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Vogelgrippe-Epidemie und Kostenexplosion

Ist die Weihnachtsgans in Gefahr? Das sagen Gastronomen und Züchter aus dem Mangfalltal

Seine Gänse auf der Wiese fest im Blick hat Hubert Kerschl von Kerschl‘s Geflügelhof in Götting bei Bruckmühl. Die Gänse werden wohl alle rund um Weihnachten in der Region auf dem Tisch landen.
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Seine Gänse auf der Wiese fest im Blick hat Hubert Kerschl von Kerschl‘s Geflügelhof in Götting bei Bruckmühl. Die Gänse werden wohl alle rund um Weihnachten in der Region auf dem Tisch landen.

Viele tote Tiere durch die Vogelgrippe, zudem steigende Kosten bei der Aufzucht: Ob bei der Weihnachtsfeier oder dem Festmahl daheim wieder Gans serviert wird, ist fraglich. Die OVB-Heimatzeitungen haben bei Produzenten und Gastronomen im Mangfalltal nachgefragt.

Bruckmühl/Feldkirchen-Westerham/Bad Aibling – Der Verlust „erheblicher Bestände“ durch die schwerste jemals erfasste Vogelgrippe-Epidemie in Europa sowie massive Preissteigerungen im Rahmen der Aufzucht stellen viele Geflügelbetriebe nach Angaben von Lorenz Eskildsen aktuell vor immense, teilweise „existenzbedrohende“ Herausforderungen. „Noch nie war die Gans so sehr in Gefahr wie jetzt“, betonte der Vorsitzende des Bundesverbands Bäuerlicher Gänsehaltung jüngst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Doch heißt das, viele Bürger im Mangfalltal müssen bei der Weihnachtsfeier oder beim Festessen mit der Familie rund um die Weihnachtstage auf den traditionellen Gänsebraten verzichten?

„Nein“, glaubt Hubert Kerschl, Inhaber von Kerschl‘s Geflügelhof in Götting bei Bruckmühl, der seit vielen Jahren die Bürger im Mangfalltal mit Geflügel aller Art versorgt. Die Nachfrage an Kirchweih Mitte Oktober, wo der Gänsebraten traditionell hoch im Kurs stehe, sei zwar „relativ schlecht gewesen“. Doch diesen Umstand bringt der Experte nicht mit den gestiegenen Preisen für das Federvieh, sondern eher mit dem „außergewöhnlich schönen Wetter“ am Kirchweihwochenende in Verbindung. An St. Martin am 11. November, ebenfalls ein Tag, an dem in einigen Haushalten eine Martin-Gans im Bräter landet, sei die Nachfrage hingegen „sehr gut“ gewesen. 30 Tiere hätten an diesem Tag den Besitzer gewechselt.

Rund 100 Tiere weniger als im Jahr 2021

Für das Weihnachtsgeschäft hat Kerschl nach eigenen Angaben rund 200 Gänse im Angebot, was rund 100 Tiere weniger als im Vorjahr entspricht. Was aber auch in erster Linie nicht mit den gestiegenen Preisen und einem damit zu erwartenden geringeren Absatz zu tun habe. Sondern mit Personal, das ihm rund um die Aufzucht und das Schlachten der Tiere fehle. „Das ist ein ganz großes Problem“, sagt der Unternehmer und erinnert sich dabei mit Wehmut an frühere Zeiten zurück: „Wenn man noch vor einigen Jahren junge Menschen aus der Region gefragt hat, ob sie sich bei uns etwas dazu verdienen wollen, war das Interesse groß“, so Kerschl. Heute stünde bei vielen potenziellen Arbeitskräften statt eines Nebenverdienstes eher die Freizeit im Vordergrund.

Dass für den ein oder anderen Verbraucher der Kauf einer Weihnachtsgans zu einer finanziellen Frage geworden ist, ist Kerschl aber natürlich bewusst. Um rund 30 Prozent sei der Kilopreis im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: „Momentan liegt er bei unseren Gänsen, die wir als Küken im Alter von vier bis fünf Wochen eingekauft und im Sommer über langsam und behutsam aufgezogen haben, bei rund 18,50 Euro.“ Gänse seien bei ihm ab einem Gewicht von rund 4,5 Kilogramm erhältlich, womit die kleinste Gans bei rund 80 Euro liegt. „Einige Kunden weichen bei diesen Kosten dann lieber auf eine preiswertere Ente aus“, so die Erfahrung Kerschls.

Nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine geschmackliche Frage

Wobei die Frage „Ente oder Gans?“ nicht unbedingt vom Preis bestimmt sein muss, wie Rainer Lechner, Betreiber des Aschbacher Hofs bei Feldkirchen-Westerham, gegenüber dem Mangfall-Boten betont. Dem Gastronom ist persönlich eine gut zubereitet Ente geschmacklich sowieso lieber, als eine Gans. Was allerdings nicht der Grund dafür ist, dass seit 2021 im Aschbacher Hof rund um Weihnachten keine Gans mehr auf der Karte steht.

Hier spielt laut Lechner die preisliche Entwicklung natürlich eine Rolle – vor allem in Kombination mit den Fallstricken, die bei der Zubereitung des Tieres nach Angaben des Gastronomen auf den Koch lauern. „Wir haben ja wirklich Profis in der Küche“, so Lechner gegenüber dem Mangfall-Boten. „Doch bei der Gans gibt es so viele Faktoren, die wir teilweise gar nicht beeinflussen können, den Genuss dann aber trüben können.“ Bevor ein Gast, der letztlich viel Geld für eine Gans hinlege, dann aber enttäuscht nach Hause gehe, serviere der Betrieb rund um die Weihnachtstage lieber andere festliche Schmankerl.

So hält es auch der Große Wirt in Kirchdorf bei Bruckmühl, der sich seit über 100 Jahren im Besitz der Familie Huber befindet. Auch dort ist die Gans heuer rund um die Festtage – ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr – nicht zu finden. Bei der Besprechung der Speisekarten und des Angebots habe sich das Team gegen den Gänsebraten entschieden, wie Chefin Magdalena Huber auf Anfrage des Mangfall-Boten mitteilte. „Da hat die preisliche Entwicklung sicherlich auch eine Rolle gespielt.“ Allerdings nur eine kleine, wie Huber betont: „Wir wollen unseren Kunden letztlich auch jedes Jahr Abwechslung bieten.“

Weihnachtsgans: Ursprung geht auf den Brauch der Martinsgans zurück

Der Gänsebraten ist der Deutschen liebstes Weihnachtsessen. Meist wird die Gans mit Äpfeln, Kastanien, Zwiebeln oder Trockenpflaumen gefüllt, dazu gibt es traditionell Rotkohl und Knödel als Beilagen. Der Ursprung geht auf den katholischen Brauch der Martinsgans zurück, die vor Beginn der adventlichen Fastenzeit am 11. November gegessen wird. Am Heiligabend endet diese Zeit, und es kommt wieder eine Gans als Festtagsbraten auf den Tisch.

Bleibt den Bürgern im Mangfalltal im diesjährigen Advent oder an den Feiertagen also nur die eigene Zubereitung eines Gänsebratens? Nein, denn das Bad Aiblinger Hotel Johannisbad bietet auch heuer wieder seine „Gans to go“ an. Allerdings zu einem höheren Preis, als noch 2021.

Für eine Gans für sechs Personen mit Blaukraut, Maronen und Kartoffelknödel sowie Soße werden dort heuer 130 Euro fällig, im vergangenen Jahr waren es noch 110 Euro. Dennoch sei die Nachfrage gut, wie Hotelchefin Sabine Lindner verrät. „Viele Kunden, die die Gans auch im vergangenen Jahr bestellt haben und heuer wieder reservieren, haben schon damit gerechnet, dass die Preise gestiegen sind“, so Lindner, die glaubt, dass es viele Kunden einfach genießen, ein so aufwendiges Gericht nicht selbst zubereiten zu müssen.

Und die Gans gibt‘s im Hotel Johannisbad nicht nur zum Mitnehmen, sondern auch vor Ort im hoteleigenen Restaurant. Allerdings nur auf Vorbestellung, was letztlich eine Folge der Preissteigerung sei, wie Lindner erklärt. Denn: „Wenn dann nur zwei Leute Gans bestellen, was sollen wir dann mit den anderen sechs Portionen machen?“ Die Hotelchefin geht davon aus, dass vor allem an den Festtagen die ein oder andere Gans vorbestellt und dann den Gästen im Restaurant serviert wird. Schließlich sind laut Lindner vor allem der erste und der zweite Weihnachtstag Festtage, an denen sich die Restaurantbesucher eine knusprige Gans schmecken lassen wollen.

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