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Praxisnahe Lebensschule

Drei Jahre und einen Tag unterwegs: Stefan Genzinger aus Buchbach ist auf der Walz

Stefan Genzinger
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Auf geht‘s für Stefan Genzinger.

In unserer Gegend eine Seltenheit, für den Zimmerergesellen Stefan Genzinger aus Linden bei Buchbach aber schon seit seiner Lehrzeit immer ein Thema: die Walz. Jetzt macht er sich für drei Jahre und einen Tag auf den Weg, um seine beruflichen Erfahrungen zu erweitern.

Buchbach  Nach dem Abschluss der Mittelschule absolvierte Stefan Genzinger seine Lehrzeit bei der Zimmerei Voglsamer in Brodfurth, arbeitete dann als Zimmerergeselle bei der Zimmerei Hansmeier in Niederheldenstein und wechselte 2019 zur Massivholzschreinerei Abensberg.

Gleich nach der Lehrzeit festigte sich sein Plan, als rechtschaffener fremder Gesell auf die Walz zu gehen. Nach dem Anschluss an die Vereinigung der „rechtschaffenen fremden Zimmergesellen Deutschlands“ (www.rechtschaffene-zimmerer.de) verwirklicht sich Stefan Genzinger jetzt seinen langgehegten Traum. „Wenn net jetz, so Stefan Genzinger, dann mach i des a nimmer, und des würd mi mei ganz Lebn lang reun“.

Beim Abschied: Stefan Genzinger mit fremden Gesellen und seinen Geschwistern Maria, Thomas und Martin.

Dazu muss man strenge Regeln und Anforderungen vor Antritt der Walz erfüllen: So muss man ledig und darf nicht älter als 30 Jahre sein. Die Dauer der Walz beträgt drei Jahre und einen Tag. Während dieser Zeit darf der reisende Gesell seinen Heimatort in einem Umkreis von 50 Kilometern nicht bereisen, um nur einige der Voraussetzungen aufzuführen.

Eine praxisnahe Lebensschule

Die Wanderschaft ist eine in jeder Beziehung praxisnahe Lebensschule, die jedem fremden Gesellen ein gesundes Selbstvertrauen gibt, seinen Horizont erweitert, und die berufliche Erfahrung vervielfältigt.

Der „Fremdgeschriebene“ lernt auf seiner Wanderschaft im In- und Ausland andere Arbeitspraktiken und Baustile kennen. Durch den direkten Kontakt mit der Bevölkerung wird sein Verständnis für andere Kulturen geweckt. Daher lässt sich mit Recht sagen, es ist für die meisten rechtschaffenen fremden Gesellen die schönste und erlebnisreichste Zeit in ihrem Leben. Dies will auch Stefan Genzinger erfahren.

Riten und Gebräuche zum Start der Walz

Vor dem Antritt der Wanderschaft wird der reisende Gesell mit den typischen Utensilien ausgestattet und muss verschiedene Riten und Gebräuche durchlaufen. Zunächst braucht er neben der klassischen Kluft, der Tracht des fremden Gesellen, bestehend aus dem Hut (Schlapphut, Zylinder oder Koks), der Staude (Hemd), der Samt- oder Manchesterjacke und -hose, sowie schwarze Schuhe oder Stiefel. Dazu braucht er den Charlottenburger (ein eng geschnürtes Reisebündel für sein ganzes Hab und Gut), den Stenz (Wanderstab) und das Wanderbuch, das als Ausweis als fremder Gesell bei Behörden und als Arbeitssuchender gilt.

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„Angenagelt“: Stefan Genzinger mit einem fremden Gesellen, bis er seinen Zimmererohrring bekam. Rampl

Dazu trägt er linksseitig einen Ohrring mit seinem Handwerkswappen, das klassische Merkmal des Zimmerers. Dies wird im an Tag seiner Verabschiedung am Heimatort und seines Abmarsches, im Beisein einer Schar von fremden Gesellen „gestochen“, wozu er an einem Tisch festgenagelt wird. „Freigelassen“ wurde er erst nach der Zusage verschiedener flüssiger Wohltaten. Gleichzeitig musste er sein Handy mit drei Nägeln an einen Balken nageln, was bedeutet, dass die Kontaktmöglichkeiten nach Hause und Freunden erheblich eingeschränkt sind.

Vier Wochen in Begleitung unterwegs

Dies alles hat Stefan Genzinger mit Geduld über sich ergehen lassen und sich ausgiebig von den fremden Gesellen, Freunden und Verwandten aus seinem Heimatort verabschiedet. Die Reise ging am nächsten Tag weiter nach Nürnberg zur offiziellen Verabschiedung auf den weiteren Weg seiner Wanderschaft.

Kurz vor dem Abmarsch: Stefan Genzinger mit seinem Wandergesellen Lasse Meier in Nürnberg.

Dort waren nochmals verschiedene Aufgaben zu erfüllen, ehe er von seiner Familie und auch der Vereinigung auf den Weg geschickt wurde. Dabei wird er zunächst von Lasse Meier, einem Wandergesellen, für vier Wochen zur Einführung begleitet.

Der Weg geht zunächst nach Würzburg und von dort in den hohen Norden, über die Niederlande in den Raum Berlin und Hamburg, dann in die Schweiz, nach Steinen bei Zürich, wo er den Winter bis März bei einem Holzbauunternehmen arbeiten will. „Was danach kommt, so Stefan Genzinger, steht in den Sternen“.

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