Prozess gegen Altöttinger (22) am Landgericht Traunstein wegen Kindesmissbrauch und Jugendpornos

Beziehung mit 12-Jähriger? Sex-Chats mit Minderjährigen? - Das Urteil

Sexualisierte Chats mit Minderjährigen und Besitz von Kinderpornos – dafür musste sich ein 22-Jähriger aus Altötting vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Das Gericht ordnete am Dienstag, 4. Mai, eine Unterbringung in die Psychiatrie an und verzichtete auf weitere freiheitsentziehende Maßnahmen.

Altötting/Traunstein – Der heute 22-Jährige soll im Herbst 2018 eine Beziehung mit einem damals 12-jährigen Mädchen gehabt haben, sie getroffen und auch geküsst haben. Sogar von gemeinsamen Kindern war schon die Rede. Der Vater des Mädchens erstattete Anzeige und die Wohnung des Angeklagten wurde durchsucht, nach der noch viele weitere Taten zum Vorschein gekommen sind.

Kinderpornos und Sex-Chats mit jungen Mädchen - Altöttinger (22) muss in Psychiatrie

Rund 1.000 kinder- sowie jugendpornographische Schriften wurden festgestellt und mit mindestens neun Mädchen im Kindesalter und im Alter zwischen 14 und 16 Jahren soll der Altöttinger Kontakt über soziale Medien gehabt haben. Dabei wurden u.a. sexuelle Themen besprochen, sexuelle Bilder und Videos ausgetauscht und Treffen vereinbart. All diese Vorwürfe räumte der Angeklagte am ersten Prozesstag ein. Die Jugendkammer des Landgerichts Traunstein ordnete die Unterbringung in eine Psychiatrie an und verzichtete auf weitere Strafmittel.

Für eine Unterbringung plädierte auch Staatsanwältin Helena Neumeier, allerdings auch auf eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren. „Bei einer Zwölfjährigen stellt ein Kuss bereits eine erhebliche sexuelle Handlung dar“, so die Ansicht der Staatsanwalt. Zu Lasten des angeklagten führte Neumeier auch die Vielzahl der Taten, den langen Zeitraum und die Vielzahl der Opfer auf.

Aufgrund der Reifeverzögerung sei allerdings das Jugendstrafrecht anzuwenden. Der Angeklagte sei dazu nicht voll schuldfähig. Das psychiatrische Gutachten ergab u.a. eine soziale Phobie, eine Persönlichkeitsstörung und eine pädophile Präferenz, daher sei eine ambulante Therapie auch nicht ausreichend. Weder die Jugendstrafe noch die Unterbringung könnten zur Bewährung ausgesetzt werden.

Gericht befürchtet ohne Behandlung weitere Straftaten

Für Verteidiger Jörg Zürner sei ein Kuss keine erhebliche rechtswidrige Straftat. Zudem hätte sein Mandant mit einer erstaunlichen Offenheit die ihm vorgeworfenen Taten eingeräumt und über seine Krankheit gesprochen. Der 22-Jährige sei bereit für eine Therapie und habe sich bereits um einen Platz bemüht, schädliche Neigungen sehe er nicht. Zwar plädierte der Anwalt auch für eine Unterbringung – allerdings mit Bewährung und Auflagen wie einer ambulanten Therapie.

Das Gericht sah die Punkte in der Anklageschrift als erwiesen an. Außer dem Kuss habe es keine weiteren sexuellen Handlungen stattgefunden. Was im Internet passiere, sei nicht zu verharmlosen. „Die Geschädigten waren mit elf bis 14 Jahren sehr jung und teils labil“, so Richterin Heike Will. Generell folge das Gericht dem psychiatrischen Sachverständigen. Ohne Behandlung müsse man mit weiteren Straftaten mit einer pädophil-sadistischen Tendenz an jungen Mädchen rechnen. Zwar habe der 22-Jährige bislang noch keine Hands-on-Delikte umgesetzt, das Gericht halte dies aber für möglich. Die Jugendkammer verzichtete auf „Zuchtmittel und Jugendstrafe“.

jz

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