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Putzig aber gefräßig

„Für viele der Sargnagel”: Wie Fischotter die heimische Fischzucht gefährden

Der Fischotter hat keine natürlichen Feinde und stellt eine große Herausforderung für die heimische Fischzucht dar.
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Der Fischotter hat keine natürlichen Feinde und stellt eine große Herausforderung für die heimischen Fischzüchter wie Kevin Pommerenke aus Stephanskirchen dar.

Auf Fotos sieht der Fischotter sehr niedlich aus. Aber er ist ein Raubtier und frisst ein Kilogramm Nahrung Pro Tag. Hauptsächlich Fisch - und das wird mehr und mehr zu einem Problem für die heimische Fischwirtschaft.

Rosenheim - „Der Schaden für die Karpfenzucht beziffert sich auf 30.000 Euro im Sommer”, sagt Kevin Pommerenke, Fischzüchter aus Stephanskirchen. Für den Winter und die Forellenzucht sei der Schaden noch nicht ausgewertet. Der Fischotter macht ihm und anderen das Leben schwer.

Der Fischotter gehört zur Familie der Marder. Er kann eine Größe von 120 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 15 Kilogramm erreichen. Hauptsächlich ernährt er sich von Fisch, aber auch Frösche, Insekten und Wasservögel stehen auf dem Speiseplan. Täglich frisst ein ausgewachsener Fischotter ungefähr ein Kilogramm an Nahrung. Der Landesfischereiverband rechnet mit einem wirtschaftlichen Schaden pro Jahr und Fischotter von ca. 10.000 Euro. Wie viele Tiere es in Bayern gibt, ist nicht bekannt. Aber alleine in Niederbayern und der Oberpfalz wird die Zahl auf mindestens 650 geschätzt. In unserer Region ist das Raubtier auf dem Vormarsch. 

Auch am Simssee ist der Fischotter aktiv. Besonders in Fangnetzen schlägt er zu. „ Die Fische können nicht wegschwimmen und sind leichte Beute für den Fischotter, sagt Jürgen Obermaier von der Fischereigenossenschaft Simssee. Wobei das Problem mit den Fischottern eher in Fließgewässern und Fischzuchten zu finden ist, weniger in großen Seen. „Wir haben auch die Ache gepachtet. Die ist jetzt leer. Der Fischotter räumt da schon auf. Früher waren da auch viele Aale drin, die sind alle weg”, berichtet Obermaier.

Lange Zeit vom Aussterben bedroht

Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Fischotter stark bejagt worden. Sowohl für sein warmes Fell als auch für das Fleisch in der Fastenzeit. In der Folge galt das Tier lange Zeit in Bayern als vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Mittlerweile gilt er nur noch als selten. Aber die Population steigt wieder an. Da er hierzulande keine natürlichen Feinde hat, kann sich der Fischotter ungehindert wieder ausbreiten. In Franken und der Oberpfalz hat der Fischotter bereits massive Auswirkungen auf die Teichwirtschaft. Dort wird ein Großteil der deutschen Speisekarpfen gezüchtet.

Der einzige Feind großer Karpfen

Große Karpfen haben außer dem Fischotter keine natürlichen Feinde. „Anfang Januar haben wir einen Teich mit Graskarpfen abgefischt, und in dem Teich hatten acht Prozent aller Fische keine Schwanzflosse mehr. Die waren weggebissen”, sagt Pommerenke. Die Fische mussten aussortiert und direkt zum Schlachtbetrieb gefahren werden, „für einen Preis, bei dem man eigentlich nicht wirtschaften kann.”

Nur Bayern zahlt Entschädigung

Um die Schäden der Fischzüchter einzudämmen, kann bei der Staatlichen Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im fränkischen Marktredwitz Antrag auf Schadensausgleich gestellt werden. „Ich bin dankbar, dass Bayern als einziges Bundesland eine solche Entschädigung möglich gemacht hat”, sagt Kevin Pommerenke, „ aber die Schadensabwicklung ist sehr träge.” Erst im November habe er den Schaden aus dem Sommer 2021 erstattet bekommen. In der Krisensituation sei schon der eine oder andere Kollege aus der Branche verschwunden, bevor die Entschädigung kam. Daran sei zwar nicht allein der Fischotter schuld, „aber der ist für viele doch der Sargnagel.”

„Der Fischotter streckt Fischzuchtbetriebe nieder“

Um der Problematik Fischotter Herr zu werden, hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft 2016 den sogenannten Fischottermanagementplan ins Leben gerufen. Dieser Plan fußt auf drei Säulen. Der erste ist die Beratung. Aufgeteilt nach Regierungsbezirken sind insgesamt vier Fischotterberater in Bayern Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Themen Vorkommen, Prävention, Zaunbau und Entschädigung.

Der Bau von Abwehrzäunen ist die zweite Säule. Diese elektrifizierten Zäune sind für die Tiere nicht tödlich, sondern bei Kontakt nur unangenehm. Der Bau solcher Zäune ist allerdings nicht überall machbar. Und auch da, wo sie gebaut wurden, sind sie kein vollständiger Schutz gegen den Fischotter. Kevin Pommerenke hat auf dem Gelände seiner Fischzucht Zäune aufgestellt, aber mit nur mäßigem Erfolg, wie er sagt. „Wenn die Nahrung knapp wird, suchen die Otter so lange, bis sie halt doch irgendwie durchkommen.“

Hin- und hergerissen zwischen Schutz und Sperre

Eine Alternative wäre ein Elektrozaun aus der Geflügelzucht mit entsprechend kleinen Maschen. „Wenn man da elf- oder dreizehn Tausend Volt drauf legt, dann hat man seine Ruhe, sagt er. Aber dadurch könnten andere Tiere zu Schaden kommen. Er ist hin- und hergerissen. Er möchte seine Tiere schützen, aber dafür auch nicht alles andere aussperren. Diese Förderung kann allerdings noch nicht abgerufen werden, sie befindet sich noch in der Entwurfsphase. Pommerenke hofft, dass er in den kommenden Monaten einen entsprechenden Antrag auf Förderung stellen kann. Aber bis dahin ist weiter der Fischotter tätig. „Bis die Förderung dann kommt, sind wieder Fische im Wert von 50.000 Euro weniger da.”

Die dritte Säule des Fischottermanagementplans schließlich ist die Entschädigung für entstandene Schäden. Das gilt für wirtschaftliche Schäden, die den Teichwirten trotz Zäunen entstanden sind oder bei denen ein Zaunbau nicht machbar ist. Für eine Entschädigung ist prinzipiell jeder berechtigt, der mehr als 0,5 Hektar Teichfläche bewirtschaftet, jährlich Fische im Wert von mehr als 750 Euro oder ein Gesamtgewicht der Fische von mehr als 250 Kilogramm erzeugt. Ausgeglichen werden hier bis zu 80 Prozent der durch Fischotter entstandenen Schäden.

Tötung rechtlich nicht einfach

Der Landesfischereiverband wünscht sich eine weitere, vierte Säule. Die gezielte Tötung. Bereits 2018 hatte der Landtag den Fischottermanagementplan um diese vierte Säule ergänzt, aber durch Klagen zweier Tierschutzorganisationen wurde dies nie rechtskräftig. 2022 wurde eine gerichtliche Revision zugelassen. Eine Entscheidung steht noch aus. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber sagte bei seinem Besuch des Landesfischereitages im September 2022 dass „die grenzenlose Ausbreitung des Fischotters eine Gefahr für die Biodiversität in den bewirtschafteten Teichen ist.” 

Hier gilt es ein ausgewogenes Maß zu finden, findet auch Jürgen Obermaier. „Man muss den Fischotter schon bekämpfen, wenn er zu viel wird. Das ist ja beim Biber auch so. Aber man kann nicht immer alles gleich töten.” Wenn, dann sollten die großen Tiere mit Fallen entnommen oder außerhalb der Tragezeit zum Abschuss freigegeben werden, sagt Kevin Pommerenke. Aber das sei EU-rechtlich schwierig. 

Die Fischzuchten bieten für die Fischotter fast paradiesische Verhältnisse, sagt Kevin Pommerenke. Zu Lasten der Betreiber. „Der schwimmt ja im Futter, solange es Fischzuchten und Angelvereine gibt, die Fische nachsetzen.”

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