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Unklarheiten trotz Verkaufsstarts

Neun-Euro-Ticket ist ein Renner in Rosenheim - aber es gibt immer noch offene Fragen

Die Neun-Euro-Tickets gibt es im Bus wie im Ticketcenter zu kaufen. 
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Die Neun-Euro-Tickets gibt es im Bus wie im Ticketcenter zu kaufen. 

Nun gibt es das umstrittene Neun-Euro-Ticket für den Busse und Regionalbahnen. Aber noch immer gibt es offene Fragen, die Kunden und kommunale Verkehrsbetriebe vor Herausforderungen stellen.

Rosenheim – 280 Tickets haben Kunden beim Stadtverkehr Rosenheim bereits am ersten Tag gekauft. Nicht irgendwelche Tickets, sondern das viel diskutierte Neun-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr, dass die Bundesregierung zur Entlastung der Bürger angesichts gestiegener und teils immer noch steigender Energiepreise auf den Weg gebracht hat. Neun für Neunzig heißt das Ticket etwas irreführend. Eigentlich müsste es nämlich 27 für 90 heißen. Schließlich kostet die Flatrate für den ÖPNV neun Euro im Monat und nicht für die vollen drei Monate. Aber 27 für 90 ist natürlich nicht so griffig.

Das Ticket wird ab dem 01.06 gelten und seit vergangener Woche ist auch endlich klar, wohin man mit dem Ticket kommt: Und zwar überallhin, wo öffentlicher Nahverkehr und Regionalzüge fahren.

„Das ist kein Bier, das geht nicht aus“

Ingmar Töppel, Geschäftsführer der Stadtverkehr Rosenheim GmbH, freut sich über die vielen Tickets, stellt aber auch klar: „Das ist nicht wie Bier, das geht nicht aus.“ Eile ist beim Kauf also nicht geboten. Auch allzu lange Schlangen erwartet er nicht, schließlich kauften die meisten Kunden gleich ein Ticket für alle drei Monate.

Das ist personalisiert. Sprich: Ähnlich wie beim Bayernticket muss man seinen Namen auf der Fahrkarte eintragen und ist es nicht übertragbar. Partner, Kinder oder Freunde dürfen ein einzelnes Ticket also nicht mitnutzen. Das wird freilich nicht beim Einstieg in den Bus kontrolliert, erklärt Töppel, aber bei einer regulären Fahrkartenkontrolle im Bus, sollte man besser seinen Personalausweis dabei haben.

Ingmar Töppel: „Da ist das Ticket kein Ersatz für die eigene Mobilität.“

Mit allzu großem Gedränge in den Bussen rechnet Töppel nicht. Besonders auf dem Land nicht, denn da seien aus wirtschaftlichen Gründen die Fahrpläne sowieso recht dünn: „Da ist das Ticket kein Ersatz für die eigene Mobilität.“ Das sieht auch die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) so: „Ich halte das Neun-Euro-Ticket nach wie vor für ein unausgegorenes Bürokratiemonster, das in erster Linie den Menschen im urbanen Raum zugutekommt, die ohnehin die Auswahl beim ÖPNV haben.“

Um so mehr Gedränge könnte es aber bei der Bahn geben: „Die Pendlerzüge werden aus allen Nähten platzen“, prognostiziert Töppel. Die Deutsche Bahn hat angekündigt mehr Züge fahren zu lassen. Rund 50 zusätzliche Regios seien im Einsatz, die ein mehr von etwa 250 Fahrten und 60 000 Sitzplätzen pro Tag schafften. „Wir setzen buchstäblich alles in Bewegung, was wir haben – Züge, Busse, Servicekräfte“, erklärte Jörg Sandvoß, Vorstandsvorsitzender DB Regio.

Daniela Ludwig äußerte erneut scharfe Kritik am Neun-Euro-Ticket.

Möglichkeiten, die freilich nicht alle Bahnunternehmen haben. „Wir fahren die Züge, die wir haben“, erklärt der Geschäftsführer der Bayerischen Regionalbahn (BRB) Arnulf Schuchmann. Wenn allerdings die Bahnsteiglänge für einen weiteren Zugteil zu kurz ist, kann keiner angehängt werden. „Wir können unsere Fahrgäste nicht im Gleisbett aussteigen lassen.“ Die BRB betreibt viele Strecken im Oberland, Inntal und Chiemgau.

Die sehr kurzfristige Entscheidung stößt auch bei Ingmar Töppel nicht auf Gegenliebe: „Schnellschuss, suboptimal, unausgegoren – suchen Sie es sich aus“, sagt Töppel. Nicht nur weil er kaum planen konnte, sondern auch weil weiterhin viele Fragen offen sind. Allen voran die Rückerstattungen für Abo-Kunden. Noch sei überhaupt nicht klar, wie die von statten gehen soll. Töppel bevorzugt einen Umtausch. Sprich: Kunden mit einer für die kommenden Monate geltenden Abokarte können gegen den Kauf eines Neun-Euro-Tickets oder dessen Nachweis ihre Zeitkarte im Ticketzentrum in der Stollstraße umtauschen.

Aber das ist nicht allein seine Entscheidung. Da der ÖPNV kein bundesweites Unternehmen ist, das Neun-Euro-Ticket aber im gesamten Bundesgebiet gilt. „Da kocht ja jeder sein eigenes Süppchen, weil es so kurzfristig ist“, erklärt Töppel.

Schwierig wird es auch für die Fahrer. Denn ein Hamburger Ticket kann ganz anders aussehen als ein Rosenheimer, gilt aber genauso. „Der Fahrer kann das Ticket aus Hamburg ja gar nicht kennen“, sagt Töppel. Mit etwas mehr Vorlaufzeit hätte man ein gemeinsames Logo als Erkennungsmerkmal entwerfen können. Allein in Bayern gibt es über 30 Verkehrsverbunde mit eigenen Tickets und eigenen Geltungsbereichen.

Töppel sieht aber auch Chancen: Man könne die Fahrgäste besser kennen lernen. Fahrgäste sollen gezählt und Umfragen gemacht werden. „Wir müssen ja wissen, was die Leute brauchen, die jetzt vielleicht vermehrt fahren“, erklärt Töppel. Denn nur mit einem guten Angebot, könne man die Fahrgäste auch halten. Denn das Angebot läuft ja zum einen zum September aus und zum anderen könnten die vollen Züge durchaus auch Menschen verprellen.

Wanderausflug statt Radtour

Die BRB bittet deswegen Fahrgäste Stoßzeiten zu meiden und eher wandern zu gehen als eine Radltour zu machen. Schließlich verbrauchen Fahrräder in Zügen jede Menge Platz.

Ludwig betonte gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, dass man bei aller Kritik dennoch nun nach vorne schauen müsse, schließlich sei das Ticket ja bereits im Verkauf: „Es geht nun vielmehr darum sicherzustellen, dass diese Idee kein teures Strohfeuer wird, das nach den drei Sommermonaten verglimmt ist und außer Kosten nichts gebracht hat.“ Wichtig sei es, so die Abgeordnete, den ÖPNV im ländlichen Raum auszubauen, damit er „eine echte Alternative, und zwar auch im Alltag, zum Auto darstellt“, und das Neun-Euro-Ticket kein Strohfeuer bleibe.