Bahnübergang entschärfen

Neue Brücke, neue Straßenführung: Bei der Innkanalbrücke nutzt Töging Synergieeffekte

Die Kanalbrücke in Höchfelden wird um insgesamt 1,54 Meter gehoben und die Straßenführung durch eine Bahnüberführung in gerader Linie vereinfacht.
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Die Kanalbrücke in Höchfelden wird um insgesamt 1,54 Meter gehoben und die Straßenführung durch eine Bahnüberführung in gerader Linie vereinfacht.

Die Brücke über den Innkanal im Töginger Stadtteil Höchfelden wird wegen der Erweiterung des Innkraftwerks angehoben. Die Pläne dazu hat der Verbund kürzlich im Töginger Stadtrat vorgestellt. Für die Stadt Töging bietet sich damit die Chance, die Querung der Bahnstrecke neu zu regeln.

Töging – Ab August soll die Brücke saniert und angehoben werden. Bis Mitte 2022 soll es dauern, „im schlimmsten Fall bis August 2022“, legte Thomas Wimmer vom Verbund dem Töginger Stadtrat dar.

Die Höherlegung der 1986 erneuerten Brücke des Kanal- und Kraftwerksbetreibers soll Rettungskräften nach der Fertigstellung des neuen Stauwehrs in Jettenbach, wenn der Kanal bis zu 70 Zentimeter höhere Pegelstände haben wird, weiterhin die Passage ermöglichen. Die Baukosten beziffert der Verbund auf Nachfrage auf rund 800 000 Euro.

Schnittstellen nutzen

Doch die Baustelle an der Innkanalbrücke bleibt nicht die einzige. Die Stadt und der Verbund haben eng zusammengearbeitet, sodass Schnittstellen für die geplante Fortführung der Brücke über die Bahngleise definiert werden konnten.

Einstimmig sprach sich das Gremium nach längerer Diskussion für den Bau einer Überführung der Bahntrasse Mühldorf-Simbach aus, die an dieser Stelle nur wenige Meter nördlich des Innkanals parallel verläuft. Bürgermeister Tobias Windhorst (CSU) betonte, dass die vom Ingenieur Anton Kagerer vorgestellte Variante derzeit „die einzig machbare Lösung“ ist.

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Parallel zur Sanierung der Höchfeldener Brücke soll die gesamte Verkehrsführung nördlich des Kanals neugestaltet werden. Wie der mit der Planung beauftragte Ingenieur aus Altötting aufzeigte, wird die Straße zunächst geradeaus über die eingleisige Bahntrasse führen und anschließend mit einem deutlich größeren Kurvenradius als bisher, auf die Höchfeldener Straße geführt.

Westliche Ortsumgehung für Töging derzeit nicht möglich

In diesem Zuge gleich noch eine westliche Ortsumgehung für Töging zu schaffen, sei aktuell aber nicht möglich: „Wir bekommen die Grundstücke einfach nicht!“, bedauerte Windhorst.

Auf den Planungsskizzen wird klar, dass die geplante Bahnüberführung bereits so angelegt wird, um eine spätere Ortsumgehung im Westen von Töging zu ermöglichen.

Obwohl sich Anwohner schon jetzt über die Verkehrsbelastung beschweren, von der im Weiteren auch die Comeniusschule und der Kindergarten St. Josef betroffen sind, sah der Stadtrat einstimmig den Vorteil: „Das Ganze kostet Töging nichts“, erklärte Anton Kagerer. Denn durch eine neue Regelung decken Fördermittel der Bundesregierung auch das Drittel der Kosten ab, welches bisher vom jeweiligen Straßenbaulastträger zu tragen war.

Verkehrssituation verbessert sich

Positiv bewerteten die Stadträte auch die Verbesserung der Verkehrssituation. Bisher knickt die Straße nach der Brücke direkt nach Osten ab, um entlang der Dammböschung auf das etwa fünf Meter tieferliegende Umgebungsniveau zu führen. Unten gibt es dann wieder eine enge 90-Grad-Kurve, von wo aus die Höchfeldener Straße über einen unbeschrankten Bahnübergang führt.

Der Verbund wird zwar auch diese Straße im Zuge der Hebung der Brücke um 1,54 Meter erneuern; genau wie die Zufahrtsrampe von der Mühldorfer Straße. Doch nach dem nun beschlossenen Vorschlag kann beispielsweise der bisherige unbeschrankte Bahnübergang zu einem Fußgängerüberweg zurückgebaut werden.

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Wann genau die Höchfeldener Straße wieder für den Verkehr freigegeben werden kann, ist momentan jedoch nicht klar: „Das muss alles noch mit dem Eisenbahnbundesamt abgestimmt werden“, verteidigte sich Bürgermeister Tobias Windhorst gegen die Vorwürfe von Stadträtin Birgit Noske (SPD. Diese war der Ansicht, dass man das seitens der Stadt besser koordinieren hätte sollen.

Auf Nachfrage von Stadtrat Stefan Grünfelder(CSU), ob man bei den Planungen nicht auch einen Fahrradweg berücksichtigen könne, erklärte Thomas Wimmer vom Verbund: „Die Kapazität der Spannbetonträger ist ausgelutscht.“ Folgerichtig wird auch die neue Brücke über die Bahnlinie nur auf der Westseite einen rund 1,8 Meter breiten Fußgängerweg bekommen.

Elektrifizierung bleibt möglich

SPD-Fraktionssprecher Günter Zellner wollte wissen, mit welchen Belastungen die Anwohner zu rechnen hätten. „Wir haben weder Nacht- noch Sonntagsarbeit vorgesehen“, erklärte der Planer des Verbunds. Fraktionssprecher Josef Neuberger von den Freien Wählern erkundigte sich vielmehr nach den Ausbaumöglichkeiten der Bahntrasse Mühldorf-Simbach.

„Eine Elektrifizierung bleibt jederzeit möglich“, erläuterte Anton Kagerer. Bürgermeister Tobias Windhorst ergänzte, dass „ein zweigleisiger Ausbau sowieso nur für die Strecke Mühldorf-Salzburg vorgesehen“ ist.

Wie die Planungsskizze des Altöttinger Ingenieursbüros zeigt, ermöglicht die geplante Bahnüberführung auch eine Elektrifizierung der Strecke Müldorf-Simbach.

Auf Nachfrage des Landtagsabgeordneten Martin Huber (CSU) wurde klar, dass sich die Beeinträchtigungen für den Bahnverkehr auf wenige Stunden beschränken werden, in denen „die Betondecke eingehoben wird“, erklärte der Planer Anton Kagerer.

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