Teil der Impfkampagne

„Ein guter Tag“: Ab sofort greifen die Hausärzte im Raum Rosenheim gegen Corona an

Monatelang scharrten sie mit den Hufen, nun hat das Warten für die Hausärzte der Region Rosenheim ein Ende: Am Mittwoch, 7. April, greifen die Hausärzte allgemein in die Impfkampagne gegen Corona ein. Warum bei den Medizinern der Eifer größer ist als der Horror vor der Bürokratie.

Rosenheim – Endlich können die Hausärzte allgemein Schutzimpfungen gegen Covid-19 verabreichen. Ist das die Wende im Kampf gegen die Corona-Pandemie? Die Hoffnungen auch der Ärzte sind hoch. „Das ist ein guter Tag“, sagt stellvertretend für viele Mediziner Dr. Nikolaus Klecker, oberbayerischer Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands.

Nächste Stufe der Kampagne macht Hoffnung auf guten Sommer

Dr. Florian Bonke sammelte in seiner Corona-Schwerpunktklinik im Inntal bereits vergangene Woche die ersten Erfahrungen mit Corona-Impfungen. Sie sind gut ausgefallen. Bonke ist vor dem nächsten Schritt der Impfkampagne daher optimistisch. „Wenn wir mehr Impfungen erhalten, sehe ich die Chance gut, den meisten deutschen bis Ende des Sommers ein Impfangebot machen zu können“, meint er. Auch Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim, sieht die Kollegen als Turbo im Kampf gegen die Pandemie. „Bis Ende Mai, Ende Juni – könnten wir schon einen Großteil der Leute impfen“, sagt er. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewähren, bietet er auf der Homepage seiner Praxis einen Anmelde-Service an.

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Was der Impfkampagne eine Grenze setzt, ist nach wie vor der zögerliche Nachschub an Impfstoff. In ganz Deutschland hatten die Hausärzte für die erste Woche 1,4 Millionen Impfdosen bestellt, teilt die Kassenärztliche Vereinigung auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen mit. Aber nur 940 000 Dosen werden gestern für die erste Woche ausgeliefert. Umgerechnet auf den Landkreis Rosenheim bedeutet das: keine 4000 Impfdosen für die gesamte Region. Aber: Das ist mehr als bisher. Und es ist nur ein Anfang. „Bis Ende April soll sich die Menge verdreifachen“, sagt Axel Heise, Sprecher der KBV.

Noch muss sich alles erst einspielen

Allerdings: Alle diese Vorhersagen sind mit Vorsicht zu genießen. Noch wissen die Hauärzte zu wenig, sie starten ja auch erst auf breiter Front. Einig sind sich die Befragten, dass wohl kaum ein Kollege die Menge an Impfstoff angekündigt bekommen hat, die er bestellt hat. Und viele wollen auch erst mal abwarten, ob dann überhaupt die Menge kommt, die angekündigt wurde. Die Planungsunsicherheit macht den Ärzten zu schaffen.

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Dr. Rolf Rittner, Partner von Florian Bonke mit Praxis in Raubling, hofft auf die versprochenen 30 Dosen. Schließlich hat er für Donnerstag und Freitag schon Termine vereinbart – nicht ohne Umstände kann man die Menschen auf andere Termine vertrösten, weiß er. „Die Leute sind schon ziemlich gierig auf die Impfungen.“

Papierkram macht den Praxen zu schaffen

Auch Papierkram und Organisation machen den Ärzten zu schaffen. Immerhin müssen die Patienten ein mehrseitiges Formular ausfüllen, neben der Terminkoordination kostet auch die Beratung vorm Impfen Zeit. „Eine Katastrophe“, sagt Dr. Josef Stein, Hausarzt aus Rosenheim. Eine Flut von Anrufen sei über seine Praxis hereingebrochen. „Ich kann es aber den Leuten auch nicht verdenken.“

Das Astrazeneca-Debakel hilft den Ärzten da nicht eben weiter. „Erst hieß es, man solle es nicht an über 65-Jährige verimpfen, jetzt heißt es, man soll es nicht an unter 60-Jährige verimpfen“, sagt Klecker, der aus seiner Skepsis gegenüber dem Impfstoff kein Hehl macht. Schließlich haben , betont Klecker, ganze Länder die Verimpfung des Stoffs so lange ausgesetzt, bis die Datenlage solider sei. Florian Bonke dagegen sieht den Stoff vor allem bei Älteren als wirksam. Und registriert ungebrochen großes Interesse an dem Stoff: „Wir erhalten weiterhin viele Anfragen auch von Patienten, die sich ausdrücklich auch Astrazeneca impfen lassen würden.“

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Letztlich werden wohl die Hausärzte den Ausschlag geben, was den Menschen in den Oberarm gespritzt wird. Da bürde die Politik den Medizinern unauffällig Verantwortung auf, die sie eigentlich selber tragen müsste, kritisiert Klecker. Rolf Rittner sieht die Rolle des Entscheiders fast schon als naturgegeben: „Man hat gegenüber den Patienten den Hausarztbonus. Wenn der Hausarzt sagt, es passt, dann passt es“. sagt er.

Was aber, wenn es hinterher doch nicht passt? Sicher scheint nur eins: Die Hausärzte lassen sich davon kaum abschrecken. „Jede Praxis, die wir kennen, macht bei der Impfung mit“, teilt Bonke via Instagram mit.

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