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Paul Hohmann war bis 1967 im Amt

Eine Wand voller Erinnerungen: Happings letzter Bürgermeister feiert 90. Geburtstag

Eine Wand voller Geschenke: Paul Hohmann, letzter Bürgermeister der ehemals eigenständige Gemeinde Happing, kann zu jedem Geschenk etwas erzählen.
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Eine Wand voller Geschenke: Paul Hohmann, letzter Bürgermeister der ehemals eigenständige Gemeinde Happing, kann zu jedem Geschenk etwas erzählen.

Er war Happings letzter Bürgermeister und bis 1967 im Amt, ehe der Ort ein Stadtteil Rosenheims wurde. Am Samstag (30. Oktober) feiert Paul Hohmann 90. Geburtstag. Nicht nur Hohmann hat viel aus seinem Leben zu erzählen, auch eine Wand im Haus des Happingers bietet jede Menge Stoff für Geschichten.

Rosenheim – Alles Geschenke, was da an der Wand hängt. Zum Beispiel der goldene Schlüssel, auf den der Mann im roten Pullover über einem karierten Hemd zeigt. Oder die Uhr, die rückwärts geht. Oder einer von den gefühlt tausenden Bierkrügen, die in der ganzen Wohnung herum stehen. Der Mann, dessen Wände voller Geschenke sind, ist Paul Hohmann. Er war der letzte Bürgermeister des heutigen Rosenheimer Stadtteils Happing und ist offenbar viel in der Welt herumgereist. Am heutigen Samstag wird er 90 Jahre alt.

Das Haus als Lehrling selbst gebaut

„An jedem Stück hängt irgendeine Erinnerung“, sagt Hohmann über seine Wand voller Geschenke. „Und die sind durchwegs erinnerungswert.“ Er sitzt auf der Couch in dem Haus, dass er als Lehrling selbst mit gebaut hat. Denn damals, sagt er, als er nach Happing kam, waren dort vor allem Bauernhöfe. Befestigte Straßen hätte es nicht gegeben, der Schneepflug sei eine Pferdekutsche gewesen. Die Bilder der alten Rosenheimer Häuser, der Heilig-Blut-Kirche und der Stadttore hängen hinter ihm.

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Geboren wurde Paul Hohmann 1931 in Osijek in Kroatien, seine Vorfahren waren aus Fulda ausgewandert. Da sein Vater im Krieg in der Wehrmacht kämpfte, mussten Hohmann und seine Mutter gegen Kriegsende fliehen – aus Angst vor der nahenden roten Armee. Sie kamen zunächst in einer Flüchtlingsunterkunft in Marienberg unter, später in einer Wohnung am Rosenheimer Max-Josefs-Platz, gegenüber der Marienapotheke.

Der damals Zwölfjährige knüpfte Freundschaften in der katholischen Jugend. Diese Freunde beschafften ihm später die erste Arbeitsstelle bei einem Bauunternehmer, wo er auch eine Lehre machte. Nach seiner Lehrzeit erwarb er 1950 ein Grundstück in Happing – das damals zwar ein großes Gebiet, aber wenig Menschen abdeckte.

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Seine Freunde, die erwähnt Hohmann immer wieder, während er auf der Couch sitzt und erzählt. Sie hätten ihm damals sehr geholfen. Nicht nur auf der Suche nach Arbeit, auch später bei den Verhandlungen um das Grundstück in Happing. Inzwischen sind die meisten gestorben.

Auf dieses Foto ist Hohmann besonders stolz: Die Aufnahme zeigt ihn ganz rechts mit SPD-Urgestein Willy Brandt (links) bei einer Studienreise in den USA.

Hohmann selbst sagt von sich, dass er mit dem Alter gut zurechtkommt. Er kann beschwerdefrei laufen, auch der Gang in den Keller, wo über 100 Weinflaschen lagern, ist kein Problem. Nur das Hören, das klappe nicht mehr so gut, sagt Hohmann und zeigt auf die Kopfhörer, die er zum Fernsehen brauche.

In den 50er-Jahren war Happing zwar noch ein Bauerndorf, aber das änderte sich schnell. Immer mehr Siedler kamen. Der Bürgermeister sei damals schon seit vielen Jahren der größte Landwirt des Dorfes gewesen, der Kandidat der CSU. Die Siedler aber wollten einen von ihnen – sie wollten Paul Hohmann.

„Anfangs war ich nicht begeistert“

„Anfangs war ich nicht begeistert“, sagt er. „Aber die Siedler kamen von den verschiedensten Parteien auf mich zu.“ Also trat er in die SPD ein und forderte den Amtsinhaber heraus. Und weil die Siedler inzwischen die Bauern überholt hatten, gewann Hohmann. Die Gemeindeverwaltung, insgesamt drei Personen, hatte genug zu tun: Die Ausgabe von Lebensmittelkarten, Flüchtlingsbetreuung, Arbeitslosenunterstützung. Dazu kamen die ersten geteerten Strafen und die Kanalisation. Drei Wahlperioden hat er als Bürgermeister gemacht, bis zur Eingemeindung 1967. „Mir hat die Arbeit als Bürgermeister gefallen“, sagt Hohmann.

Ein Bild über dem Schreibtisch

Aber nur Sitzen und erzählen, das kann Paul Hohmann nicht. Bald steht er auf, um die vielen Geschenke an seiner Wand zu erklären. Ganz besonders stolz ist er auf ein kleines Bild, dass über seinem Schreibtisch im Nebenzimmer hängt. Ganz rechts sitzt dort ein viel jüngerer Paul Hohmann, der Kopf ist nur zur Hälfte zu sehen. Viel zentraler ist der Grund für seinen Stolz: Der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt.

Gemeinsam seien sie auf einer Studienreise in den USA gewesen, dieses Foto sei bei den Niagarafällen entstanden. Der Ort habe ihm damals – Hohmann steht auf, geht auf den verglasten Balkon und zeigt auf den goldenen Schlüssel, der dort hängt – die Ehrenbürgerschaft verliehen. Außerdem hängt da noch eine Urkunde, die Hohmann für seine Verdienste bei der Olympiade 1972 in München bekommen hat, zahlreiche Faschingsorden und Marken, die ihm die Stadtpolizei geschenkt hat. Dazu Teller und Streusalz der alten Saline. Es sind viel zu viele Geschichten dort an der Wand, als dass sie erzählt werden könnten.

Vorzeigebauhof mit Salzsilos

Nach der Eingemeindung blieb Hohmann im Rosenheimer Stadtrat und wurde Leiter des städtischen Bauhofs. Der Aufbau sei anfangs umständlich gewesen, aber sie hätten schließlich einen Vorzeigebauhof errichtet, damals mit den ersten Salzsilos.

Und weil der Bauhof ganz in der Nähe des Klinikums war, sei oft der Chefarzt zu ihnen zum Kaffeetrinen gekommen – aber nicht durch die Vordertür, sondern durch einen kleinen Weg zum Hintereingang. Später hat dieser Weg, es war ein Geschenk von Hohmanns Mitarbeitern, den Namen „Paul-Hohmann-Weg“ bekommen. Heute gibt es ihn nicht mehr, aber das Schild, das hängt – wo auch sonst – an der Wand in Hohmanns Wohnung.

Wo er nicht war? „Zuhause!“

Auf die Frage, wo er eigentlich nicht war, antwortet Hohmanns Frau Liselotte: „Zuhause“. Die beiden haben 1955 geheiratet, sie war die Tochter des Salinen-Sudmeisters, wie Paul Hohmann mehrfach betont. Er gibt zu, dass sie manchmal die Leidtragende seines Engagements und seiner vielen Reisen gewesen sei. „Ich hatte schon manchmal eine Wut“, sagt sie. Aber dass es ihm mit 90 Jahren immer noch so gut gehe, sagt Paul Hohmann, das verdanke er seiner „super Frau“.

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Viel vor hat er nicht mehr. „Ich bin genug gereist“, sagt der ehemalige Bürgermeister. Besonders freut er sich, Zeit mit seinen Kindern und Enkeln zu verbringen – einige wohnen im Haus nebenan, die Tochter zieht bald aus der Schweiz zurück in die Region. Zur Geburtstagsfeier sind außerdem einige Freunde und Weggefährten eingeladen. Zu erzählen hat Hohmann ihnen genug.

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