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„Nur der Öldruckschalter hatte Heimweh“

1998 Kilometer in sieben Tagen: Berchtesgadenerin tourt mit Unimog durch Deutschland

Mit dem Unimog von Berchtesgaden nach Gaggenau: Julia Graitl nahm gemeinsam mit ihrem Mann Martin eine besondere Reise auf sich.
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Mit dem Unimog von Berchtesgaden nach Gaggenau: Julia Graitl nahm gemeinsam mit ihrem Mann Martin eine besondere Reise auf sich.
  • Sebastian Aicher
    VonSebastian Aicher
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Julia Graitl und ihr Mann Martin aus Berchtesgaden haben eine nicht ganz alltägliche Reise hinter sich. Mit ihrem Unimog Baujahr 1983 haben sie sich auf den Weg nach Gaggenau gemacht. Von ihrer Fahrt und den damit verbundenen Erlebnissen und Hindernissen berichten die beiden gegenüber BGLand24.de.

Berchtesgaden/Gaggenau – Der Unimog: Als Modell in vielen Kinderzimmern vertreten und auch in „Lebensgröße“ auf den Straßen keine Seltenheit. Anlässlich des Geburtstags des „Universal-Motor-Geräts“, wie das Fahrzeug aus dem Hause Mercedes-Benz ausgeschrieben heißt, organisierte der Unimog-Club Gaggenau gemeinsam mit dem Unimog-Museum eine Feierlichkeit. Mit dabei auch zwei Berchtesgadener mit ihrem „Mog“.

Julia Graitl und ihr Mann Martin haben zufällig davon erfahren, dass im Rahmen der Feier ein Konvoi aus 75 Fahrzeugen geplant war, welcher vom Mercedes-Benz-Werk in Wörth am Rhein (Rheinland-Pfalz) zum Unimog-Museum nach Gaggenau (Baden-Württemberg) führen sollte. Im Gespräch mit BGLand24.de berichtet Julia, dass sie sich zunächst eigentlich nur spaßeshalber mit ihrem Unimog 421 für die Teilnahme beworben hätten: „Ehrlich gesagt ohne große Erwartungen“.

Aus Spaß wurde schnell Ernst

Das Baumuster 421 sei über Jahre hinweg das „Butter-und-Brot-Fahrzeug“ gewesen, erklärt die stolze Besitzerin des in Kommunalorange lackierten Oldies. Zwischen 1966 und 1989 wurden beachtliche 18.995 Stück produziert. Umso größer war dann die Freude im Hause Graitl, als tatsächlich ihr „Mog“ ausgewählt wurde, um die Baureihe 421 zu vertreten.

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„Zeitgleich wuchs die Erkenntnis, dass wir jetzt wirklich die komplette Strecke aus Berchtesgaden nach Gaggenau bewältigen werden müssen. Es sind um die 650 Kilometer einfach, je nach Streckenauswahl“, berichtet Julia von den Grundzügen ihres Vorhabens. Schnell hätten sie den Entschluss gefasst, die Strecke auf eigener Achse zurückzulegen – auch deshalb, weil der Unimog mit seinen gut drei Tonnen Leergewicht nicht einfach zu transportieren ist. Außerdem erklärt die Berchtesgadenerin mit einem leichten Schmunzeln: „Wer im Korso mitfahren will, muss aus eigener Kraft auch zum Korso kommen. Das gebietet die Unimog-Ehre.“

63 km/h Höchstgeschwindigkeit – aber nur mit Rückenwind

Die beiden nahmen sich also zwei Wochen Urlaub, die grobe Routenplanung sah drei Tage für die An- und drei Tage für die Abreise vor. „52 PS auf über drei Tonnen ergeben eine maximale Geschwindigkeit von 63 km/h - und das auch nur mit Rückenwind“, gibt Julia zu Bedenken. Daher hätten sie mit rund 50 Stundenkilometern Durchschnittsgeschwindigkeit gerechnet und sich die Idee mit der Autobahn schnell aus dem Kopf geschlagen.

Nochmal „schnell“ die Lackierpistole geschwungen

Technisch gesehen gab es wenig vorzubereiten, der Unimog war technisch relativ frisch restauriert. Zur Sicherheit wurden allerdings noch ein paar Schläuche getauscht, mehr nicht. Die Optik hat die beiden allerdings noch Tage gekostet, da Julia die Kabine neu lackieren wollte: „Wir hatten sie nach dem Schweißen zwar stellenweise lackiert, aber nicht komplett und so war der Unimog zwar zweckmäßig, aber nicht besonders schön. Da wurde die Gelegenheit der Veranstaltung genutzt und ich habe nochmal ,schnell‘ die Lackierpistole ausgepackt.“

Fotos von der Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau

Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Abendstimmung am Ausstellungsgelände. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Abfahrt in Berchtesgaden. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Traumhafte Fotokulisse auf der Anreise. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Traumhafte Fotokulisse auf der Anreise. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Traumhafte Fotokulisse auf der Anreise. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Traumhafte Fotokulisse auf der Anreise. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Aufstellung auf dem Werksgelände in Wörth. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Beim Händler Gasafi. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Blick durch die ausgestellten Unimog. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Blick durch die ausgestellten Unimog. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Blumenschmuck auf dem schweizer „Dieseli“. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Das „Dieseli“ und weitere Modelle der Baureihe 401/411. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Der Abschlepper U401. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Auch ein Unimog mit Greifer-Aufbau war zu bewundern. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Zwei Modelle der Baureihe U417. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Die großen Baureihen. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Die stolzen Reisenden. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Einfahrt ins Museum. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Ein Unimog als Geräteträger. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Hinter dem Museum standen die „Mogs“ in Reih und Glied. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Vor dem Hotel in München. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Im Korso. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Im Korso. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Im Korso. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Das Jubiläumsmodell. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Das Sondermodell U5000 Cabrio. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Auch auf der Rückfahrt wurde bei einem Unimog-Händler eingekehrt. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Schöne Fotomotive gab es auch auf der Rückreise. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Selfie aus dem Korso. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Startnummer 0, der Prototyp. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Stilecht mit selbst designten Shirts. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Auf dem Testgelände Öttigheim war ebenfalls einiges geboten. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Abendstimmung mit einem U1600. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Gleich mehrere U90 waren zu bewundern. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Vor dem Hotel in Wörth. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Vor der Abreise wurde „schnell“ noch die Kabine neu lackiert. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Vor der Abreise wurde „schnell“ noch die Kabine neu lackiert. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Warten im Korso. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Obwohl die Streckenführung wegen Corona geheim gehalten wurde, waren Zuschauer am Straßenrand. © privat
Unimog-Reise von Berchtesgaden nach Gaggenau
Obwohl die Streckenführung wegen Corona geheim gehalten wurde, waren Zuschauer am Straßenrand. © privat

Nachdem die Kabine in frischem Glanz erstrahlte, hieß es Kisten auf das Fahrzeug – irgendwo müssen die Klamotten und das Werkzeug ja hin – und los ging‘s. Die erste Etappe führte von Berchtesgaden bis nach München. Hier kam dann auch das erste unerwartete Problem auf: Der Unimog sollte durch die Parkschranke zum Besucherparkplatz des Flughafens. „Allerdings konnte diese weder das Kennzeichen lesen – klar, auf der Motorhaube zu weit oben – noch anhand der Magnetschleife erkennen, dass es sich um ein Fahrzeug handelt – da die Bodenfreiheit überdurchschnittlich hoch ist“, erklärt Julia. „Daher wollte die Schranke sich nicht öffnen und für uns gab‘s keinen Stop an der Besucherterrasse, da der Unimog natürlich auch nicht ins Parkhaus gepasst hätte.“

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Ansonsten seien die drei Tage Fahrt aber ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Über Donauwörth und Schwäbisch Hall ging es gemütlich nach Wörth. Die Zeit wurde genutzt, um hier und da stehen zu bleiben. Hauptsächlich hieß das für die beiden Abenteurer: „Wir haben alle Unimog-Händler auf dem Weg besucht und deren Angebote durchforstet. Dank eigenem Unimog war das überall ein großes ,Hallo‘ und es gab viele nette Unterhaltungen.“

Erster Schreck der Reise auf dem Weg zum Werksgelände

Am Samstagmorgen haben sich alle Fahrzeuge in Wörth auf dem Werksgelände von Mercedes versammelt. Auf der Anfahrt gab es dann den ersten Schreck dieser Reise: Laut Anzeige kein Öldruck mehr vorhanden. Die große Frage: Ist es nur der Schalter, oder endet die Reise hier? „Wäre ja auch ironisch gewesen, auf dem Werksgelände von MB zu stranden“, scherzt Julia im Nachhinein locker. Nach einigen Tests sollte sich dann glücklicherweise herausstellen, dass es nur der Schalter war. Der blieb auch die ganze restliche Reise, bis kurz vor Berchtesgaden, still und kaputt. „Seitdem wir wieder daheim sind, geht’s ihm wieder gut. Vielleicht hatte der Schalter auch nur Heimweh“, fragt sich die Unimog-Besitzerin.

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Die Fahrzeuge wurden den Baureihen entsprechend aufgestellt und mit Startnummern versehen. Die beiden Berchtesgadener waren mit der Nummer 34 ziemlich im Mittelfeld unterwegs, angeführt wurde der Konvoi von dem ältesten noch existierenden Unimog, einem Prototyp der Firma „Boehringer“ mit der Fahrgestellnummer 5. Das Schlusslicht bildete ein nagelneuer Unimog der Baureihe U5000.

Korso vom Werksgelände bis zum Unimog-Museum

Der Korso schlängelte sich dann rund drei Stunden lang von Wörth über die kleinen Ortschaften bis nach Gaggenau zum Unimog-Museum. „Wegen Corona war die Strecke geheim gehalten worden, und so hatten wir hier eigentlich keine Zuschauer erwartet. Umso mehr haben wir uns über die Leute am Straßenrand gefreut, die die Fahrzeuge doch gesehen und auf ihrem Weg ins Museum winkend gegrüßt haben“, resümieren die beiden Reisenden. Auf dem Museumsgelände wurden die Fahrzeuge hinter dem Museum aufgestellt und waren für die Besucher den ganzen Samstag und Sonntag zu besichtigen.

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Die 75 Fahrzeuge waren eine gute Mischung aus allen Baureihen. Das älteste Fahrzeug war oben genannter Prototyp, gefolgt von einem Boehringer Unimog von 1950 aus der Schweizer Armee (Spitzname in Unimog-Kreisen „Dieseli“). Viele Fahrzeuge waren originalgetreu ihrer Geschichte entsprechend ausgestattet und haben die Vielfalt der Aufgaben, die die Unimog im Laufe der Jahrzehnte erfüllten, gezeigt. Den Fahrzeugen war die Liebe und Pflege der Besitzer anzusehen, auch wenn sicher der eine oder andere wirklich noch im Wald arbeitet oder andere Tätigkeiten verrichtet. Rausgeputzt für die Veranstaltung waren sie alle.

Reisemobil hat sich wacker geschlagen

Auch die schönste Veranstaltung mit vielen tollen Gesprächen und grandiosen Fahrzeugen hat ein Ende, und so ging es am Sonntagabend los Richtung Heimat, wenn auch erstmal nur bis ins Hotel im Schwarzwald. „Nach einer Woche im Unimog waren wir so an das Geschaukel mit 50 km/h gewohnt, dass wir den Rückweg am Montag dann am Stück durchgezogen haben. Am späteren Montagabend hatten uns die Berchtesgadener Alpen wieder und wir sind wieder gut zuhause am Salzberg angekommen. Der Unimog hat sich wacker geschlagen, es gab keine Pannen und bis auf den Öldruckschalter auch keine Ausfälle irgendwelcher Teile“, so lautet das Fazit von Julia.

Am Ende waren es übrigens exakt 1998 Kilometer, die die beiden – oder respektive die drei – in sieben Tagen unterwegs waren. Jetzt steht der Unimog wieder in seiner Halle und freut sich auf den nächsten Ausflug. Oder aufs Holz arbeiten. Oder auf die Fahrt zur Eisdiele. Oder auf eine weitere Oldtimer-Rallye. So ein Unimog ist eben wahrlich ein „Universal-Motor-Gerät“.

aic

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