Schulöffnungen in der Region unter Pandemie-Bedingungen

Kultusministerium: „Möglichst viel Präsenzunterricht das Ziel dieses Schuljahres“

Ab dem 22. Februar lernt der Großteil der bayerischen Schüler wieder im Präsenzunterricht vor Ort - auch bei uns in der Region. Doch wie funktioniert das unter Pandemie-Bedingungen? Gibt es Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte sowie ausreichend technische Mittel? Das Kultusministerium steht Rede und Antwort.

Landkreise - Angesichts des Rückgangs der Infektionszahlen hat das bayerische Kabinett am 11. Februar 2021 entschieden, erste Öffnungsschritte bei Schulen und Kindertagesbetreuung einzuleiten. „Nach wie vor bleibt als oberstes Ziel der Schutz der Gesundheit“, betont eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Nachfrage von rosenheim24.de.

Strenge Schutz- und Hygienevorgaben für Präsenzunterricht

Ab dem 22. Februar wird demnach für die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundschule und der Förderschule sowie für alle Abschlussklassen Wechselunterricht oder Präsenzunterricht mit Mindestabstand zugelassen. Für die übrigen Jahrgangsstufen und Schularten bleibt es weiterhin beim Distanzunterricht. In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 100 findet in jedem Fall Distanzunterricht statt.

„Für den Präsenzunterricht gelten klare Schutz- und Hygienevorgaben“, wie die Sprecherin weiter erläutert. „Hierzu zählt insbesondere die Einhaltung des Mindestabstands, die Beachtung der Maskenpflicht und der Lüftungskonzepte sowie ein ergänzendes Test- und Maskenkonzept. Für Lehrkräfte wird im Unterricht eine Pflicht zum Tragen von medizinischen Masken eingeführt.“

Präsenzunterricht „im Sinne fairer Bildungschancen wichtig“

Das Kultusministerium binde bei den Planungen und Entscheidungen alle an der Schule Beteiligten ein - dazu gehört auch ein ein regelmäßiger Dialog mit dem Landesschülerrat. Die Sprecherin erklärt dazu: „Alle an der Schule beteiligten Verbände haben sich für dieses Schuljahr zum Ziel gesetzt, dass möglichst viel Präsenzunterricht durchgeführt werden kann, weil Distanzunterricht diesen nicht gleichwertig ersetzen kann.“

Durch Präsenz- und Wechselunterricht bestehe die Möglichkeit wieder „im direkten Austausch vor Ort zu lernen“. Gerade mit Blick auf die anstehenden Abschlussprüfungen habe dies „erhebliche pädagogische Vorteile“. Im unmittelbaren Austausch in der Schule könnten die Lehrkräfte sich ein „gutes Bild über den Kompetenzstand verschaffen und bestmöglich fördern“.

Zu bedenken sei auch, dass es vielen Schülern im Distanzunterricht schwerfalle, am Ball zu bleiben. Gerade für die sei der Präsenzunterricht „im Sinne fairer Bildungschancen wichtig“. Zudem stehen Leistungsnachweise an, die in Präsenz abgelegt werden müssten. Und eines dürfe nicht vergessen werden: Schule sei nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch der sozialen Begegnung, die für die Jugendlichen besondere Bedeutung habe.

Diese Meinung jedoch vertreten gerade die Abschlussschüler nicht in vollem Umfang. Mittlerweile wehren sich immer mehr Schüler gegen die Maßnahmen der Bildungspolitik in der Corona-Pandemie. Die Klassensprecher von der FOS/BOS Altötting starteten gar eine Petition gegen den Wechselunterricht. Wir haben uns darüber hinaus die Kritik zu der Entscheidung des Ministeriums von den Schülern der FOS/BOS Wasserburg angehört.

Maßnahmen für gutes Lehren und Lernen unter Pandemiebedingungen

Bayernweite Rückmeldungen zeigen trotz der neuen Regelungen, dass der Distanzunterricht gut funktioniere und stabil laufe. Das Kultusministerium habe seit Beginn der Pandemie “alles dafür getan, um den Distanzunterricht erfolgreich zu gestalten, Bildungsqualität zu sichern und Chancengerechtigkeit zu gewährleisten“.

Angefangen von der Verlängerung der Schullizenzen für das Videotool MS Teams über die Ertüchtigung der Lernplattform Mebis bis hin zu der massiven Aufstockung der Leihgeräte - Der Freistaat habe sowohl bei den Schülerleihgeräten als auch bei den Lehrerdienstgeräten „massive Investitionen“ getätigt.

Bayern habe im Gegensatz zu anderen Ländern bereits sehr früh aus Landesmitteln in die Digitalisierung der Schulen investiert. „Aufgrund vorausschauender Planung standen bereits zu Beginn der Corona-Krise an den bayerischen Schulen knapp 50.000 Notebooks und Tablets zur Verfügung, die für den unterrichtlichen Einsatz vorgesehen waren und entsprechend in der Krisensituation an Schüler verliehen werden konnten – das Einvernehmen des Schulaufwandsträgers vorausgesetzt“, erläutert die Kultusministeriums-Sprecherin.

Alle Erweiterungen des DigitalPakts Schule sehen insgesamt 233,4 Millionen Euro unter anderem für Schülerleihgeräte und Lehrerdienstgeräte vor, die der Freistaat um 125 Millionen Euro aus Landesmitteln ausgebaut habe. Kommunen und Privatschulträger hätten so hohe Fördersummen zur Verfügung, die sie bei Bedarf schnell zum Einsatz bringen können.

Digitale Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

„Die Lehrer leisten einen großen Beitrag zum Gelingen des Distanzunterrichts“, heißt es weiter aus dem Ministerium. „Für die Online-Fortbildungsangebote der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) Dillingen im Bereich der Digitalen Bildung wurden bereits über 100.000 Einschreibungen verzeichnet, was die außerordentlich hohe Bereitschaft der Lehrer aller Schularten belegt, sich die notwendigen Kompetenzen anzueignen.“

Ziel für das zweite Halbjahr: „Mit unseren Maßnahmen schaffen wir die Grundlagen, dass die Schüler trotz der außergewöhnlichen Situation faire Bedingungen vorfinden und gut durch das Schuljahr kommen.“

Keine Förderung von Trennwänden für den Unterricht

Trennwände können generell vor Tröpfchen schützen, jedoch auch die Luftzirkulation beim Lüften behindern“, betont die Sprecherin. Installierte Trennwände könnten weder regelmäßiges Lüften noch andere Maßnahmen zur Infektionsreduktion insbesondere das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung, Vereinzelung der Tische und Einhaltung des Mindestabstands ersetzen.

„Das Förderprogramm für Investitionskosten für technische Maßnahmen zum infektionsschutzgerechten Lüften in Schulen sieht die Förderung von Trennwänden nicht vor. Das Förderprogramm bezieht sich auf die Beschaffung von CO2-Sensoren sowie mobilen Luftreinigungsgeräten. Eine allgemeine wissenschaftliche Empfehlung zum flächendeckenden Einsatz von mobilen Luftfiltern in den Klassenzimmern gibt es derzeit nicht“, heißt es dazu.

Entscheidung zum Ausfall der Faschingsferien

Der bayerische Ministerrat hat am 6. Januar beschlossen anstelle der Faschingsferien eine Schulwoche anzusetzen. „Dass diese Entscheidung allen Beteiligten viel abverlangt, ist in der derzeitigen Lage voll und ganz nachvollziehbar“, räumt die Ministeriums-Sprecherin ein. „Dennoch kam der Ministerrat nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss, dass es aus pädagogischer Sicht die sinnvollste Lösung ist, die Ferienzeit als Lernzeit zu nutzen.“

Coronabedingt sei es im letzten und diesjährigen Schuljahr zu sehr vielen Einschränkungen für den Schulbetrieb gekommen. Die zusätzliche Unterrichtswoche im Februar habe sinnvoll genutzt werden können, um Wissenslücken zu schließen, um Lern- und Wiederholungsangebote auszuweiten und um auch die Abschlussklassen auf die kommenden Prüfungen vorzubereiten. Um eine Überforderung der Schüler zu vermeiden, achten die Lehrkräfte bei der Unterrichtsgestaltung darauf, Lernpausen einzulegen und auf die Schülerbedürfnisse einzugehen.

mb

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer

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