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Einzelzimmer für jeden Bewohner

Neues Wohnhaus für Suchtkranke: Therapiezentrum Christ in Taufkirchen verbessert Komfort

Thomas (links) und Günter Christ leiten seit 2008 die Einrichtung und stoßenmit dem Neubau eines der größten Projekte an.
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Thomas (links) und Günter Christ leiten seit 2008 die Einrichtung und stoßenmit dem Neubau eines der größten Projekte an.

Das Therapiezentrum Christ in Taufkirchen vergrößert sich. Allerdings nicht, um noch mehr Therapieplätze zu schaffen, sondern um den Suchtkranken mehr Komfort zu bieten. Denn bislang hat nicht jeder ein Einzelzimmer zur Verfügung.

Taufkirchen – Auf dem Gelände des Therapiezentrums Christ stehen schon die Bagger und ein Baukran bereit. Erdreich wurde bereits bewegt und schon in wenigen Wochen wird hier eine riesige Baugrube sein. An dieser Stelle, mitten in Weiß, entsteht neuer Wohnraum für suchtkranke Menschen.

Bereits seit 1983 werden hier ausschließlich Substanzabhängige behandelt. Heißt, sie sind dem Alkohol, Drogen, Medikamenten oder anderen Substanzen verfallen. Die Klienten sollen hier eine zweite Chance im Leben bekommen. Schließlich werden Suchtkranke auch in der heutigen Zeit noch immer von der Gesellschaft ausgegrenzt und stigmatisiert. Die Betriebsphilosophie des Therapiezentrums Christ: Ziel ist es, jedem Klienten im Sinne der Wiedereingliederungshilfe die nötige Unterstützung zu geben, um wieder einen Platz in der Gesellschaft einnehmen zu können.

Rückzugsort für jeden Klienten

Die Pläne für den Neubau sehen 28 neue Einzelzimmer in drei Wohngruppen vor.

„Wir haben 70 Therapieplätze. Davon sind 54 in unserem Haus in Taufkirchen untergebracht und 16 in Waldkraiburg, von denen jeweils acht Personen in einer Wohngruppe leben. Die Klienten sind gemischt, Männer und Frauen ab 21 Jahren“, sagt Günter Christ (48), Inhaber der Einrichtung. „Aktuell sind die Hälfte Einzelzimmer, die andere Hälfte Doppelzimmer. Mit dem Neubau werden wir 28 neue Einzelzimmer schaffen.“ Jedes Zimmer bekommt eine eigene sanitäre Anlage. Es wird ein reines Wohngebäude mit drei Wohngruppen, verteilt auf drei Stockwerken. Jede Wohngruppe bekommt dazu noch einen eigenen Sozialraum, eine Küche und ein Wohnzimmer.

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Die Einzelzimmer bieten den Klienten einen persönlichen Rückzugsort. Schließlich möchte sich nicht jeder ein Zimmer mit einem anderen teilen. Die Therapieanwendungen finden nach wie vor in und um das bestehende Hauptgebäude statt. Die Klienten werden rund um die Uhr, 64 Mitarbeiter kümmern sich um die Gebäude und deren Bewohner.

Behindertenverbände fordern schon seit einiger Zeit, dass jeder Mensch mit Handicap das Recht auf ein Einzelzimmer hat. Menschen mit Suchtproblemen gelten als seelisch Behinderte. Dem Wunsch, jedem ein eigenes Zimmer zu schaffen, kommen nun auch die Brüder Christ nach. „Theoretisch hätten wir noch Bestandsschutz zu dieser Forderung der Behindertenverbände, doch für uns war klar, dass jeder einzelne Klient seine Privatsphäre benötigt“, erklärt Thomas Christ (52), der mit seinem Bruder Günter seit 2008 die Einrichtung leitet. Der Neubau gehört zu einem der größten Projekte des Therapiezentrums.

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Dabei war eine Platzerweiterung für die Geschäftsinhaber nie eine Überlegung. Ihnen war nur die Qualitätsverbesserung wichtig. Die 70 bestehenden Therapieplätze sollen deshalb nach wie vor beibehalten werden. Nur der Komfort wird für die Bewohner mit dem Neubau noch angenehmer.

Volles Risiko als private Einrichtung

„Natürlich musste das alles sehr gut überlegt und kalkuliert werden. Wir sind eine private Einrichtung und tragen daher das volle Risiko“, sagt Günter Christ. Die Finanzierung läuft über einen Kfw-Kredit, gebaut wird energiesparend nach Energieeffizienz 55. „Dafür gibt es Fördergelder. Wie hoch dieser Zuschuss sein wird, wissen wir noch nicht. Das wird erst festgelegt, wenn die Bauphase beendet und alles überprüft wurde“, setzt er fort.

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So ein Kfw-Zuschuss könne sich bis zu einer halben Million Euro belaufen. Für die Christs wäre das ein echter Geldsegen, denn ihr Neubau beläuft sich laut aktuellem Stand auf etwa drei Millionen Euro. Da das Therapiezentrum eine private Einrichtung ist, muss es die Kosten selbst tragen. Einzige finanzielle Unterstützung sind die Kfw-Fördergelder.

Ende August geht es richtig los mit der Bauphase. Spätestens im Winter 2022 soll das neue Wohngebäude fertiggestellt sein.

Die Anfänge des Therapiezentrums

Das Therapiezentrum haben 1983 Bernadette und Siegfried Christ gegründet. Zu der damaligen Zeit war solch eine Einrichtung etwas Neuartiges und einmalig in Bayern. Noch vor etwa 40 Jahren wurden Suchtkranke, sobald sie aus den stationären Kliniken entlassen wurden, in Alten- und Pflegeheimen untergebracht, das Suchtproblem aber nicht behandelt. Vor allem für junge Menschen war dies keine Lösung, sondern eher noch eine schwere Zusatzbelastung.

Das Ehepaar Christ arbeitete damals selbst in einem Pflegeheim und erkannte, dass Suchtkranke in einer Pflegeeinrichtung völlig fehl am Platz waren. Deshalb wollten sie einen Ort schaffen, wo man speziell auf ihre Krankheit und ihre Bedürfnisse einging. Ein alter Dreiseithof mit etwa 9000 Quadratmeter Grund wurde komplett renoviert. Das Konzept: den Tagesablauf der Klienten strukturieren.

Anfangs lagen die Schwerpunkte auf der Versorgung von Nutztieren und anderen landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Heute können die Klienten sich in einer einrichtungseigenen Schreinerei, Gärtnerei, bei der Hausreinigung, in der Küche oder bei der Ergotherapie sinnvoll betätigen. Mit eigenen Händen etwas schaffen, das stärkt das Selbstwertgefühl. Zu den Anfängen fanden 40 Bewohner einen Therapieplatz, heute sind es 70. Im Laufe der Jahre wurde immer wieder mal renoviert, umgebaut oder modernisiert. 2008 übernahmen die Söhne Thomas und Günter die Geschäftsleitung.

Das Therapiezentrum Christ arbeitet heute eng mit den ambulanten und stationären Trägern aus dem Landkreis zusammen. Dazu zählt auch der Ambulant Komplementäre Verbund (AKV) des Landkreis Mühldorf. Bernadette und Siegfried Christ gehören zu den Gründungsmitgliedern der AKV, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert.

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