Landkreis Miesbach zieht Bilanz zum Katastrophenfall

"Was Führungsgruppe und Einsatzkräfte geleistet haben, ist Wahnsinn"

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Landkreis - Elf Tage, 8.481 Einsatzkräfte, unzählige Einsätze – das ist die Bilanz des Schnee-Katastrophenfalls im Landkreis Miesbach. Am Donnerstag hob Landrat Wolfgang Rzehak den K-Fall um 16.57 Uhr auf. Zurück bleiben erschöpfte Helfer aus dem Landkreis und ganz Bayern – und das befriedigende Gefühl, durch den gemeinsamen Einsatz den Landkreis und seine Bürger vor großem Schaden bewahrt zu haben.

Vor elf Tagen, am 7. Januar 2019, stellt Landrat Rzehak den Katastrophenfall für den Landkreis Miesbach fest. Grund war der starke Schneefall, der Straßen verstopfte und auf Bäume, Häuser und Strommasten drückte. Keine unumstrittene Entscheidung, immerhin war der Landkreis Miesbach der erste der fünf südbayerischen Landkreise, der wegen des Schnees den K-Fall feststellte. Dass die rechtzeitige Feststellung allerdings absolut gerechtfertigt war, zeigte der weitere Verlauf: Tausende Einsatzkräfte, darunter Hilfskontingente aus ganz Bayern und die Bundeswehr, kämpften seitdem mit den Schneemassen. Nicht die Schneehöhe, sondern die besonders schwere, nasse Beschaffenheit des Schnees bereiteten Probleme.

Die "Führungsgruppe Katastrophenschutz" des Landkreis Miesbach.

Große Schäden blieben aus, was neben einer großen Portion Glück auch an der frühzeitigen, professionellen Organisation lag. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz trat am 7. Januar bei der unteren Katastrophenschutzbehörde unter der Leitung von Verwaltungsdirektor Martin Pemler zusammen und organisierte seitdem alle Einsätze im 24-Stunden-Schichtbetrieb. In der Führungsgruppe Katastrophenschutz waren durchgehend alle beteiligten Organisationen vertreten. An einem Tisch konnte so von der Führungsgruppe Katastrophenschutz eine gemeinsame Strategie für alle betroffenen Bereiche entwickelt werden. Das ist der Vorteil der Feststellung des K-Falls: Nur unter einer gemeinsamen Leitung kann man dem großen Koordinierungsbedarf an Einsätzen und Einsatzkräften gerecht werden.

Die Örtliche Einsatzleitung übernahm Kreisbrandrat Anton Riblinger. Vertreten wurde er durch die Kreisbrandinspektoren Karl Limmer und Andreas Schwabenbauer. "Wir haben alles gerettet, was zu retten war", sagt Kreisbrandrat Riblinger. Kein Wohnhaus sei zusammengebrochen, kein Menschleben verloren. "Die Arbeit der Einsatzkräfte besonders auf den Dächern ist sehr gefährlich. Ich bin froh, dass nichts passiert ist."

An Schäden sind zu verzeichnen: 

Ein Gebäude stürzte ein (Fahrradunterstand am Bahnhof der Gemeinde Bayrischzell). Die Polizeiinspektionen verzeichneten 93 Verkehrsbehinderungen, drei eingeschneite Verkehrsteilnehmer, acht Verkehrsunfälle mit Personenschaden (kein tödlicher Verkehrsunfall) und 106 Verkehrsunfälle mit Sachschäden. 17 Einsatzkräfte verletzten sich. Alle konnten nach ambulanter Behandlung allerdings wieder entlassen werden. Über 200 Personen wurden kurzfristig evakuiert, konnten aber nach der Dachräumung wieder in ihre Häuser zurück. Die vorbereiteten Notunterkünfte für 1.100 Personen in den Turnhallen mussten nur für die externen Einsatzkräfte, nicht für Evakuierte, genutzt werden.

Durch den Schnee gab es gleichzeitig mehrere Problemlagen: Zuerst verstopfte der schwere Schnee die Straßen und musste aufwendig gefräst und wegtransportiert werden. Viele Straßen mussten wegen Schneebruch gesperrt werden. Der Schienenverkehr wurde eingestellt. Sichere Schulwege konnten nicht mehr gewährleistet werden. Als Konsequenz musste an sieben Schultagen der Unterricht an allen Schulen im Landkreis entfallen.

Zusätzlich mussten die Spitzingstraße, die Sudelfeldstraße und die B307 bei Wildbad Kreuth wegen Lawinengefahr immer wieder gesperrt werden. Am Spitzing und am Sudelfeld gingen mehrere Lawinen ab und verschütteten immer wieder die Straße. Sie mussten gesprengt oder geräumt werden.

Schneelast auf Dächern als größtes Problem

Als größtes Problem stellte sich die Schneelast auf den Dächern heraus. Nach Begutachtung durch die Baufachberater des THW mussten zig Dächer abgeräumt werden. Zuerst wurden die großen Dachflächen und Flachdächer abgeschaufelt, die bei großer Last besonders gefährdet sind. Bei manchen Dachflächen waren Hundertschaften tagelang beschäftigt, um die schweren, nassen Schneemassen zu entfernen.

Große Sorge bereitete den Einsatzkräften die Dachlasten in Bayrischzell: Hier mussten ungefähr 400 Dächer abgeschaufelt werden. Allein in den vergangenen drei Tagen waren in Bayrischzell 2.300 Einsatzkräfte mit Schaufeln beschäftigt. Zur Koordinierung der Einsatzkräfte wurde in Bayrischzell eine extra Einsatzleitung stationiert. Noch ist diese Schadenslage nicht abgearbeitet. Bis zum Ende des Einsatzes am Wochenende gilt hierfür zwar nicht mehr der K-Fall nach Artikel 6 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetztes, aber Artikel 15 KSG (für Schadenslagen an der Grenze zur Katastrophe).

Ein Überblick über den Einsatz:

Insgesamt waren 8.481 Kräfte während des Katastrophenfalls eingesetzt. Diese teilen sich auf in:

  • Feuerwehr: 3.410 Feuerwehrler kümmerten sich erst um die zahlreichen umgestürzten Bäume auf den Straßen, dann hauptsächlich um die Dachlasten. Feuerwehrhilfskontingente kamen aus den Landkreisen Dachau, Starnberg, Landsberg, Pfaffenhofen, Mittelfranken, München und Rosenheim. Alle 37 Landkreis-Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Zuletzt stellten die Feuerwehren ein eigenes Landkreis-Miesbach-Kontingent, um den Kameraden aus Bayrischzell beizustehen. 
  • Polizei: 750 Beamte (90 Beamte aus der PI Miesbach, der PI Holzkirchen und der Alpinen Einsatzgruppe Rosenheim, vier Beamte des Polizeipräsidiums München, sowie 660 Beamte der bayerischen Bereitschaftspolizei). Ausbildungsseminare aus Dachau, Nürnberg, Königsbrunn und Eichstätt wurden extra für den Schaufeldienst im Landkreis freigestellt und von der Alpinen Einsatzgruppe Rosenheim gesichert. Die Beamten organisierten außerdem einen Multicopter-Einsatz für Übersichtsaufnahmen von Bayrischzell und halfen bei Verkehrs- und Gefahrenabwehrmaßnahmen. 
  • BRK: 887 Helfer des BRK Kreisverbandes Miesbach, der Bergwacht, der Wasserwachten und der DLRG sowie der Kreisverbände München, Pfaffenhofen, Ebersberg, Freising, Ingolstadt, Johanniter Donauwörth, Weilheim, Johanniter Nürnberg, Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen kümmerten sich um die sanitätsdienstliche Absicherung der Einsatzkräfte und stellten die notfallmedizinische Versorgung der abgeschnittenen Ortsteile sicher. Darüber hinaus kümmerten sie sich um die Versorgung (15.000 Essen und 25.000 Liter Getränke) und Unterbringung der Helfer. 
  • THW: Das THW wurde mit 1.306 Kräften aus dem Landkreis Miesbach und 53 Ortsverbänden aus Bayern, Baden Württemberg, Rheinland Pfalz und Hessen gefordert. Acht Baufachberater-Teams des THW begutachteten unzählige Häuser. Neben dem Krankenhaus Agatharied räumte das THW viele weitere Dächer frei. Wichtig war die technische Unterstützung mit Kränen und schwerem Gerät sowie das Abstützen und die Überwachung von einsturzgefährdeten Gebäuden. 
  • Straßen: Die Straßenmeisterei Hausham und der Kreisbauhof sorgten mit 22 und 15 Mann für befahrbare Bundes-, Staats- und Kreisstraßen. Hilfe kam von den Staatlichen Bauämtern Aschaffenburg und Krumbach, die Personal und Gerät zur Unterstützung schickten. 
  • Bundeswehr: Die Bundeswehr unterstützte die Einsätze mit insgesamt 1.279 Mann aus Bad Reichenhall, Ingolstadt, Füssen, Straubing und Murnau. Das Kreisverbindungskommando koordinierte die Einsätze. Größter Auftrag für die Bundeswehr war das Abschaufeln von 15.000 m2 Dachfläche des Krankenhauses Agatharied. Danach wurden alle Einheiten nach Bayrischzell verlegt. Die Bundeswehr half mit zwei Hubschraubereinsätzen und Spezialkränen bei hohen Sicherheitsanforderungen aus. 
  • Katastrophenstab: Der Katastrophenstab wurde durch den Fachbereich „Öffentliche Sicherheit und Gewerbe“ mit Unterstützung weiterer Landratsamt-Mitarbeiter aufgestellt. Am Bürgertelefon Katastrophenschutz gingen täglich zwischen 600 und 800 Anrufe ein.

Fazit des Landrats

Landrat Wolfgang Rzehak zeigte sich tief beeindruckt von der Kameradschaft und den Zusammenhalt der Einsatzkräfte im Landkreis Miesbach: "Als Landrat bin ich dankbar und stolz, dass ihr diese Ausnahmesituation so hervorragend gemeistert habt." 

Die Anspannung war enorm für alle Beteiligten. Er sei froh, dass der Landkreis von größerem Schaden verschont geblieben ist. "Was die Führungsgruppe und die Einsatzkräfte in den letzten elf Tagen geleistet haben, ist der Wahnsinn. Danke für euren Einsatz", sagte er, kurz bevor er den Katastrophenfall für den Landkreis Miesbach um 16.57 Uhr aufhob.

Pressemeldung Landratsamt Miesbach

Quelle: rosenheim24.de

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