Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Geschichte vom ewigen Leben

Boandlkramer auf Abwegen: Integrative Theatergruppe Ecksberg brilliert bei Brandner Kaspar

Kerschgeist – ja oder nein? Das ist hier die Frage. Am Ende knickt der Boandlkramer (Lydia Buchner, rechts) ein, und das „Unheil“ nimmt seinen Lauf: Der Brandner Kaspar (Armin Stockerer) darf zunächst sein irdisches Leben behalten.Enzinger
+
Kerschgeist – ja oder nein? Das ist hier die Frage. Am Ende knickt der Boandlkramer (Lydia Buchner, rechts) ein, und das „Unheil“ nimmt seinen Lauf: Der Brandner Kaspar (Armin Stockerer) darf zunächst sein irdisches Leben behalten.Enzinger
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
    schließen

Zwei Jahre war Stillstand angesagt, nachdem die Corona-Pandemie den Theaterplänen einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Jetzt aber durften die Theaterspieler aus Ecksberg, Beschäftigte und Bewohner, wieder ran und brachten das wunderbare Stück mit viel Leidenschaft auf die Bühne.

Mühldorf – Zwölf Schnaps – mehr sollen es nicht gewesen sein, versichert der Boandlkramer dem Portner. Und doch mehr als genug, um seine Pflichten zu vernachlässigen. Nämlich dem Brandner Kaspar seines irdischen Lebens zu berauben. Stattdessen handelt der sich noch einige schöne Jahre auf Erden heraus. Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom ewigen Leben, in herrlicher Mundart nach Franz von Kobell 1871 herausgebracht. Es ist das Paradestück der Integrativen Theatergruppe Ecksberg, die das Stück zum ersten Mal vor 13 Jahren aufgeführt hat. Jetzt war Premiere der Neuinszenierung, nachdem die Corona-Pandemie die Bemühungen in den vergangenen beiden Jahren auf Eis gelegt hatte.

Armin Stockerer mimt überzeugend den Brandner Kaspar

15 Mal haben Angestellte der Stiftung Ecksberg zuvor zusammen mit den Bewohnern die Geschichte darüber erzählt, wie der Brandner Kaspar, ein Schlitzohr, den Boandlkramer beim Kartenspiel betrügt, um so noch weitere Lebensjahre zu ergattern. „Wir freuen uns, dass wir diesmal dorthin zurückgelehrt sind, wo wir das Stück zum ersten Mal präsentiert haben. Seit 2008 waren wir nicht mehr in der Turnhalle. Jetzt sind wir wieder zurück in unserem Mutterschiff“, betonte Betreuerin Evi Eberherr, die später als Erzengel Michael das Flammenschwert schwingen sollte, in einer bei der Premiere sehr locker bestuhlten und ausverkauften Halle.

Lydia Buchner – der weibliche Toni Berger als Boandlkramer

Und wie die Theatergruppe zurück ist: Mit Armin Stockerer hat sich die Theatergruppe, die in diesem Jahr die Regie selbst übernommen hatte, einen begnadeten Schauspieler auf die Bühne geholt, der brillant den Brandner Kaspar verkörpert. Seit Jahren unerreicht ist auch Lydia Buchner, die als Boandlkramer stilecht ihren prominenten Rollengefährten – ob der unerreichte Toni Berger oder in der Neuauflage Bully Herbig – mit Bravour nacheifert. Das bairisch-gemütliche i-Tüpfelchen setzen die beiden Musiker Stefan Guggenberger (Ziach) und Lukas Obermaier (Tenorhorn) während der Umbaupausen und Susanne Klein bei der ürbigen musikalischen Gestaltung.

Auch interessant: „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ – So fallen die Bewertungen des neuen Bully-Films aus

Schauspieler sind mit großer Leidenschaft bei der Sache

Verwirrung im Himmel, weil der Brandner Kaspar auf der keiner Liste auftaucht: (von links) Afra (Gisela Wohlers), Nantwein (Anne Mazzucco), der Portner (Jessica Hansmann), Johannes Thurmair (Hubert Linner) und Erzengel Michael (Evi Eberherr).

Man weiß sehr bald: Da sind Schauspieler bei der Sache, die das Stück mit voller Leidenschaft auf die Bühne und auch davor bringen. Geschickt hatten die Regisseure mit den Requisiten hantiert, verwandeln im Handumdrehen die Kammer des Brandner Kaspar in den Himmel und auch andersrum, während sich davor die Waldszenen und auch das große Geburtstagsfest des Brandner abspielt.

Auch interessant: Betreute der Stiftung Ecksberg bringen ihre Ideen bei neuem Kunstwerk ein und setzen deutliches Signal

Bewohner aus Ecksberg als Engerl Deiferl oder illustre Feiergesellschaft

Mittendrin statt nur dabei: Bewohner der Stiftung Ecksberg, die sich als illustre Feiergesellschaft präsentiert und dabei auch mit lustigen Gstanzln den Jager Simmerl (Michael Erber) derbleckt. Wenn der Portner im Himmel in seinen Unterlagen der Sache auf dem Grund geht, warum der Brandner Kaspar nicht schon längst im Himmel aufgetaucht ist, tanzen vor der Bühne die Engel. Und stilecht gekleidet in Lederhose, Janker und Filzhut stehen sie natürlich auch dem Bürgermeister Senftl (Eva Spörl) zur Seite, blasen das Jagdhorn (Erich Strasser), wenn er die Jagd im Wald für die herzogliche und königliche Prominenz vorbereitet.

Auch interessant: Der Brandner Kaspar bleibt ein beliebtes Bühnenstück. In Waldkraiburg sogar mit Marianne Sägebrecht

Hubert Linner kann das ganze Stück

Ein Mitglied der Integrativen Theatergruppe sticht aber besonders hervor: Hubert Linner, der im Himmel den Johannes Thurmair mimt, spielt exzellent. Nicht nur absolute Textsicherheit beweist der Bewohner der Stiftung Ecksberg. Er rührt mit seinem schauspielerischen Talent und mit viel Witz die Zuschauer zu Lachtränen. Von Nervosität keine Spur. Erstens, weil Linner das Stück schon einige Male gespielt hat. Zweitens, weil er es in- und auswendig kennt. „Wenn wir auf der Bühne mal einen textlichen Hänger haben, dann hilft uns der Hubert auf die Sprünge“, verrät Evi Eberherr.

Nervosität? Nein. Aber die Wartezeit nervt

Und auch Linner selbst sagt: „Das Einzige, was mich stört, ist, wenn ich so lange warten muss, bis die Aufführung endlich beginnt!“ Zweimal muss er diese Geduld noch mitbringen. Denn am Freitag und am Samstag, 24. und 25. September, wird der Brandner Kaspar noch aufgeführt. Beide Veranstaltungen in der Ecksberger Turnhalle sind aber bereits ausverkauft.

Kommentare