Ansturm von „Wildcampern“ am Königssee

„Nur die Wohnmobilisten als Problem zu sehen, ist zu kurz gegriffen.“

Eine rechtliche Grauzone nutzend zieht es derzeit nicht wenige „Wildcamper“ in die Region, beispielsweise nach Schönau am Königssee. Sie übernachten in ihren Wohnmobilen und anderen Fahrzeugen und umgehen so das derzeit geltende Beherbergungsverbot. Doch das Verhalten mancher davon trifft auf Unmut.

Schönau am Königssee - „Nur die Wohnmobilisten als Problem zu sehen, ist zu kurz gegriffen. Ein größeres Problem sind Leute, die in ihrem Auto oder zum Wohnmobil umgebauten Kleinbus anreisen“, erläutert Andreas Huber, Geschäftsleiter der Gemeinde Schönau am Königssee gegenüber BGLand24.de. „Im Gegenteil zu den Wohnmobilen sind dort nämlich keine Sanitäreinrichtungen im Fahrzeug vorhanden, das führt dann dazu, dass die Leute sich andernorts behelfen.“ Natürlich gäbe es aber sowohl bei Wohnmobilisten als auch anderen im Fahrzeug Campierenden solche und solche.

An den öffentlichen Parkplätzen in der Gemeinde habe man die Lage insgesamt im Griff. „Wir erleben das ja nicht zum ersten Mal, schon im Sommer des vergangenen Jahres gab es einen ziemlichen Ansturm. Die unerlaubten Müllablagerungen können in der Regel relativ schnell von unseren Bauhofmitarbeitern beseitigt werden. An den gemeindlichen öffentlichen Parkplätzen am Königssee sind zudem auch durchgehend geöffnete Toilettenanlagen vorhanden.“ Problematisch würde es in der Regel auch dann, wenn private Parkflächen, etwa von gerade geschlossenen Betrieben genutzt würden. „Die haben dann teils keine eigenen Sanitäranlagen und wir als Gemeinde aber auch die Polizei können nicht ohne Aufforderung eingreifen.“

„Wildcamper“ sorgen für Unmut im Berchtesgadener Land

Über die Osterfeiertage bekam es die Polizei in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen bereits mit „Wildcampern“ zu tun. Auch im Berchtesgadener Land sorgten diese teils für Unmut. ,„Im Berchtesgadener Land ist leider vermehrt zu beobachten, dass viele Touristen mit ihren Campingwägen, Bussen etc. angereist sind - an sich auch überhaupt kein Problem, wir können die Beweggründe des Kurztrips absolut nachempfinden, denn unsere Region ist einfach traumhaft schön“, heißt es in einem vielbeachteten Facebook-Post der Seite „Berchtesgadener Land hält zusammen - Kauft vor Ort“. Den Post begleiten Fotos, welche rund um den Königssee stehende Wohnmobile aber auch Verunreinigungen zeigen. „Wir finden es allerdings nicht in Ordnung, wie des Weiteren damit umgegangen wird. Menschenkot liegt direkt in den naheliegenden Wiesen, gebrauchte - blutige Tampons ebenso sowie die benutzten Feuchttücher - ohne Rücksicht auf Verluste. SO kann es nicht funktionieren.“

„Wir haben absolut nichts gegen unsere Touristen, ganz im Gegenteil. Wir haben auch nichts gegen Camper und sind uns sicherlich auch darüber im Klaren, dass es immer zwei Seiten gibt, wir wissen, dass es solche Camper gibt und dann wieder SOLCHE, aber darum geht es gar nicht, es geht darum, dass der Tourismus wieder los startet und eure Fahrzeuge an öffentlichen, legalen Plätzen stehen“, betont der Autor. „Wir freuen uns, dass ihr hier seid und sind natürlich auch auf euch angewiesen, denn unsere Region lebt natürlich auch von euch. Doch Wildcamping können und wollen wir nicht unterstützen, vielmehr hoffen wir, dass wir mit unserer Forderung und diesen Bildern bewirken können, dass bald die Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze wieder für euch öffnen, sodass ihr euren Urlaub hier im schönen Berchtesgadener Land in vollen Zügen genießen könnt.“

„Wildcampen“ stellt rechtliche Grauzone dar

„Grundsätzlich besteht aktuell aufgrund der Corona-Pandemie ein Beherbergungs- und Übernachtungsverbot zu touristischen Zwecken. Nach § 14 Absatz. 1 der Zwölften Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung dürfen auch Campingplätze nur für glaubhaft notwendige, insbesondere für berufliche und geschäftliche Zwecke zur Verfügung gestellt werden“, erläutert Alexandra Rothenbuchner, Pressesprecherin des Landratsamts Berchtesgadener Land. „Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken sind nach der aktuellen Rechtslage somit weiterhin untersagt. Dies gilt für deutsche und ausländische Touristen gleichermaßen – ausländische Touristen haben selbstverständlich auch die geltenden Einreise- und Quarantänebestimmungen zu beachten. Ein rechtlicher Graubereich besteht allerdings, wenn Wohnmobile außerhalb der Campingplätze abgestellt werden, beispielsweise auf öffentlichen Parkplätzen.“

Üblicherweise dürften Fahrzeuge nach den Regelungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) überall dort geparkt werden, wo es nicht ausdrücklich untersagt ist. „Das Fahrzeug muss zudem so abgestellt werden, dass es andere nicht gefährdet oder behindert. Zu unterscheiden ist auch zwischen dem Parken zum Übernachten und dem reinen Campen. Das einmalige Schlafen zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit ist in der Regel zulässig.“ Hier werde von einem Zeitraum von bis zu 10 Stunden ausgegangen. „Eine Erholungspause von mehreren Nächten ist daher rechtlich nicht zulässig. Die Nutzung des öffentlichen Parkraums, die über die Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit hinausgeht, bedarf einer Sondergenehmigung der zuständigen Gemeinde.“ Auf Privatgrund dürfe ein Wohnmobil selbstverständlich nur mit der Erlaubnis des Grundstücksbesitzers abgestellt werden.

Landratsamt sieht Thematik „sehr kritisch“

Grundsätzlich sei es also Aufgabe der jeweiligen Gemeinde, Parkmöglichkeiten für Wohnwägen auszuweisen oder diese zu verbieten und den ruhenden Verkehr zu überwachen. „Dies kann beispielsweise durch Zusatzschilder erfolgen, die darauf hinweisen, dass Parken für Wohnmobile auf dem jeweiligen Parkplatz untersagt ist. Bei Zuwiderhandlung droht für unberechtigt abgestellte Wohnwägen ein Bußgeld.“ Eine Überwachung und Ahndung von Verstößen könne dann durch die örtlichen Polizeidienststellen oder durch die kommunale Verkehrsüberwachung erfolgen.

„Die Thematik der sogenannten Wildcamper ist dem Landratsamt Berchtesgadener Land bekannt und wird sehr kritisch eingeschätzt. Die aktuellen Corona-Maßnahmen sollen dazu beitragen, das Infektionsgeschehen zu senken und Menschenansammlungen zu vermeiden“, schließt Rothenbuchner. „Außerdem besteht bei Wildcampern immer die Gefahr, dass öffentliche Parkplätze mit Müll oder anderen Hinterlassenschaften vorgefunden werden. Dies stellt ein Ärgernis für die Parkplatzbesitzer und für alle diejenigen dar, die sich seit Monaten vorbildlich an die geltenden Regelungen halten.“

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook/Berchtesgadener Land hält zusammen - Kauft vor Ort

Kommentare