Corona und Sport

Coronalage in der Region Mühldorf: Sportler fordern Öffnung der Sportstätten im Landkreis

Nur Oberneukirchen ist noch coronafrei: Das Virus hat sich in dieser Woche wieder in allen Gemeinden im Landkreis festgesetzt. Klinger
+
Nur Oberneukirchen ist noch coronafrei: Das Virus hat sich in dieser Woche wieder in allen Gemeinden im Landkreis festgesetzt.

Seit Monaten sind die Sportstätten geschlossen, auch im Freien sind Fußball oder Tennis unmöglich. Den Vereinen reicht es jetzt.

Mühldorf – Zur Zeit sind im Landkreis alle gleich: Fußballer, Beachvolleyballerinnen, Kletterer und Leichtathletinnen im Landkreis müssen auf ihren Sport auch im Freien verzichten. Denn der Landkreis hat alle Sportplätze dichtgemacht. „Sämtliche Sportanlagen inklusive Bolzplätze und Turnhallen bleiben für den Sportbetrieb geschlossen“, heißt es in der sogenannten Allgemeinverfügung.

Ausgenommen davon sind nur Radfahrer oder Läufer, die mit ihrem Partner durch die Gegend rennen oder allein zum Schattenboxen in den Stadtpark gehen und Kinder bis 14 Jahren. Maximal fünf von ihnen dürfen kontaktfreien Sport im Freien ausüben.

Neue Regeln könnten mehr zulassen

Ob sich daran etwas ändert, entscheidet sich in den nächsten Stunden. Denn die überarbeitete sogenannte Allgemeinverfügung liegt derzeit bei der Regierung von Oberbayern.

Geht es nach den Sportlern, muss sich vor allem eines ändern: Die Erlaubnis draußen zu kicken, rennen, Tennis zu spielen. Stefan Schörghuber, der dem TSV Mühldorf vorsteht, sagt zu den noch geltenden Regelungen: „Aus meiner Sicht ist das das völlig falsche Signal“, sagt er. Schörghuber hat schon früher die These vertreten, dass Training im Verein unter Anleitung geschulter Trainer sicherer ist, als ein Verbot, das zu illegalen und vor allem unkontrollierten Zusammentreffen führen kann. Das Kuriose: Tennisspieler fahren laut Schörghuber ein paar Kilometer nach Osten um in Töging aufzuschlagen.

Im März, als sich vorübergehend für Sport im Freien ein Fenster zu öffnen schien, waren die Fußballer und Leichtathleten des VfL Waldkraiburg drauf und dran, mit Kindern bis 14 in Gruppen draußen zu trainieren. Laut Hubert Kamrad, Geschäftsführer des gut 2.000 Mitglieder starken Sportvereins, stehen auch Handball und Tennis in den Startlöchern.

Was denken seine Mitglieder über die Regeln, die im Landkreis schärfer sind als in der jüngsten Bundes-Notbremse? Der Verein sei „ein Spiegelbild der Gesellschaft“ sagt Kamrad. „Die einen schlucken‘s, andere murren und einige wollen auf die Barrikaden gehen“, wenn sich nichts ändert.

In Mühldorf nicht, in Töging doch: Tennis spielen

Johann Kreidl, Leiter der Tennis-Abteilung, zählt nicht zu der Fraktion, die die die Sperre für Sport im Freien kalt lässt. „Die Anlage ist spielbereit. Aber wir werden wohl nicht runterkommen von den hohen Zahlen im Landkreis, also wird die Sperre aller Sportstätten vermutlich verlängert, ob es was bringt oder nicht. Da wird einfach mit dem Rasenmäher drüber gegangen“, wirft er dem Landratsamt vor.

„Verständnis, sorry, Verständnis habe ich nicht dafür. Ich würde es gerne einsehen, wenn wir detaillierte Zahlen bekämen.“ Zahlen, aus denen hervorgehe, dass Tennis oder andere kontaktfreie Sportarten im Freien für Infektionen verantwortlich sind. „Das wird man doch wohl rausfiltern können, woran es liegt“, sagt Kreidl, der die Information und Kommunikation der Politik und der Behörden kritisiert. „Es gibt ein großes Bedürfnis nach Transparenz.“

Lesen Sie auch: Viele Bewohner sind gegen Corona geimpft, doch Seniorenheime im Kreis Mühldorf bangen wieder

Seit sieben bis acht Monaten habe keiner mehr einen Schläger in der Hand gehabt. Er wundere sich manchmal darüber, sagt Kreidl, „dass unsere Mitglieder noch immer so ruhig und geduldig sind und die Regeln mittragen“.

Geduld ist auch beim TSV Ampfing das Gebot der Stunde. Den Lockdown hat der Sportverein in den vergangenen Wochen immerhin dafür genutzt, um die Trainingsplätze zu sanieren, berichtet der Vorsitzende Stefan Gillhuber. „Wir haben 155 Kinder und Jugendliche, die nur darauf warten, dass sie endlich wieder kicken dürfen!“

Corona-conformes Training ist machbar

Gillhuber hat Verständnis für die Maßnahmen, findet aber auch, dass ein corona-konformes Training durchaus machbar sei. „Wir haben ein Mega-Areal mit drei großen und einen kleinen Platz. Klar, auf Zweikämpfe sollte man weiterhin verzichten. Aber Techniktraining im Freien, mit ausreichend Abstand sollte doch möglich sein!“ Weiterhin schwierig bleibt die Situation in der Turnabteilung. 700 unserer über 1.300 Mitglieder gehören der Turnabteilung an. Solange die Hallen wegen Corona gesperrt sind, sind uns da die Hände gebunden!“

Der Freistaat hat diesen Gedanken bereits aufgenommen und die Sportanlagen im Freien grundsätzlich geöffnet, auch wenn für deren Nutzung gewisse Einschränkungen wie ein Kontaktverbot gelten.

So sehen die neuen Vorschriften aus

Weiterhin gilt die Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr, die – anders als in anderen Bundesländern – auch Einzelsporter betrifft. Der Mindestabstand beträgt 2,50 Meter, in vielen Innenstädten gilt Maskenpflicht. Die gilt auch auf Kinderspielplätzen für Menschen über 15 Jahren. Schüler müssen sich täglich testen lassen, wer zum Friseur oder der Fußpflege geht, braucht ebenfalls einen negativen Test oder vollständigen Impfschutz. Einige Geschäfte wie Gartenmärkte, Buchhandlungen oder Resebüros dürfen aufsperren.

Bei der Impfquote liegt der Landkreis Mühldorf weiterhinüber dem bayern- und deutschlandweiten Durchschnitt.

Welche Einschränkungen darüber hinaus gelten und was aus der Öffnung der Sportanlagen im Freien wird, will das Landratsamt heute mitteilen.

Inzidenzwert liegt bei 273,6

51 neue Coronafälle hat das Landratsamt gestern registriert. Damit sinkt der Inzidenzwert leicht auf 273,6, 140 Menschen sind bis jetzt an Corona gestorben. Acht der Neuinfizierten lebt im Cursana-Altenheim in Ampfing, dort wurden auch fünf Mitarbeiter positiv getestet. Der Schwerpunkt der Neuinfektionen lag in den letzten sieben Tagen mit 38,9 Prozent in der Gruppe der 35 bis 59-Jährigen.

Neun von 16 Beatmungsbetten des Inn-Klinikums sind belegt, gestern wurden dort 49 Corona-Patienten behandelt. Am 1. Mai gibt es von 15 bis 19 Uhr Testmöglichkeiten auf dem Volksfestplatz in Mühldorf, in Waldkraiburg finden wegen einer Neuausschreibung der Teststation am Sonntag, 2. Mai, keine Tests statt.

Kommentare