde es wegen der immer dramatischeren Folgen des Klimawandels keine Kritik an Windrädern aus optischen Gründen mehr geben.

Klima-Experte: Letzten Jahre deutlich zu trocken

Tobias Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes betonte, dass die vergangenen drei Jahre deutlich zu trocken gewesen seien, zugleich wurden Hitzerekorde registriert. „Für die Zukunft sind die Niederschlagsmengen mit ihren Auswirkungen entscheidend.“ In der Folge sei mit einer Zunahme von Extremereignissen wie die Sturzflut in Simbach am Inn 2016 oder wie die Dauerschneefälle 2019 zu rechnen. Klar sei aber auch, dass im Winter Skifahren nur noch in Höhenlagen möglich sein werde.

dpa/mz

Kommentare