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Gängelung oder Notwendigkeit?

Ungeimpfte müssen draußen bleiben: Nur ein negativer Test beschert in Neumarkt Badefreuden

Gerhard Kalisch und Florian Berger fühlen sich diskriminiert. Die Ungeimpften dürfen nicht rein, wenn sie keinen negativen Corona-Test haben. Die Maßnahmen, unter denen letztlich auch Kinder leiden, empfinden sie als nicht mehr verhältnismäßig. Deswegen geht der Daumen nach unten.
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Gerhard Kalisch (links) und Florian Berger fühlen sich diskriminiert. Die Ungeimpften dürfen nicht rein, wenn sie keinen negativen Corona-Test haben. Die Maßnahmen, unter denen letztlich auch Kinder leiden, empfinden sie als nicht mehr verhältnismäßig. Deswegen geht der Daumen nach unten.

Florian Berger steht vor dem Neumarkter Freibad und ist wütend. Der 51-Jährige und seine Ehefrau haben sich bislang nicht impfen lassen. Sie müssten sich aufgrund der stark angestiegenen Zahlen von Corona-Infizierten nun testen lassen, wenn sie plantschen wollen. Berger spricht von Diskriminierung.

Neumarkt-St. Veit – Sechs Tests, sechs Termine in der Apotheke, dann erst kann Florian Berger und seine Frau mit den vier Kindern – zwischen acht und 14 Jahren – den Badespaß im Städtischen Freibad genießen. Der Spaß ist der Familie aber vergangen nach der neuen Corona-Regelung. „Unter sechs Jahre benötigen die Kinder keine Tests. Soll man die dann ohne Eltern ins Freibad gehen lassen? Passen dann die Bademeister auf?“, kann sich Berger eine gewisse Polemik nicht verkneifen. Freilich weiß er aber, dass die städtischen Angestellten auch nur ihrer Pflicht nachkommen, keinen Handlungsspielraum haben und die nun geltenden Regelungen umsetzen müssen.

Urlaub wegen Corona bereits gestrichen

„Wir wohnen nur 50 Meter vom Freibad weg. An heißen Tagen sind wir in unsere Badesachen geschlüpft und rüber ins Freibad gegangen. Das ist jetzt nicht mehr ohne Test möglich. Jedes Mal alle sechs Familienmitglieder.

Das mache ich nicht mit“, schimpft Berger, der betont, dass er beileibe kein Impfgegner sei.

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Ungeimpft, jedoch diszipliniert durch die Pandemie

Aber er und seine Familie seien diszipliniert, hätten sich bislang an die Regeln gehalten. Man verzichte aufgrund der hohen Inzidenzen sogar auf den geplanten Urlaub in Frankreich. „Der einzige Sinn, den ich bei einer Corona-Impfung sehe, ist die wieder gewährte Freiheit – und das nenne ich Erpressung!“

Zur „Gängelung der Ungeimpften?“ erreichte uns dieser Leserbrief.

Berger will sich nicht zur Impfung drängen lassen

Doch will sich Berger nicht zur Impfung drängen lassen, seine Kinder schon gar nicht. „Ich lasse mir nichts spritzen, wozu es keine überzeugenden Studien gibt, die die Unbedenklichkeit garantieren“, argumentiert Berger. „Ich fühle mich diskriminiert“, sagt der 51-Jährige. Zumal er die Regeln gerade unter freiem Himmel nicht nachvollziehen kann.

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Manche scheint die neue Regelung nicht zu stören

Während er das vor dem Eingang des Freibades erzählt, ist immer wieder zu sehen, wie vermeintliche Gäste von der Kontrollstation, eine Holzhütte, zurückgewiesen werden. „Heute Morgen ist ein Rentner wieder heimgeschickt worden, weil er nur eine Impfung hatte. Das Freibad war zu diesem Zeitpunkt leer“, weiß Berger. Eine Dame ist zu sehen, die sich vom Eingang entfernt, den Kopf schüttelt und die neuen Regelungen mit „Blödsinn“ kommentiert. Eine andere ist da schon gelassener. Sie hatte ihren Impfausweis vergessen, spaziert deswegen noch einmal heim und präsentiert ihn zehn Minuten später – Einlass gewährt.

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Kein Test, kein Zutritt: Freibadgäste werden heimgeschickt

Gerhard Kalisch hingegen blieb dieser an diesem Vormittag verwehrt. Keine Impfung. Und auch kein Test: „Ich hatte keinen negativen Test dabei, wurde nach Hause geschickt“, berichtet der 68-Jährige schulterzuckend. Er ärgert sich über die neuen Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung,

Beschwerdeanrufe im Rathaus halten sich in Grenzen

Doch der Kommune sind die Hände gebunden, wie auch Julia Laube aus dem Ordnungsamt im Neumarkter Rathaus auf Nachfrage betont. Es gebe den einen oder anderen, der sich über die Regelungen beschwert, „aber die Anrufe im Rathaus halten sich in Grenzen“.

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Erste Apotheker stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen

Die Testpflicht für Ungeimpfte, die ins Wirtshaus, Fitnessstudio oder Freibad gehen wollen, fordert aber die hiesigen Apotheker. In Neumarkt-St. Veit bieten beide Apotheker die Schnelltests an, Ulrich Geltinger von der Johannes-Apotheke berichtet davon, dass die Leute ziemlich verärgert seien wegen der Testerei. „Vor allem darüber, dass es keine praktikable Lösung gibt.“ Er selbst stoße an seine Kapazitätsgrenzen. „Für Samstag habe ich schon keine Termine zum Testen mehr frei. Personell ist das nicht mehr zu stemmen. Wir müssen wohl die Testzeiten ausdehnen“, sagt Geltinger.

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Wenn die Temperaturen steigen – dann erst wird der Andrang richtig groß

„Wie wird das erst, wenn die Temperaturen wieder steigen“, fragt er sich, „wenn die Leute ins Freibad wollen?“ Er hat sich deshalb an die Stadt gewandt, gebeten, sich um eine Lösung zu kümmern. Sein Vorschlag: Tests vor Ort unter Aufsicht. Dafür würden sich auch Tests aus Discountern anbieten, der Abstrich könnte dann am Freibad erfolgen. Sollte es notwendig sein, die Kontrollpersonen entsprechend zu schulen, wäre er gerne bereit, dies zu übernehmen – kostenlos.

Test vor dem Freibad? Rathaus reagiert zurückhaltend

Auf den Vorschlag, Tests unter Aufsicht vor Ort durchzuführen, reagiert Laube zunächst zurückhaltend, „weil wir dafür kein geschultes Personal haben“, begründet sie. Die Thematik werde aber wohl nächste Woche besprochen, wenn einer der Entscheidungsträger – Bürgermeister Erwin Baumgartner oder Verwaltungschef Thomas Menzel – sich aus dem Urlaub zurückgemeldet haben. Der Sommer geht indessen weiter, auch wenn er schon in den letzten Zügen liegt. Und das lindert Bergers Aufregung etwas: „In zwei Wochen ist der Sommer 2021 eh vorbei.

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Niedrige Inzidenzen definieren Freizeitziel

Der Schaden hält sich also in Grenzen!“, so Berger. Das Alternativprogramm: „Museen in München vielleicht. Dort erlauben die Inzidenzen noch Besuche ohne Tests.“

Ob es im Rahmen der Pandemiebekämpfung aber Sinn macht, in Nachbarlandkreise mit niedrigen Inzidenzen auszuweichen, lässt Berger dahingestellt.

Die Rede ist von Impfpflicht durch die Hintertür

Und wie geht es nun weiter? „Mei, ich werde morgen einen Test machen, damit ich übermorgen reinkomme“, sagt Kalisch und er fügt kritisch hinzu: „Für mich ist das eine Impfpflicht durch die Hintertür.“ Berger schüttelt den Kopf: „Nein, nicht durch die Hintertür. Das ist schon durch die Vordertür!“

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