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„Zack, holt dich die Realität wieder ein“

BRK-Helden aus der Region retten Kind und bringen Ferienflieger zu Notlandung

Lebensretter auf dem Urlaubsflug nach Fuerteventura
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Wurden auf dem Urlaubsflug nach Fuerteventura zu Lebensrettern: Florian Ferschmann (l.) und seine Kollegin Katharina Gallenberger (r.).

Es hätte ein entspannter Urlaub werden sollen für drei BRK-Kräfte aus der Region. Von München aus ging es Anfang Juni in Richtung Fuerteventura, allerdings nicht wie geplant. Über Frankreich musste die Maschine umdrehen und wieder in München landen – auf dringendes Anraten eines innsalzach24.de-Lesers.

Haag in Oberbayern/München – Florian Ferschmann ist Bereitschaftsleiter der BRK-Bereitschaft Haag in Oberbayern, Notfallsanitäter und Organisatorischer Leiter Rettungsdienst im Landkreis Mühldorf am Inn. Bereits im August 2021 wurde er auf dem Rückweg aus dem Urlaub zum Lebensretter. Auf der A99 östlich von München kam er damals als Ersthelfer zu einem schweren Unfall und handelte umgehend.

Anfang Juni stand jetzt der nächste Urlaubstrip an. Diesmal nicht mit dem Auto, sondern mit dem Flugzeug. Das Ziel: Fuerteventura – gemeinsam mit zwei Kollegen, die ebenfalls beim Bayerischen Roten Kreuz tätig sind. Am Mittwoch (1. Juni), 12.20 Uhr hebt der Flieger vom Münchner Flughafen ab. Alles läuft nach Plan. Vorerst…

Nach rund einer Stunde Flugzeit nehmen dramatische Minuten an Bord ihren Lauf: „Wir saßen relativ weit hinten im Flugzeug, als wir von vorne plötzlich den Aufschrei einer Frau hören konnten“, schildert Ferschmann im Gespräch mit innsalzach24.de.

„In meinen fünf Jahren im Rettungsdienst habe ich schon viel erlebt, aber…“

Seine Kollegin, Katharina Gallenberger, die beim BRK im Landkreis Erding hauptamtlich tätig ist, saß neben ihm am Gang und hatte beste Sicht auf das Geschehen, das sich einige Reihen weiter vorn abspielte. Sie sah, wie eine Mutter ihre kleine Tochter auf den Boden legte und ihr aufgeregt die Kleidung vom Körper riss. Sofort wusste die Notfallsanitäterin, dass jetzt ihre Hilfe gefordert ist.

Gallenberger stürmte durch den Gang zu dem Kleinkind. „In meinen fünf Jahren im Rettungsdienst habe ich schon viel erlebt, aber ein krampfendes Kind habe auch ich noch nicht gesehen“, so die 23-Jährige. „Ich selber habe drei Sekunden länger gebraucht“, erklärt Ferschmann. Wer will es ihm verdenken, immerhin sah er sich in wenigen Stunden gemütlich am Strand liegen und die Sonne genießen.

Fieberkrampf von Kleinkind fordert die Retter über den Wolken

„Zack, holt dich die Realität wieder ein“, so der 31-Jährige, der dann aber auch umgehend schaltete und seine Kollegin tatkräftig unterstützte. Doch was war überhaupt passiert? Ein etwa dreijähriges Kind hatte während des Fluges einen Fieberkrampf erlitten.

Die Retter wussten natürlich was zu tun ist und bewahrten Ruhe. Das Problem war lediglich die etwas dürftige medizinische Ausrüstung an Bord, wie die beiden nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub erzählen. Also mussten sie improvisieren, um den Krampf des Kindes zu brechen. „Zurück zu den Basics“, beschreibt es Gallenberger.

„Wir haben Wadenwickel gemacht, um die Körpertemperatur zu senken“, so der Leiter der Haager BRK-Bereitschaft. Gleichzeitig habe man im Flugzeug nach entsprechenden Medikamenten gefragt. Einer der Fluggäste hatte eine Beruhigungstablette bei sich, die die beiden Rettungskräfte dem Kind in passender Medikation verabreichten.

Das Mädchen konnte inzwischen allerdings den Krampf selbst durchbrechen. „Die alten Hausmittel sind manchmal noch die besten“, erklärt die Notfallsanitäterin. Es galt also für die Retter nun, einen erneuten Krampfanfall zu verhindern. Dies gelang schließlich auch, jedoch brauchte das Kind schnellstmöglich eine ärztliche Behandlung in einem Krankenhaus.

Rettungskräfte veranlassen Notlandung

Mit den angesichts der Situation „maximal überforderten Stewardessen“, wie Ferschmann es beschreibt, habe man sich dann „mit schlechtem Englisch, Händen und Füßen“ verständigt. In Absprache mit der völlig aufgelösten Mutter wurde die Entscheidung getroffen, das Flugzeug auf dem schnellsten Weg zurück auf den Boden zu bringen.

Der Pilot drehte schließlich über Frankreich – unweit der Stadt Grenoble – um und flog zurück in Richtung München. „Das war die härteste Landung, die ich jemals gehabt habe“, beschreibt Ferschmann. Wie er später von einem anderen Fluggast erfuhr, der den Bordmonitor mit den Flugdaten im Auge hatte, hatte es der Pilot in der Notsituation offenbar besonders eilig. Statt mit normaler Reisegeschwindigkeit zwischen 750 und 800 Stundenkilometern ging es mit über 900 km/h zurück in Richtung der bayerischen Landeshauptstadt. Offenbar verzichtete der Pilot dann auch auf eine sanfte Landung, um keine wertvolle Zeit mehr zu verlieren. Direkt neben dem Rollfeld wartete bereits der Rettungswagen samt Notarzt.

Start in München, Landung in München: Über Frankreich musste der Flieger unweit von Grenoble aufgrund des medizinischen Notfalls umdrehen.

Die beiden Notfallsanitäter gaben den Kollegen am Rollfeld eine kurze Übergabe der jungen Patientin, Ferschmann griff anschließend direkt zu seinem Handy und kündigte das Mädchen gleich telefonisch in der Schwabinger Kinderklinik an. Wer glaubte, der Urlaub könne jetzt endlich losgehen, war jedoch falsch gewickelt.

Mit neun Stunden Verzögerung geht‘s endlich Richtung Süden

Nach langem Hin und Her hieß es plötzlich, dass die Besatzung mit dem erneuten Flug nun ihre Dienstzeit überschreiten würde, der Abflug wurde auf 21 Uhr verlegt – knapp neun Stunden später als ursprünglich geplant. „Das ist natürlich deprimierend“, so Ferschmann. Auch wenn die übrigen Fluggäste Verständnis zeigten, machte sich ihm zufolge langsam etwas Unmut breit.

Ein stundenlanger Aufenthalt am Flughafen stand den Urlaubern also jetzt bevor, ehe es am Abend endlich in den Süden gehen konnte. Die Airline hatte für die Retter als Dank und Anerkennung für ihren tatkräftigen Einsatz über den Wolken noch eine kleine Überraschung parat: Für sie ging es in der Business-Class nach Fuerteventura.

„Jetzt langt‘s langsam“

„Zwischen 2 und 2.30 Uhr nachts sind wir dann endlich am Hotel angekommen“, so Ferschmann und er fügt an: „Da fällst du ins Bett und denkst dir ,jetzt langt‘s langsam‘“. Mit einem Tag Verspätung startete das Kollegen-Trio dann schließlich in den verdienten Urlaub bei schönstem Badewetter.

Angesichts dessen, dass Ferschmann nun bei seinen letzten beiden Urlaubsreisen innerhalb weniger Monate jeweils unverhofft zum Retter wurde, erklärt er: „Wo Hilfe benötigt wird, hilft man auch.“ Und die Reiselust hätten die beiden Vorfälle keinesfalls getrübt: „Der nächste Urlaub im September ist schon geplant“, schmunzelt er. Dann hoffentlich ohne medizinische Notfälle…

aic