Solidarität in Pandemie-Zeiten

Aktivistin aus Ramsau schenkt für Aktion „neu/fair/teilen“ ihren Corona-Kinderbonus weiter

Sarah (9), Nikolas (7) und Jonathan (8) Kunzlmann (von links) lernen am Beispiel ihrer Mutter früh, den Blick für eine solidarische Gesellschaft zu entwickeln.
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Sarah (9), Nikolas (7) und Jonathan (8) Kunzlmann (von links) lernen am Beispiel ihrer Mutter früh, den Blick für eine solidarische Gesellschaft zu entwickeln.

Mit gutem Beispiel voran: Kaum hatte die Regierung beschlossen, in der Corona-Krise auch 2021 noch einmal einen Kinderbonus zu zahlen, da hatte Stefanie Kunzlmann (39) aus Reichertsheim schon die Idee, diese 150 Euro pro Kind, denen zu schenken, die durch Corona in ihrer Existenz bedroht sind.

Reichertsheim – Die dreifache Mutter startete nicht nur die Aktion „neu/fair/teilen in der Corona-Krise“, sondern spendete auch gleich selbst den angekündigten Kinderbonus, der im Mai ausgezahlt werden soll. Damit setzte sie ein deutliches Zeichen für Solidarität und betonte zugleich ihren Unmut über die Verteilung der Corona-Hilfen. Nachahmer haben sich bereits einige gefunden.

Die 39-jährige Gastronomin betreibt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten „Fichters Kulturladen“ in Ramsau. Um über die Runden zu kommen, investierten sie private Rücklagen. Sie wissen, wie es sich anfühlt, wenn das Geld in Corona-Zeiten knapp wird.

Korrektur der Pandemie-Hilfen

Ihre Aktion „neu/fair/teilen in der Corona-Krise“ versteht Stefanie Kunzlmann jedoch als rein private Angelegenheit. Sie will mit ihrem Aufruf die Politiker wecken. „Sie sollen begreifen, dass es an der Zeit ist für eine Korrektur der Corona-Hilfen. Die bestehenden Hilfen reichen nicht aus beziehungsweise werden falsch verteilt“, glaubt sie.

Die Corona-Hilfen der Regierung fließen zwar mittlerweile, dennoch gibt es viele Selbstständige, deren Existenz bedroht ist. Reiterhöfe beispielsweise, die nicht einmal Einzelreitstunden geben dürfen, bekommen nur einen Bruchteil ihrer Fixkosten erstattet, so Kunzlmann.

Oder all diejenigen, die bisher eine Selbstständigkeit als Nebenerwerb betreiben – sie erhalten keine Hilfen vom Staat, büßen aber einen Großteil ihrer Einnahmen ein, zählt sie weiter auf. Deshalb regt sie jeden Einzelnen dazu an, sich die Frage zu stellen, ob er es sich nicht leisten könnte, den Kinderbonus als Geschenk weiterzugeben.

Die Maßnahme der Regierung also zu ‚korrigieren‘, und sich solidarisch zu zeigen mit den Menschen, die neben den sozialen Einschränkungen, die alle von uns hinnehmen müssen, auch noch finanzielle Schwierigkeiten haben.

„Viele meiner Bekannten sind verzweifelt, können Rechnungen nicht mehr bezahlen oder müssen ihre Altersvorsorge (Plus-Artikel OVB-Online) auflösen, um sich, ihre Familie und ihren Betrieb über den Lockdown zu retten“, berichtet die Aktivistin.

Um zu helfen, griff sie gleich mal tief in den eigenen Geldbeutel: Stefanie Kunzlmann hat die 450 Euro, die sie demnächst für ihre drei Kinder erhält, an die Besitzerin des Reiterhofes bei Kirchdorf weitergegeben, wo ihre Kinder Sarah, Jonathan und Nikolas normalerweise Reitunterricht erhalten.

„Obwohl mein Partner und ich selber von der Gastronomieschließung betroffen sind, sehen wir, dass es Menschen gibt, die noch schlechter dastehen als wir.“

Direkte Hilfe von Mensch zu Mensch

„Vielen Leuten ist nicht bewusst, was hier tatsächlich geschieht: Für Selbstständige bedeutet die Schließung ihres Betriebes, dass man sie der Möglichkeit zum Geldverdienen beraubt. Gleichzusetzen ist das damit, wenn einem Angestellten durch den Staat das Gehalt gestrichen werden würde. Nicht nur die Betriebe sind in Gefahr, sondern die Menschen, die dahinter stehen, werden ihrer Existenzgrundlage beraubt.“

Mittlerweile haben sich bereits einige Familien angeschlossen und ihre Kinderboni verschenkt – von Mensch zu Mensch.

„Damit die Politik aufmerksam wird, braucht es jedoch noch viel mehr Nachahmer und ‚Neufairteiler‘“, vermutet Kunzlmann. Mehr Informationen finden Sie online oder auf Facebook.

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