Bürgermeister aus dem Saarland appellierte an Merkel - Trifft sein Vorschlag auch für uns zu?

Sollten Kommunen den Gesundheitsämtern bei der Kontaktverfolgung helfen?

Armin König (CDU), Bürgermeister im saarländischen Illingen (links) trug in einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konkrete Vorschläge vor, wie Kommunen Gesundheitsämter beim Kampf gegen Corona helfen könnten. Mühldorfs Landrat Max Heimerl (CSU) erklärt im Gespräch mit innsalzach24.de, ob sein Vorschlag auch für die Region sinnvoll und umsetzbar wäre.
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Armin König (CDU), Bürgermeister im saarländischen Illingen (links) trug in einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konkrete Vorschläge vor, wie Kommunen Gesundheitsämter beim Kampf gegen Corona helfen könnten. Mühldorfs Landrat Max Heimerl (CSU) erklärt im Gespräch mit innsalzach24.de, ob sein Vorschlag auch für die Region sinnvoll und umsetzbar wäre.

Illingen/Landkreis Mühldorf am Inn - Ein Bürgermeister aus dem Saarland forderte vor kurzem in einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel eine neue Vorgehensweise beim Kampf gegen Corona. Wir haben nachgefragt, ob sein Modell auch für die Region sinnvoll und umsetzbar wäre.

„Hier im Landkreis arbeiten wir mit den Gemeinden bereits sehr eng zusammen, die uns für eine effiziente Kontaktermittlung und -nachverfolgung sehr unterstützen. Dafür möchte ich mich bei dieser Gelegenheit sehr herzlich bedanken!“, erklärt der Mühldorfer Landrat Max Heimerl (CSU) im Gespräch mit innsalzach24.de. „Die Kommunen liefern uns bei Bedarf kurzfristig über ihre Einwohnermeldeämter bereits die relevanten Informationen, die für das Gesundheitsamt zur Kontaktermittlung erforderlich sind. Dazu zählen auch ergänzende Daten, damit die Kontaktermittlungsteams die Betroffenen schnell und ohne eigenen Rechercheaufwand kontaktieren können.“

Bürgermeister aus dem Saarland fordert Änderungen beim Kampf gegen Corona.

Der dienstälteste Bürgermeister des Saarlands, Armin König, tätig in der 15.000-Einwohner-Gemeinde Illingen forderte vor kurzem in einem Schreiben an Angela Merkel grundlegende Änderungen im Kampf gegen Corona:

  • Gemeinden könnten sich, wenn Gesundheitsämter nicht mehr die Spezialsoftware des RKI benutzen müssten, mit Telefonketten an der Nachverfolgung beteiligen.
  • Gemeinden könnten kleine Krisenstäbe einrichten, bei denen alle Erkenntnisse über die einzelnen Kontaktcluster zusammenlaufen.
  • Die Bürgerämter in den Kommunen hätten einen direkten Zugriff auf Einwohnermeldedaten. Die Nachverfolgung könne sehr viel effizienter ablaufen, wenn sie diesen nutzen bzw. einbringen könnten.
Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl.

Ist das auch eine Sache, die es bei uns in Bayern und der Region bräuchte? Oder ist das hier gar nicht notwendig? „Die Kreisstadt Mühldorf am Inn befürwortet die Verortung der Kontaktverfolgung am Landratsamt“, betont auch Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl (UM) „Der Gedanke von Herrn Bürgermeister Armin König mag vielleicht in kleinen Gemeinden funktionieren, aber nicht in einer Kreisstadt mit knapp 21.000 Einwohner. Die Zusammenarbeit mit dem Landrats- und Gesundheitsamt läuft hervorragend. Wir würden Mitarbeiter zur Verfügung stellen, sofern dies notwendig wäre.“

„Sehr effizienter Informationsaustausch“

„Der Informationsaustausch mit den Gemeinden hier ist sehr effizient und läuft auf kurzem Wege“, betont auch Landrat Max Heimerl. „Wir informieren Bürgermeister und Gemeinden unmittelbar bei lokalem Infektionsgeschehen beispielsweise in Kitas, Schulen oder Betrieben über die Maßnahmen vor Ort, das weitere Vorgehen und halten sie über die laufenden Entwicklungen auf dem aktuellen Stand.“

Zu den Aufgaben des Gesundheitsamtes bzw. der Kontaktermittlungsteams gehöre auch die Begleitung der Personen während der Quarantäne, für die ein wichtiges Anliegen ihre Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten oder anderen wichtigen Gütern während der Quarantäne ist, so Heimerl weiter. „Hier können unsere Mitarbeiter auf eine umfangreiche Liste mit Ansprechpartnern aus allen Gemeinden zurückgreifen,  die sich vor Ort bereit erklärt haben für Bürgerinnen und Bürger, die sich in Quarantäne befinden oder zu einer Risikogruppe zählen, Besorgungen oder Einkäufe zu übernehmen. Diese Übersicht nach Gemeinden ist auch auf unserer Homepage unter ‚Unser Soziales Bayern‘ veröffentlicht.

Einige Kommunen stellen Helfer zur Verfügung

„Obwohl die Anzahl der Mitarbeiter auch in den Gemeinden begrenzt ist, haben uns einige Kommunen darüber hinaus personelle Unterstützung für das Kontaktermittlungsteam angeboten“, berichtet der Landrat weiter. „Diese insgesamt zehn Mitarbeiter aus den Gemeinden haben wir in der ruhigeren Corona-Phase während des Sommers entsprechend geschult, so dass wir bei Bedarf auf sie zurückgreifen könnten. Derzeit sind unsere Kontaktermittlungsteams allerdings personell gut aufgestellt. Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen im Landratsamt, Bundeswehrsoldaten und Mitarbeiter anderer Behörden wie dem Finanzamt und der Polizei unterstützen die Kolleginnen und Kollegen des Gesundheitsamts bei der Kontaktermittlung und Verfolgung von Infektionsketten, so dass wir hier alle relevanten Kontakte noch zeitnah ermitteln und die erforderlichen Maßnahmen einleiten können.“

Weitergehende Maßnahmen, wie die Bildung von dezentralen Krisenstäben auf Ebene der 31 überwiegend kleineren Kommunen bei uns im Landkreis seien seines Erachtens weder erforderlich, noch effizient und wären aufgrund der Personal- und Aufgabenstruktur in den Kommunen größtenteils nicht umsetzbar.

hs

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