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Ehepaar aus Bad Feilnbach erlebt Stunden der Angst

„Mama, ich bin an tödlichem Unfall schuld“ – Wie eine Familie Opfer einer üblen Betrugsmasche wurde

Die Polizei warnt vor Betrugsmaschen am Telefon, wobei Unbekannte ihren Opfern am Telefon vorgaukeln, Polizisten, Richter, Staatsanwälte oder auch Familienangehörige zu sein (Symbolfoto).
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Die Polizei warnt vor Betrugsmaschen am Telefon, wobei Unbekannte ihren Opfern am Telefon vorgaukeln, Polizisten, Richter, Staatsanwälte oder auch Familienangehörige zu sein (Symbolfoto).

Als ihre Tochter eine schreckliche Nachricht am Telefon überbringt, ahnt ein Ehepaar aus Bad Feilnbach nicht, dass es Opfer einer üblen Betrugsmasche wird. Warum die Eltern dadurch fast 30.000 Euro verloren haben und wie sie den Betrügern letztlich doch auf die Schliche kamen.

Bad Feilnbach – Es klingt wie in einem Krimi. Als das Telefon Anfang August bei einer Familie in Bad Feilnbach klingelt, folgen Stunden der Angst. „Mama, ich bin schuld an einem tödlichen Unfall“, hatte die die Stimme am anderen Ende der Leitung gesagt.

Wenig später sei eine Polizistin zu hören gewesen, die erklärte, dass ihre Tochter für den Unfall verantwortlich sei, bei dem eine alleinerziehende Mutter und ihre drei Kinder verunglückten. Zeugen hätten das zudem eindeutig bestätigt.

„Sonst muss sie ins Gefängnis“

„Sie können sich nicht vorstellen, was das für ein Schock für uns war“, erzählt Anna Weidner (Namen von der Redaktion geändert) nun im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Denn die schreckliche Nachricht ging noch weiter. „Wir wurden aufgefordert, noch am gleichen Tag 30.000 Euro Kaution zu zahlen, sonst hätte unsere Tochter ins Gefängnis gemusst“, erzählt Vater Klaus Weidner.

Da er auf die Schnelle jedoch keine 30.000 Euro auftreiben konnte, habe er am Telefon mit einem Staatsanwalt gesprochen, der schließlich auch 20.000 Euro akzeptierte. „Ich bin dann zur Bank gefahren und habe das Geld besorgt“, erzählt der 82-Jährige, der es im Nachhinein kaum fassen kann, wie leichtgläubig er in diesem Moment gewesen ist. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei dem Anruf um eine üble Betrugsmasche – Tochter, Polizei, Staatsanwaltschaft, die ganze Unfallgeschichte, alles war frei erfunden.

Die Opfer mussten in der Telefonleitung bleiben

Dennoch bemerkte dies die Feilnbacher Familie zunächst nicht. „Es ist mir schon oberkomisch vorgekommen, dass meine Tochter plötzlich hochdeutsch spricht“, sagt Mutter Weidner. In besagter „Schock-Starre“ habe man jedoch vieles, was eigentlich offensichtlich war, nicht hinterfragt.

So auch nicht die Tatsache, dass man aufgefordert wurde, dauerhaft in der Telefonleitung zu bleiben. „Damit wollten sie verhindern, dass wir woanders anrufen können“, weiß jetzt Klaus Weidner.

Ihm sei dann aufgetragen worden, zum Amtsgericht in Rosenheim zu fahren, um dort das Geld, was seine Tochter vor dem Gefängnis bewahren sollte, einer anderen Person zu übergeben. Eine Überweisung wäre laut Anrufer nicht möglich gewesen. „Ich musste unbedingt alleine kommen und meine Frau musste daheim am Telefon bleiben“, erinnert sich Weidner an die klaren Anweisungen der Anrufer. So langsam dämmerte es der Feilnbacher Familie und die Eltern der angeblichen Unfallverursacherin wurden skeptisch.

Als sie zunächst mit einem anderen Handy vergeblich versuchten, ihre angeblich schuldige Tochter zu erreichen, wurden die Sorgen nicht weniger. Als Klaus Weidner schließlich aber bei der Polizei in Brannenburg anrief, da dort seine Tochter wohnt, kam endlich Entwarnung. „Die richtige Polizei beruhigte uns dann und meinte, es handele sich um eine Abzockerbande“, so Weidner. Die Geschichte ging also noch glimpflich aus, ein Schock fürs Leben jedoch bleibt.

„Perfide Anrufe“ und geschickte Gesprächsführung

So wie der Familie aus Bad Feilnbach geht es derzeit zahlreichen Opfern in der Region (wir berichteten), die oftmals tatsächlich viel Geld verlieren. Laut dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd stecken hinter den Hiobsbotschaften Betrüger, die mit „perfiden Anrufen“ und geschickter Gesprächsführung wehrlose Opfer in die Mangel nehmen.

Weit über 500 vergleichbare Fälle von Callcenterbetrug seien beim Präsidium polizeilich bislang bekannt geworden. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bad Aibling gab es im Jahr 2021 insgesamt 56 Fälle. Zu ihnen gehören vergleichbare Schockanrufe sowie das „Phänomen falscher Polizeibeamter“. Wie ein Sprecher des Präsidiums auf Nachfrage mitteilt, beobachte man heuer eine klare Tendenz, „die Fallzahl steigt rapide an“.

Die Polizeiinspektion Bad Aibling selbst teilt zudem mit, dass nicht jeder Fall auch zur Anzeige kommt, man müsse also generell auch von einer abweichenden Dunkelziffer ausgehen. Da die Betrugsmasche immer häufiger vorkommt, will die Familie Weidner mit ihren Erfahrungen andere potenzielle Opfern sensibilisieren.

„Wir hätten auch nie damit gerechnet, aber wenn man in einer solchen Situation steckt, dann glaubt man einfach vieles“, sagt Anna Weidner. Man könne nun nicht oft genug davor warnen, sonst falle man auf die Betrugsmasche herein.

Was empfiehl die „richtige“ Polizei?

Eine Sensibilisierung ist auch im Sinne der Polizei. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd rät etwa zu einem „gesunden Misstrauen“. Sollte der Anrufer Druck machen, sei dies Teil der Masche. „Legen Sie einfach auf“, lautet deshalb der polizeiliche Ratschlag. Außerdem fordere die echte Polizei niemals Geld, um Ermittlungen durchführen zu können. Deshalb sollte man niemals Geld oder Schmuck an Unbekannte übergeben.

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