DEHOGA-Aktion

Bad Aibling: Gedeckte Tische und gemachte Betten im Kurpark

„Wenigstens dieses Bett ist belegt“: Jost Deitmar (Inhaber „Das Lindner“) und Roland Bräger (Vorsitzender Wirtschafts-Forum, vorne) ist der Sinn für Humor noch nicht ganz abhanden gekommen.
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„Wenigstens dieses Bett ist belegt“: Jost Deitmar (Inhaber „Das Lindner“) und Roland Bräger (Vorsitzender Wirtschafts-Forum, vorne) ist der Sinn für Humor noch nicht ganz abhanden gekommen.

Sorgfältig gemachte Betten, einladend gedeckte Tische, Cocktailgläser an der Bar – der Bad Aiblinger Kurpark mutierte gestern zur Freiluft-Hotel- und Gastronomie-Szene. Allerdings ohne Bewirtung und Gäste.

Bad Aibling– Ein Abbild dessen, wie es in den Betrieben seit Monaten aussieht. Seite an Seite machten die örtlichen Gastgeber auf ihre Situation aufmerksam – und kamen dabei mit vielen Bürger ins Gespräch.

„Jeder hatte selbst zu kämpfen“

„Ich verstehe nicht, dass ihr so lange still wart. Wo sind die Listen, in die man sich eintragen kann, um euch zu unterstützen?“, wollte ein Passant von Hubert Lang wissen. „Das stimmt, wir sind viel zu spät dran. Jeder hatte zu kämpfen, wie er mit seinem Betrieb überleben kann“, sagt der Inhaber des Gasthauses „Zum Heiss“ in Zell.

Erst in der Mitte des vergangenen Monats sei der zweite Teil der Novemberhilfen angekommen. „So konnte ich meine Leute noch bezahlen.“ Seine Mitarbeiter befänden sich in Teil-Kurzarbeit. Damit sie im ToGo-Geschäft arbeiten können, hat er selbst sich momentan aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, widmet sich überwiegend der Buchhaltung.

Er hofft, wenigstens bald die Außengastronomie öffnen zu können. Solche Perspektiven haben Marinus Brandl und Charlotte Milenz momentan noch gar nicht. „Wir werden wohl die Letzten sein, die aufmachen dürfen – es steht eine Inzidenzzahl von sieben im Raum, Impfen wird wahrscheinlich das einzige sein, was hier hilft“, sagen der Inhaber und die Geschäftsführerin vom „Tanzcafé Hubertus“.

Perspektive wird erhofft

Die beiden betreiben noch ein Gästehaus, aber auch hier stagniert es im Moment. Finanzielle Hilfen seien zwar geflossen, aber nicht in dem Maß, wie angekündigt. Die zwei Festangestellten seien in Kurzarbeit. „Aber wir haben auch viele 450-Euro-Jobber, die haben jetzt gar nichts. Das sind alles so fleißige Menschen, für die tut es mir so leid.“

Eine Perspektive erhofft sich Karola Lindinger von der großen Politrunde am morgigen Mittwoch. Sie wäre schon froh, wenn sie wenigsten im Biergarten ihres Hotels Schmelmerhof Gäste bewirten könnte. 110 Zimmer mit 180 Betten hat ihr Betrieb, zehn davon sind im Schnitt belegt mit Geschäftsreisenden.

War das Ausharren während des ersten Lockdowns schon hart, so sei es nun nur noch zermürbend. Für Jost Deitmar vom Hotel „Das Lindner“ bringt nur eine klare Öffnungsstrategie etwas. Sein Haus bietet zwar auch ToGo-Gerichte an, aber nur die Außengastronomie zu öffnen, sei keine Hilfe. Dazu sei man zu sehr vom Wetter abhängig, die Kalkulation wäre zu schwierig.

Astrid Heller vermietet sieben Ferienwohnungen am Kurpark. Alle Abläufe wären kontaktlos möglich. Doch auch bei ihr steht bis auf die ein oder andere Buchung von Geschäftsreisenden oder Handwerkern alles still.

Hoffen auf Perspektive

Sie steht Seite an Seite mit ihren Kollegen im Kurpark und sagt: „Auch ich hoffe auf eine Perspektive, dass wir wieder öffnen dürfen. Nicht nur die Ferienwohnungen, sondern alle. Es gibt so gute Konzepte, die doch im vergangenen Jahr schon funktioniert haben.“ Das bestätigt Roland Bräger, Vorsitzender des Wirtschafts-Forums Mangfalltal. Er bezeichnet die Schließung des Gastgewerbes als größten Fehler überhaupt. „Jetzt sind die Betriebe dicht und alles verlagert sich ins Private.“

„Akzeptieren keine weitgehenden Schließungen als Dauerzustand“

Bürgermeister Stephan Schlier betonte, wie wichtig das Gastgewerbe für Bad Aibling, seine Bürger und speziell auch die Attraktivität der Innenstadt sei. Die Betriebe hätten viel in Hygienekonzepte investiert und diese vorbildlich umgesetzt. Daher sende man auch aus Bad Aibling ein Signal der Unterstützung nach München und Berlin.

DEHOGA-Landesgeschäftsführer und Stadtratsmitglied Dr. Thomas Geppert stellte angesichts des aktuellen Corona-Infektionsgeschehens fest: „Die Maßstäbe und Inzidenzwerte, die für Öffnungen in anderen Branchen gelten, müssen auch für das Gastgewerbe gelten. Einen fortgesetzten Teil-Lockdown, also weitgehende Schließungen als ‚Dauerzustand‘, während andere öffnen dürfen, akzeptieren wir nicht. Die Menschen, die im Hotel- und

Gaststättengewerbe arbeiten und von ihrer Arbeit leben müssen, verdienen den gleichen Respekt und die gleiche Wertschätzung wie die Menschen in anderen Branchen. Wir haben verantwortbare Pläne für Öffnungsszenarien und erfolgreiche Schutzkonzepte erarbeitet.“ „Die Sicherheit von Mitarbeitern und Gästen steht auch für uns immer an oberster Stelle“, betont Kurdirektor Thomas Jahn. „Der Vorteil dieses Jahr liegt darin, dass wir auf erfolgreiche Schutzkonzepte für das Gastgewerbe zurückgreifen können.“ Die Erfahrung habe gezeigt: Stünden diese nicht zur Verfügung, komme es zu Ausweichbewegungen, die dann nur in ungeschützten Bereichen stattfinden könnten. „Diesen Fehler dürfen wir nicht ein zweites Mal begehen.“

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