Monatelang Funkstille

Corona-Anzeige ans Gesundheitsamt Rosenheim: Reaktion gut, Kommunikation nicht

Das Gesundheitsamt Rosenheim hatte in der zweiten Coronawelle nur Zeit für die eigenen Aufgaben. Aber die Servicestelle des Gesundheitsministeriums hätte zumindest kurz antworten können, findet Angela Sandtner.
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Das Gesundheitsamt Rosenheim hatte in der zweiten Coronawelle nur Zeit für die eigenen Aufgaben. Aber die Servicestelle des Gesundheitsministeriums hätte zumindest kurz antworten können, findet Angela Sandtner.

Monate später kam wenigstens eine Entschuldigung. Bis dahin hatte Angela Sandtner vergebens auf eine Rückmeldung auf ihre Anzeige wegen eines Corona-Vorfalls in Rohrdorf gewartet.

Rohrdorf/Rosenheim/München – Zur Vorgeschichte: Mitte November meldet sich Sandtners Trauzeuge am Tag vor ihrer Hochzeit, dass er nicht kommen könne. Sein Kollege in einer Rohrdorfer Firma habe ihn gerade informiert, dass dieser coronapositiv getestet worden sei. Da gehe er übers Wochenende besser in Quarantäne als zur Hochzeit. Denn am Montag, so der Trauzeuge zu Angela Sandtner, solle er laut Arbeitgeber wieder im Betrieb erscheinen.

Landratsamt und Gesundheitsministerium angeschrieben

Angela Sandtner

Daraufhin wandte sich Angela Sandtner an das Landratsamt Rosenheim und auch an das Gesundheitsministerium, schilderte die Situation. Sie sähe im Verhalten der Rohrdorfer Firma eine grobe Fahrlässigkeit und Gefährdung der Öffentlichkeit.

Normalerweise sei bei einem engen Kontakt – „und bei etwa 35 Mitarbeitern arbeitet jeder mit jedem zusammen“ – mit einem Kollegen, der covidpositiv ist, doch eine behördliche Quarantäne von mindestens zehn Tagen angezeigt. Aber nicht normale Arbeit. So würden potenziell Hotspots geschaffen und dieses könne nicht im Sinne des Gesundheitsministeriums, des Landrats- und des Gesundheitsamtes sein. „Ich erwarte entsprechende Sanktionen und eine Stellungnahme Ihrerseits“, schrieb Sandtner.

Antwort nach vier Monaten

Und war entsetzt, als keine kam. „Wir halten uns an die Einschränkungen – bekommen aber von den Behörden keine Antwort.“ Auf die wartete sie mehr als vier Monate.

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Dann kam eine E-Mail der Servicestelle des Gesundheitsministeriums: Bislang habe sie auf ihre Nachricht leider noch keine Rückmeldung erhalten. Zu den Aufgaben einer transparenten und bürgernahen öffentlichen Verwaltung gehöre es unbestritten, zeitnah auf die Bedürfnisse und Probleme der Bürgerinnen und Bürger einzugehen. „Dies ist uns leider aufgrund der hohen Anzahl an Anfragen nicht in allen Fällen gelungen – hierfür bitten wir um Entschuldigung.“

Adäquate Reaktion nicht mehr möglich

Weiter heißt es: „Wir bedauern es sehr, dass wir nun nicht mehr adäquat auf Ihr Anliegen reagieren können.“ Sobald es die Umstände wieder zuließen, werde das Ministerium prüfen, inwieweit man sich für die Zukunft besser aufstellen könne. Ein Ministeriumssprecher erklärt auf Anfrage der OVB-Heimatzeitung dazu: „Die Beantwortung von Eingaben spiegelt grundsätzlich nicht in allen Fällen die zeitlichen Abläufe auf Fachebene wider.“

Gesundheitsamt an Kapazitätsgrenze

Vom Landratsamt beziehungsweise Gesundheitsamt Rosenheim habe sie nie eine Antwort erhalten, so Sandtner gegenüber dem OVB. Michael Fischer, Sprecher des Gesundheits- und des Landratsamtes, sagt dazu, dass das Gesundheitsamt mitten in der zweiten Welle der Corona-Pandemie alle Hände voll hatte mit der Nachverfolgung der Fälle und mit der Verständigung der Kontaktpersonen.

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Denn die sei Aufgabe des Gesundheitsamtes und nicht des Arbeitgebers des infizierten Mitarbeiters. „Wir hatten schlicht keine Kapazitäten für alles, was über diese Aufgaben hinausgeht“, so Fischer.

Ministerium: Gesundheitsamt Rosenheim bearbeitete tagesaktuell

Der Ministeriumssprecher ergänzt: Im vergangenen November sei trotz des vergleichsweise hohen Fallaufkommens eine in der Regel tagesaktuelle Bearbeitung der Indexfälle durch das Gesundheitsamt Rosenheim sichergestellt gewesen.

Entsprechende Kontaktpersonenlisten der Quellfälle sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld seien ohne nennenswerten Zeitverzug von den Fallermittlern bearbeitet worden. „Sollten dem Gesundheitsamt Rosenheim von der positiv getesteten Person Kontaktpersonen der Kategorie 1 genannt worden sein, so wurde für diese gemäß Maßgabe der damals gültigen Allgemeinverfügung eine entsprechende Quarantäneanordnung ausgesprochen.“

Kurze Rückmeldung hätte gereicht

Angela Sandtner hat Verständnis dafür, dass das Rosenheimer Gesundheitsamt in der zweiten Welle an seine Kapazitätsgrenzen stieß. „Und es ist wichtiger, Maßnahmen zu ergreifen.“ Aber vom Ministerium wäre zumindest eine kurze Rückmeldung „Danke für ihre Nachricht, wir kümmern uns darum“ schön gewesen. Das hätte Angela Sandtner gereicht, „mehr hätte es gar nicht sein müssen“.

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