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Hohe Zahl an Corona-Neuinfektionen

„Wir sind wieder die Deppen“: Das sagen Mühldorfer Wirte, Kinobetreiber, Friseure zur 3G-Regel

Bereit für den Selbsttest: Barbara Lang vom Fitnessstudios Mei Energy fürchtet, dass Kunden nicht bereit sind, für Tests vor dem Training zu bezahlen. Das fürchten auch Wirte oder Kinobetreiber.
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Bereit für den Selbsttest: Barbara Lang vom Fitnessstudio Mei Energy fürchtet, dass Kunden nicht bereit sind, für Tests vor dem Training zu bezahlen. Das fürchten auch Wirte oder Kinobetreiber.

In diesem Fall ist Mühldorf dem Rest Bayerns leider voraus: Seit Dienstag (17. August) gilt wegen der hohen Coronainzidenz die 3G-Regel: Ins Wirtshaus, Kino oder Fitness-Studio darf nur, wer genesen, geimpft oder getestet ist. Kontrollieren müssen das die Betriebe. Und die sind alles andere als erfreut.

Mühldorf – Thomas Rahnert ist sauer. Weltweit sei noch kein Kino als Infektionstreiber ermittelt worden, sagt der Betreiber des Kinos Cinewood in Waldkraiburg. „So falsch die Vorgaben sind, wir werden sie umsetzen müssen.“ Einen Mitarbeiter müsse er für den Empfang abstellen, der Aufwand sei enorm, von den vielen offenen Fragen abgesehen, etwa wie man echte von unechten Impfpässen unterscheiden könne. „Diese Regeln werden uns sicherlich Kunden kosten.“

Rahnert erinnert an Berlin, wo es bereits eine Testpflicht für den Kinobesuch gab. „Die Besucherzahlen lagen dort 50 Prozent unter uns.“ Eigene Tests schließt er aus. „Das können wir nicht stemmen.“

Schnelltests selbst gekauft

Barbara Lang vom Fitnessstudios Mei Energy geht etwas anders an die Sache ran. „Wir haben zu einem günstigen Preis Tests gekauft, die können wir jedem für zwei oder drei Euro anbieten.“ Denn sie hält es für überlebensnotwendig, die Kunden zu halten.

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Schon der Lockdown im Frühjahr habe die Zahl der Mitglieder „drastisch gesenkt“. In den vergangenen drei Sommermonaten, die immer schwach seien, habe es kaum Möglichkeiten gegeben, neue Mitglieder zu gewinnen. Sie befürchtet, dass es eine weitere Kündigungswelle geben wird, weil „viele Menschen nicht bereit sind, für einen Schnelltest viel zu bezahlen, um ins Fitness gehen zu können“.

Der Einlass für Geimpfte macht ihr dagegen keine Sorgen. „Wir haben eine Software zur Zugangskontrolle. Da können wir den Impfpass einlesen, wenn ihn uns die Kunden zeigen“.

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„Ich habe jetzt schon Angst davor. Es bereitet mir schlaflose Nächte“, sagt Karin Söll vom Gasthaus Söll in Niedertaufkirchen. Sie kann sich nicht vorstellen, wie die ständigen Kontrollen vor dem Betreten des Gasthauses bewerkstelligt werden sollen, ohne eine zusätzliche Kraft dafür einstellen zu müssen.

Verein übernimmt Kontrolle selbst

Zum Beispiel, wenn sich Vereine dort treffen, wie am Freitag die Feuerwehr Niedertaufkirchen. Die Wehr hat sich inzwischen bereit erklärt, die Kontrollen selbst durchzuführen.

Wirtin Söll sieht außerdem ein enormes Konfliktpotenzial mit Gästen, die für die Kontrollen kein Verständnis mehr haben könnten. „Ausbaden müssen es wir, wenn wir der Stammkundschaft erklären müssen, dass sie ohne negativen Test nicht ins Gasthaus dürfen. Dass wir auch kein Auge zudrücken können.“

Mehr Gelegenheit zur Schwarzarbeit

Neun Monate habe man kein Geld verdient, weil der Lockdown auch die Wirtshaustüren geschlossen hatte, „jetzt sind wir wieder die Deppen!“ Die 43-Jährige ärgert sich darüber, dass man mit Aufgaben betraut werde, die nicht Sache des Wirtes seien. „Sollen die Entscheider doch jemanden vom Ordnungsamt abstellen, der Impfausweise, Zertifikate und dergleichen kontrolliert.

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Hermann Kick hat die Sorge, dass mit den neuen Regeln die Schwarzarbeit wieder aufblühen wird. „Wenn ich mich nicht testen lassen will, gehe ich zur Nachbarin oder zu einem Bekannten und lasse mir die Haare schneiden, da brauche ich nicht mal eine Maske“. Diese Erfahrung hat der Friseur aus Buchbach schon beim Lockdown machen müssen. Für seinen Salon gilt, dass er sich an die gesetzlichen Vorgaben halten wird. „Wir werden nicht auskommen“.

Höherer bürokratischer Aufwand

Das bedeutet, sie haben ein Hygienekonzept sowie die Regelungen der Berufsgenossenschaft und des Landesinnungsverbandes. Jetzt wird der Kunde mit der Begrüßung halt wieder gefragt, ob er einen negativen Test hat oder geimpft oder genesen ist; und nach dem entsprechenden Nachweis gefragt. Das bedeutet für sie wieder einen höheren bürokratischen Aufwand.

Im Hotel ändert sich nichts

Für die Hoteliers ändert sich nichts, sagt Bernhard Lechner, Juniorchef des Hotels Wetzel am Mühldorfer Stadtplatz. „Bei uns geht es aber nur um geimpft oder getestet“, sagt er. Genesene spielten keine Rolle. Seit Monaten müssen sich die Mitarbeiter Ausweise und Bescheinigungen zeigen lassen. „Das ist natürlich zeitraubend, vor allem wenn mehrere gleichzeitig kommen.“ Aber das nehme die Belegschaft in Kauf, wenn sie öffnen könne. „Es ist eigentlich nervig, aber richtig, wenn man es überprüft.“ Menschen, die sich weigerten, einen Test vorzulegen gebe es ab und zu auch. „Aber da sind wir rigoros, die kommen nicht rein.“

Niemals nur für Geimpfte

Entschieden spricht sich Waldkraiburgs Kinobetreiber dagegen aus, zur Vereinfachung des Verfahrens nur noch Geimpfte reinzulassen. „Das kommt für mich nicht in Frage. Ich will keine Selektion. Kino war schon immer für alle da. Das soll so bleiben“, warnt Rahnert davor, die Spaltung der Gesellschaft durch solche Maßnahmen weiter anzuheizen.

Selbsttests für Ungeimpfte möglich

Die Tests, die die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vorsieht, können natürlich PCR- oder Antigenschnelltests sein, wie sie Fachleute oder medizinisch geschultes Personal durchführen. Wie das Landratsamt gestern mitteilte, darf auch ein „vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassener Selbsttest sein“, heißt es in einer Mitteilung. Er muss allerdings unter Aufsicht vorgenommen werden. „Die Durchführung eines Selbsttests muss vor Ort unter Anwesenheit des Betreibers, des Personals oder unterwiesenen Personen und der Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips erfolgen“, heißt es beim Landratsamt. „So gilt ein Selbsttest mit negativem Ergebnis als Zutrittsberechtigung.“ Genesene oder geimpfte Menschen sind von der Testpflicht befreit.

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