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Rauchentwicklung in Industriegebäude in Peterskirchen

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Ex-Papst bleibt Ehrenbürger von Marktl

Marktls Bürgermeister: Missbrauchs-Kapitel soll im Andenken berücksichtigt werden

Emeritierter Papst Benedikt XVI.
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Papst Benedikt XVI. wurde in Marktl geboren.

Es ist still geworden um den Missbrauchsskandal in der Kirche. Während aktuelle Nachrichten über den Ukraine-Krieg die Thematik aus den Schlagzeilen verdrängen, wird weiterhin diskutiert, welche Konsequenzen das Münchner Gutachten nach sich ziehen muss. Auch Marktl am Inn hat die Vorwürfe gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. noch nicht ad acta gelegt.

Marktl – Jedes Missbrauchsopfer ist eines zu viel, darin sind sich die Gemeinderatsmitglieder und der Bürgermeister von Marktl einig. Der Ort ist Geburtsstätte von Joseph Ratzinger, dem emeritierten Papst Benedikt XVI., und hält ihn und sein Geburtshaus in Ehren. Das Gutachten der Münchner Anwälte Westpfahl, Spilker und Wastl, das am 20. Januar veröffentlicht wurde, warf dem ehemaligen Papst Falschaussagen und Fehlverhalten vor. Während seiner Zeit als Erzbischof habe Ratzinger den Priester H. in der Gemeinde Garching eingesetzt – obwohl ihm bekannt gewesen sei, dass H. sich sexuell an Kindern vergangen hatte.

Das Geburtshaus des emeritierten Papst Benedikt XVI. in Marktl.

Eine Welle von Kirchenaustritten folgte auf die Veröffentlichung des Gutachtens: In Marktl sind seit dem 20. Januar so viele Gläubige ausgetreten, wie sonst im einem ganzen Jahr. Während in anderen bayerischen Kommunen überlegt wird, ob Benedikt-Plätze umbenannt und dem ehemaligen Papst die Ehrenbürgerwürde aberkannt werden soll, wollte man in Marktl Ratzingers Statement abwarten. Inzwischen hat dieser Falschaussagen eingeräumt, wurde aber dafür kritisiert, in seiner Stellungnahme keine Verantwortung für Fehlverhalten zu übernehmen. Ratzingers Anwälte bestreiten den Vorwurf der Vertuschung von Missbrauchstaten.

Die Tafel am Geburtshaus in Markt.

Wie geht das Dorf Marktl mit den Vorwürfen gegen Benedikt XVI. um?

Der Bürgermeister des Ortes, selbst ein Benedikt und mit Nachnamen Dittmann, ist bedacht, wenn es um Aussagen zur Sache geht. Er berichtet, dass man im Gemeinderat intensiv über die Angelegenheit diskutiert habe, aber zu einem gemeinsamen Schluss gekommen sei. „Ich habe das 1800 Seiten starke Gutachten selbst gelesen, und im Gemeinderat haben wir die Versäumnisse von Benedikt XVI. genau beleuchtet.“ Ratzinger habe in den vier Fällen nicht genau genug hingeschaut, so Dittmann. In mehreren hundert anderen Fällen habe der emeritierte Papst aber richtig gehandelt.

Neben dem Gebutshaus: Das Heimatmuseum von Marktl.

Bereits im Jahr 2011 hat Ratzinger als Kardinal ein Schreiben veröffentlicht, das dem Klerus empfiehlt, bei Missbrauchsfällen die nationalen Gesetze zur Anzeigepflicht zu befolgen. „Ratzinger war 2008 noch recht allein im Vatikan, als er für den Rücktritt von irischen Bischöfen sorgte, weil sie nicht angemessen auf Missbrauchsfälle reagiert hatten“, so Dittmann. In den USA und in Australien habe Ratzinger Missbrauchsopfer getroffen, und die Kirche für das Thema sensibilisiert. „Als Pontifex war Ratzinger für die Verfolgung von Missbrauchstaten“, so Dittmann.

Der Benediktweg ist ein 245 km langer Radwanderweg.

In einem Interview für das Passauer Bistumsblatt sagt Dr. Franz Haringer, theologischer Leiter des Geburtshauses: „Ich würde mir wünschen, dass man auch die großen Leistungen Joseph Ratzingers nicht übersieht: als überragender Theologe, als Papst aus Deutschland, aber auch als Mensch, der persönlich aufrichtig und liebenswürdig ist. All das zusammengenommen, meine ich, steht jetzt nicht die Rücknahme von Ehrenbürgerwürden oder Straßennamen an.“

Der Gemeinderat und der Bürgermeister stimmen dem zu: „Wir wollen die Missbrauchsvorwürfe gegen die Kirche im Andenken darstellen. Aber auch, was von ihr und insbesondere Ratzinger dagegen unternommen wurde“, sagt Dittmann. „Es wird vergessen, dass die Kirche sich sehr für Gutes engagiert. Viele ehrenamtliche Helfer oder Geistliche sind derzeit beleidigenden Kommentaren ausgesetzt. Das ist nicht fair, denn sie engagieren sich für das Wohl anderer Menschen.“

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