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Waren ohne Plastikmüll bei „Lieselotte“

„Möchte Grundstein für Wandel legen“: Wie in Kiefersfelden ein Laden das Einkaufen ändert

Die Inhaberin Lisa Musik in ihrem Laden Liselotte-Unverpackt. re
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Die Inhaberin Lisa Musik in ihrem Laden Liselotte-Unverpackt. re

Lisa Musik hat den Schritt gewagt, sich mit einem Unverpacktladen selbstständig zu machen. Eine Herausforderung. Doch Lisa Musik hilft das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Was der jungen Unternehmerin Mut macht.

Kiefersfelden – „Ich möchte einen Grundstein für den Wandel legen“, sagt Lisa Musik, die Eigentümerin des neuen Unverpacktladens in Kiefersfelden. Mit ihrem Laden, der seit Anfang Mai geöffnet hat, ermöglicht sie den Bürgern aus Kiefersfelden und den Nachbargemeinden, Lebensmittel ohne Plastikverpackung zu kaufen.

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Beim Betreten ihres Ladens „Liselotte“ wird klar, dass Lisa Musik, die eigentlich gelernte Erzieherin und Modeschneiderin ist, das nicht nur mal so macht, sondern die Philosophie, die hinter einem Unverpacktladen steht, lebt.

Thema Plastik war immer präsent

„Ich war auf reisen und in verschiedenen Ländern. Das Thema Plastik war überall so präsent“, erklärt Musik ihre Motivation einen Unverpacktladen zu gründen. „Ich war in Kuba am Strand, und er war komplett vermüllt. Das hat mich fast zum Weinen gebracht“, so die junge Eigentümerin. Die Gründung des Ladens soll ein Zeichen gegen die Vermüllung der Welt sein.

Plastikfreies einkaufen geht eigentlich ganz leicht. „Wir haben eine Waage, hier müssen die Kunden ihren Einwegbehälter wiegen“, sagt Musik. Wer kein eigenes Gefäß dabei, oder es vergessen hat, kann sich kostenlos aus einem Regal ein Weckglas nehmen. Dann kann eingekauft werden. An der Kasse wird das Nettogewicht der Ware berechnet.

Verschiedene Putzmittel wie Bürsten und Schwämme.

Alles, was gebraucht wird

„Meine Idee war es, einen kleinen „Tante Emma“ zu schaffen, in dem die Kunden alles einkaufen zu können“, sagt Musik. Und genau das hat sie geschafft: Es gibt Zahnbürsten aus Bambus, Spül- und Waschmittel, Getreide zum Mahlen vor Ort und frisches Gemüse. Ihre Ware bezieht Musik von verschiedenen Händlern. Und auch hier gilt die Prämisse, so wenig Müll wie möglich zu erzeugen. „Die Nüsse bekomme ich zum Beispiel in Papiertüten geliefert“, sagt die Ladenbesitzerin.

Neben der Nachhaltigkeit steht auch die Regionalität im Vordergrund. Das Brot im Laden bezieht Lisa zum Beispiel von der Rosenheimer Brot- und Feinbäckerei Wolter. „Ich sehe mein Brot gerne in ihrem Laden“, sagt Matthias Wolter, Eigentümer der Bäckerei.

Denn eigentlich vertreibt Wolter sein Brot hauptsächlich in eigenen Filialen. Die junge Unternehmerin sei auf den Bäcker zugekommen und habe sich erkundigt, ob es möglich wäre sein Brot in ihrem Laden zu verkaufen. „Ich bin total begeistert, mit welcher Liebe Lisa den Laden betreibt.“ Denn ausschlaggebend für Wolters „Ja“ sei im Endeffekt Lisas Auftreten gewesen. „Sie strahlt“, führt Wolter enthusiastisch aus, und das färbe auch auf ihr Geschäft ab.

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Laden soll kleines Zuhause werden

Der sollte „ein kleines Zuhause werden, in dem sich die Kunden Austauschen können, zum Beispiel mit Rezepten“, sagt die junge Inhaberin. Mit viel Herzlichkeit empfängt sie ihre Kunden, sucht das Gespräch und hilft beim Abpacken. Mit einer Kundin, die öfter im Laden einkaufen geht, kommt Lisa gleich ins Reden. Es geht um Tee, Hausmittelchen von Oma und die Unsinnigkeit, Gurken in Plastik zu verpacken.

„Das Bewusstsein für Verpackungsmüll ist bei dem Verbraucher angekommen“, sagt Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern. Der Einzelhandel reagiere bereits darauf. „Aber Unverpacktläden sind nach wie vor eine Nische. Es ist definitiv nicht eine mega Bewegung“, schätzt Ohlmann. In einem Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen weist er ganz klar auf die Dichotomie zwischen: „Ich weiß, das Verpackungsmüll schlecht ist“ und dem Einkaufsverhalten der Menschen hin. Jedem sei klar, dass nachhaltiges und regionales Einkaufen richtig sei. „Den Worten folgen in der Regel nicht immer Taten. Und alleine vom guten Willen und Schulterklopfen kann ein solcher Laden nicht überleben“, sagt Ohlmann.

Dinkel, Weizen und Couscous zum selbst Abfüllen.

Alles fängt mal klein an

Und trotz des Idealismus, den Musik hat, ist ihr auch bewusst, dass sie ihren Laden wirtschaftlich führen muss. Nach der Eröffnung im Mai sei viel los gewesen, jetzt flache der Kundenstrom ein wenig ab. „Es hilft mir nichts, wenn jeder nur ein bisschen Müsli kauft“, sagt Musik. Aber die Unternehmerin ist Optimistin und hofft, dass sich ihr Laden in den kommenden Monaten in Kiefersfelden etabliert. „Und wenn es nichts wird, dann habe ich bereits was gelernt“, reflektiert Musik.

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Einen Funken Hoffnung sieht Ohlmann auf jeden Fall. „Wenn wir rund 20 Jahre zurückschauen, dann war Bio eine absolute Nische, und jetzt ist es mitten in der Gesellschaft angekommen“, und „Alles hat mal klein angefangen.“

An Engagement wird der Unverpacktladen jedenfalls nicht scheitern. Derzeit steckt Lisa Musik pro Woche 95 Stunden Arbeitszeit in den Laden.

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