Reaktionen auf die Wahlen im Berchtesgadener Land

Von "überwältigt" bis "besch..." - die Landrats- und Bürgermeisterwahlen im Landkreis

Die Landrat-Stichwahl-Kandidaten: Bernhard Kern (CSU, r.) und Bartl Wimmer (Grüne, l.).
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Wer wird der neue Landrat im Berchtesgadener Land? Bernhard Kern (CSU, r.) oder Bartl Wimmer (Grüne, l.).

Berchtesgadener Land - Sechs neue Bürgermeister wird es im Berchtesgadener Land geben, zwei davon in den Städten Freilassing und Bad Reichenhall. Wie in Bad Reichenhall wird es auch um den Landratsposten eine Stichwahl geben, dagegen bleibt in Laufen alles beim Alten.

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Obwohl er bereits Bürgermeister in Saaldorf-Surheim ist, sieht sich Bernhard Kern (CSU) als "Quereinsteiger" für den Landrat. Umso mehr freut es ihn, dass er es mit 41,94 Prozent in die Stichwahl gewählt wurde. "Ich bin dankbar, dass es so ausgegangen ist", erklärte er gegenüber BGLand24.de.

Ganz so klar war sein Gegenkandidat anfangs nicht. Bartl Wimmer (Grüne) und Michael Koller (FWG) lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Einzug in die Stichwahl. Am Ende hatte der Grüne-Kandidat mit 25,78 Prozent die Nase vorn. "Die Stichwahl war das erklärte Ziel, insofern passt es und jetzt ist alles offen."

Michael Koller (22,83 Prozent) akzeptierte die knappe Niederlage. "Natürlich wäre ich gerne in die Stichwahl gekommen, aber wir hatten ein tolles Team, eine tolle Mannschaft und ich denke wir haben für die Freien Wähler einiges erreicht." So positiv kann Roman Niederberger (SPD) die Wahl leider nicht beurteilen. Noch vor der Wahl hatte er sich via Facebook bei den Wählerinnen und Wähler bedankt:

Mit 4,89 Prozent war Niederberger am Ende mehr als enttäuscht und verließ noch vor der endgültigen Auszählung das Landratsamt. Ähnlich erging es seinem Mitbewerber von der AfD, Wolfgang Koch. Er bekam 4,56 Prozent der Stimmen, "hätte sich aber schon ein paar mehr erhofft".

Viel erhoffen können sich jetzt nur sowohl Bernhard Kern als auch Bartl Wimmer. Der Stichwahl-Wahlkampf wird sich allerdings auf die Medien und die sozialen Medien reduzieren. "Zu Zeiten des Coronaviruses sind wir uns einig, dass öffentliche Veranstaltungen nicht stattfinden werden", so die beiden Kandidaten. "Die Lage erfordert einen klaren Verzicht darauf!"

Für sie ist die Landratswahl vorbei: (v.l.) Wolfgang Koch (AfD), Michael Koller (FWG) und Roman Niederberger (SPD).

Kommunalwahl 2020: Auch Oberbürgermeister-Stichwahl in Bad Reichenhall

Mit Spannung erwartet wurde die Oberbürgermeister-Wahl in Bad Reichenhall. Mit sieben Kandidaten war von Anfang an mit einer Stichwahl zu rechnen, doch wer sollte letztlich in diese einziehen? Die Auszählungen der ersten Wahllokale wurden mit Spannung erwartet und sollte vor allem die am Ende als Stichwahl-Kandidaten Festehenden überraschen.

Einer von beiden wird Bad Reichenhalls neue(r) Oberbürgermeister(in): Monika Tauber-Spring (Bürgerliste, l.) oder Christoph Lung (CSU, r.).

Christoph Lung (CSU) kann sich mit 32,62 Prozent als Wahlsieger sehen. "Das ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis", sagte er gegenüber BGLand24.de. Jetzt will er für die Stichwahl noch mehr Vertrauen hinzugewinnen. Seine Mitbewerberin wird Monika Tauber-Spring (Bürgerliste) sein. Sie setzte sich mit 20,47 Prozent am Ende gegen den amtierenden Oberbürgermeister Herbert Lackner (Liste Lackner) durch, der 19,31 Prozent erreichte.

"Ich bin überwältigt", sagte Tauber-Spring gegenüber BGLand24.de. "Wir haben natürlich gehofft, dass wir in die Stichwahl kommen. Umso größer ist die Freude, dass es nach dem Kopf-an-Kopf-Rennen geklappt hat." Die Bürgerliste-Kandidatin zeigte sich sehr, sehr dankbar. Sie sei aus dem Nichts gekommen, aber die jahrzehntelange Tätigkeit in Bad Reichenhall sei wohl nicht unbemerkt geblieben.

Herbert Lackner akzeptierte den Wähler-Willen und bedankte sich bei allen, die ihr demokratisches Recht der Wahl wahrgenommen hätten. Er versprach: "Ich werde bis 1. Mai voll weiterarbeiten." Während sich Pia Heberer (Grüne) und Ania Winter (FWG) enttäuscht über ihre Ergebnisse (6,03 bzw. 10,11 Prozent) zeigten und beide gespannt auf die Stadtratsergebnisse warteten, drückte es Guido Boguslawski (SPD, 3,08 Prozent) drastischer aus: "Für mich ist es besch... gelaufen." Passend dazu postete er bei Facebook:

Der siebte Kandidat Hans Söllner erreichte 8,38 Prozent und sagte über Facebook nur "vielen, vielen Dank".

Da der Liedermacher keine eigene Liste hat, zieht er im Gegensatz zu den anderen Kandidaten nicht in den Stadtrat ein. Alle anderen Oberbürgermeister-Kandidaten haben ein Mandat für den Stadtrat erhalten. Auch die AfD hält mit einem Sitz Einzug in den Stadtrat. Da die Bürgerliste und die Grünen diesmal getrennt voneinander antraten, konnten sie ihre Sitze von drei auf sieben mehr als verdoppeln. Die Bürgerliste hat drei, die Grünen vier Sitze. Die CSU verliert einen, die SPD zwei Sitze. Auch die FWG-Fraktion schrumpft von sechs auf vier Sitze. Die FDP fällt ganz raus.

Kommunalwahl 2020: Freilassing hat einen neuen Bürgermeister

Während in Bad Reichenhall eine Stichwahl die Entscheidung bringt, hat die Stadt Freilassing ab 1. Mai 2020 einen neuen Bürgermeister. Bei vier Kandidaten setzte sich Markus Hiebl als unabhängiger Kandidat klar mit 57,17 Prozent durch. "Das klare Ergebnis kam schon ein bisschen überraschend", gab er gegenüber BGLand24.de zu. "Wir sind alle von einer Stichwahl ausgegangen." Umso mehr freut er sich über das hervorragende Ergebnis. "Ich freu mich narrisch, dass ich wieder heimkommen kann und auf die Arbeit. Für Freilassing war es eine gute Wahl."

Ab 1. Mai ist Markus Hiebl Freilassings neuer Bürgermeister.

Für Hiebls Gegenkandidaten Thomas Wagner (CSU), Daniel Längst (FWG) und Felix Barton (AfD) ist die Wahl nicht so gut ausgegangen. Wagner zeigte sich von seinen 17,82 Prozent erheblich enttäuscht. "Der Wähler hat entschieden, dass müssen wir akzeptieren." "Die Wahl war ein klares Zeichen der Freilassinger, welchen Bürgermeister sie sich wünschen", analysierte Längst. Für ihn sei der Wahlkampf hochinteressant gewesen. Der FWG-Kandidat versprach dem neuen Bürgermeister eine gute Zusammenarbeit im Stadtrat.

Denn wie Wagner und Barton wurde er über die Liste in den Stadtrat gewählt. Somit zieht die AfD erstmals in das Freilassinger Stadtparlament ein. Auch die FWG kann ihre Sitze von vier auf sechs Sitze und die Grüne/Bürgerliste von drei auf fünf ausbauen. Pro Freilassing bleibt konstant mit drei Sitzen vertreten. Die CSU verliert drei Sitze und hat sieben Kandidaten im Stadtrat, die SPD verliert zwei Sitze und wir nur noch mit zwei Kandidaten vertreten sein.

Kommunalwahl 2020 in Laufen und vielen Gemeinden bleibt alles beim Alten

"Ein ehrliches Ergebnis", so bewertet Laufens Bürgermeister Hans Feil seine Wiederwahl. Mit 55,58 Prozent wählten in die Laufener erneut zum Stadtoberhaupt. Sein Herausforderer Michael Spitzauer (Grüne) erreichte 44,42 Prozent. "Zum Schluss war das Ergebnis dann doch deutlich. Ich hätte mir zwar mehr Stimmen gewünscht, aber mit dem Laufener Ergebnis kann ich als CSU-Mann leben", erklärte Feil gegenüber BGLand24.de.

Er wird weitere sechs Jahre die Geschicke der Stadt Laufen führen. Ebenso hat sich im Stadtratsgremium kaum etwas verändert. Die CSU erhält sechs Sitze, die Grünen vier, die SPD einen, die Freien Wähler vier, unabhängig-fair-bürgernah zwei Sitze, die ÖPD zwei und die Linke einen.

Der neue ist der alte: Hans Feil bleibt Bürgermeister in der Stadt Laufen.

In diesen Gemeinde bleibt der amtierende Bürgermeister im Amt: Franz Rasp (CSU) in Berchtesgaden, Thomas Weber (CSU) in Bischofswiesen, Herbert Gschoßmann (CSU) in Ramsau, Wolfgang Simon (FWG) in Schneizlreuth, Thomas Gasser (CSU) in Teisendorf. Besonders deutlich wurde Hannes Rasp (CSU) in Schönau am Königssee wiedergewählt. Trotz einer Mitbewerberin (Sabine Kruis, Grüne) erhielt er 81,97 Prozent der Stimmen.

Auch die Pidinger sprachen sich klar für ihren amtierenden Bürgermeister Hannes Holzner aus (57,08 Prozent) und das obwohl ihn seine Partei, die CSU, ursprünglich nicht mehr nominiert hatte. Andreas Argstatter hatte sich parteiintern als Gegenkandidat gemeldet und war nominiert worden. Nachdem eine Entscheidung des Schiedsgerichts über die Zulässigkeit der Nominierung nicht rechtzeitig vor der Wahl fiel, kandidierten sowohl Holzner als auch Argstatter parteilos. Argstatter erhielt 15,67 Prozent, Anton Wieser von der FWG 27,25 Prozent.

Hannes Holzner hat Grund zum Strahlen, er bleibt weitere sechs Jahre im Amt.

Kommunalwahl 2020: Vier neue Bürgermeister im Berchtesgadener Land bereits gewählt

Die größte Überraschung des abends war Marktschellenberg. Der amtierende Bürgermeister (FWG) Franz Halmich erhielt nur 22,62 Prozent der Stimmen. "Ich war total überrascht und enttäuscht", gab er gegenüber BGLand24.de zu. "Ich hätte damit gerechnet, durchzumarschieren. Aber das ist Demokratie." Natürlich überlegt Halmich auch, was er falsch gemacht haben könnte. "Wenn einen 80 Prozent der Marktschellenberger nicht mehr wollen, muss ich etwas falsch gemacht haben. Gesagt hat es keiner und ich hatte auch nicht das Gefühl." Dennoch akzeptierte er die Entscheidung und wünschte dem neuen Bürgermeister viel Erfolg.

Der neue Marktschellenberger Bürgermeister heißt Michael Ernst (Bürgerliste). Der Geschäftsleiter der Gemeinde bekam 59,36 Prozent der Stimmen und zeigte sich ebenfalls überrascht. "Natürlich bin ich sehr beeindruckend von diesem Vertrauensbeweis", sagte er gegenüber BGLand24.de. "Jetzt werde ich in den nächsten Jahren versuchen meine Nicht-Wähler von mir zu überzeugen."

Michael Ernst ist neuer Bürgermeister von Marktschellenberg.

Die neu-gegründete Bürgerliste marschierte auch als stärkste Kraft in den Gemeinderat mit 34,01 Prozent erhalten sie vier Sitze. Die CSU bleibt bei drei Sitzen, die FWG fällt von fünf auf zwei Sitze, die LWG von drei auf zwei Sitze. Die Grünen behalten einen Sitz.

In Ainring, Anger und Saaldorf-Surheim stand schon vor der Wahl fest, dass es einen neuen Bürgermeister geben wird. In Ainring konnte Martin Öttl (FWG) die Wahl mit 53,19 Prozent für sich entscheiden. Sven Kluba (CSU) bekam 46,81 Prozent. In Anger heißt der neue Bürgermeister Markus Winkler (CSU). Mit 70,99 Prozent setzte er sich klar gegen Bernhard Koch (miteinand' für Anger, 29,01 Prozent) durch. In Saaldorf-Surheim wird der zweite Bürgermeister der erste. Andreas Buchwinkler (Junge Liste) wurde mit 73,76 Prozent gewählt. Andreas Nutz (CSU) bekam 26,24 Prozent.

Die Wahlbeteiligung war in Schneizlreuth und Teisendorf mit 71,4 Prozent beziehungsweise 70,51 Prozent am höchsten. Dort wurde der Bürgermeister im Amt bestätigt. Obwohl in Bad Reichenhall sieben Kandidaten zur Wahl standen und in Freilassing ein neuer Bürgermeister gewählt wurde, war die Wahlbeteiligung mit 51,93 Prozent beziehungsweise 44,56 Prozent sehr niedrig.

cz

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