Viele in Kurzarbeit

Zwischen Existenzangst und Hoffnung: Rosenheimer Hotelbranche leidet unter der Corona-Krise

Zimmermädchen in Hotel Symbolbild
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Hotel (Symbolbild).

Stornierungen statt Buchungen, Kurzarbeit statt Personalmangel und massive Umsatzeinbrüche: Auch die Hotelbranche bleibt im Klammergriff der Corona-Krise. Eine Geschichte über Hoffnung, Trauer und Existenzängste.

Rosenheim – Das B&B Hotel in der Eduard-Rüber-Straße am Bahnhof hat 98 Zimmer und nur 13 Gäste. „Die Situation ist nicht einfach“, sagt Geschäftsführer Stefan Jenner. Er sitzt an der Rezeption, wird von zwei Trennwänden abgeschirmt. Hin und wieder klingelt das Telefon, ansonsten ist es still. Seit November schmeißt Jenner das Hotel alleine, seine zwölf Mitarbeiter hat er bereits im März vergangenen Jahres in Kurzarbeit geschickt. „Ich habe ihnen die Situation damals erklärt und richtig reagiert“, sagt der Geschäftsführer.

Ein Mann für Alles

Er übernimmt die Früh- und Spätschicht, bereitet das Frühstück zu, überprüft die Buchungen und kümmert sich um notwendige Stornierungen. Sein Tag ist gefüllt und das, obwohl die Gäste-Zahlen seit dem Lockdown zum wiederholten Mal massiv eingebrochen sind. Ans Aufgeben denkt er trotzdem nicht. „Für mich war von Anfang an klar, dass mein Hotel geöffnet bleibt. Egal, was passiert.“

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Zwar seien die Öffnungszeiten etwas eingeschränkt, weiterhin erreichbar ist er trotzdem. Selbst nach Feierabend überprüft er, ob neue Buchungen eingegangen sind. Ist das der Fall, fängt für Stefan Jenner die Arbeit an. Denn Übernachtungen sind – so sehen es die Corona-Auflagen vor – nur zu notwendigen Zwecken erlaubt. Jenner spricht von beruflichen Gründen, aber auch von „zwingend familiären Verpflichtungen“.

Bei Nichteinhaltung der Regeln Strafe von bis zu 25 000 Euro

Handelt es sich um touristische Ausflüge muss er hinterhertelefonieren und die Buchungen stornieren lassen. Denn Fehler kann sich der Geschäftsführer nicht erlauben. „Wenn ich einmal nicht richtig hinschaue, muss ich im schlimmsten Fall bis zu 25 000 Euro bezahlen.“ Denn der Geschäftsführer muss dafür büßen, wenn sich die Gäste nicht an die Corona-Auflagen halten.

Hygienezertifizierung seines Hotels

In den Momenten, wenn Stefan Jenner keine Buchungen auf ihre Richtigkeit überprüft, kümmert er sich unter anderem um das „OP-ähnliche Desinfizieren“ des gesamten Hotels. „Drei Mal am Tag reinige ich alle Türklinken“, sagt er. Außerdem hat er sich um eine Hygienezertifizierung für sein Hotel gekümmert. Ein immenser Aufwand, den Jenner zwar gerne macht. Trotzdem fehlt ihm allmählich das Verständnis für einige Entscheidungen der Staatsregierung. „Seit fast einem Jahr ist die Wirtschaft fremdgesteuert von Leuten, die die Lage nicht verstehen. Die Politiker entscheiden Dinge, ohne die Betroffenen mit in die Diskussion zu nehmen“, sagt Jenner.

Hilfen für November und Dezember fließen nur langsam

Er selbst hält sich zwar über Wasser, musste aber bis zu 50 000 Euro vorfinanzieren. Denn die Hilfen für November und Dezember fließen nur langsam und auch die Bearbeitung des Kurzarbeitergeldes nimmt Zeit in Anspruch. Weil Jenner aber nicht will, dass seine Mitarbeiter auf ihre Löhne warten müssen, streckt er das Geld eben vor.

Jenner fürchtet ein großes Dilemma

Und noch etwas bereitet dem Geschäftsführer Sorgen: „Wenn das Kurzarbeitergeld wegfällt, würde das nicht nur die Hotelbranche hart treffen“, sagt er. Er vermutet, dass deshalb auch die Arbeitslosenzahlen in Deutschland aktuell kaum gestiegen sind.

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Denn eine Kündigung würde bedeuten, dass ein ohnehin finanziell belastetes Unternehmen die Lohnkosten voll tragen müsste. Weil sich das aber im Moment kein Unternehmer leisten kann, bleiben die Mitarbeiter eben in Kurzarbeit. „In Deutschland steuern wir deshalb auf ein ganz großes Dilemma zu“, ist sich Jenner sicher. Fest steht: Auch an dem Geschäftsführer sind die vergangenen Monate nicht spurlos vorbeigegangen. „Es ist nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine psychische Belastung.“

30 Zimmer, nur drei sind belegt

Ähnlich betrübt ist Waldemar Lerch, Inhaber der beiden Alpina-Hotels in Rosenheim. Insgesamt hat er 30 Zimmer, davon sind im Moment nur drei belegt. „Eigentlich hätte ich zusperren sollen. Das wäre der richtige Weg gewesen“, sagt er. Aber irgendwie habe er das nicht übers Herz gebracht, wollte weiterhin für seine Gäste da sein. Auch er hat seine Mitarbeiter mittlerweile in die Kurzarbeit geschickt, kümmert sich gemeinsam mit seiner Frau und einem Zimmermädchen um die Hotels und hofft auf den Sommer. „Bis dahin kommen wir schon irgendwie durch.“ Die Frage, was er denn machen würde, wenn sich die Situation auch über den Sommer hinweg nicht verbessert, lässt er unbeantwortet.

Einchecken erfolgt kontaktlos

Und auch Gerhard Maier hat sich seinen Einstand eigentlich anders vorgestellt. Er ist der Eigentümer und Geschäftsführer von „My Home My Hotel“ am Oberfeld, hat erst im August 2019 eröffnet. Von Anfang an sei es gut gelaufen. Dann kam die Corona-Krise und bremste den Geschäftsführer vollkommen aus. „Wir hatten eine Stornierungsquote von 80 Prozent und mehr“, sagt er.

Tagungen und Veranstaltungen seien weggebrochen, seine elf Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit geschickt. Den Kopf in den Sand stecken will er trotzdem nicht. Seit Montag hat sein Hotel für Geschäftsreisende wieder geöffnet. Das Einchecken erfolgt zum größten Teil kontaktlos. „Jammern hilft nichts. Wir müssen jetzt einfach das Beste draus machen“, sagt Maier. Eine Meinung, der sich sicherlich auch Stefan Jenner und Waldemar Lerch anschließen können.

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