Offener Brief aus Oberaudorf nach Schließung deutscher Skigebiete

Betreiber der Hocheck Bergbahnen: „Man schließt nicht alle Strände, weil es einen Ballermann gibt“

Ein normaler Betrieb wird diesen Winter für die Bergbahnen an Skigebieten in Bayern zeitnah wohl nicht möglich sein.
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Ein normaler Betrieb wird diesen Winter für die Bergbahnen an Skigebieten in Bayern zeitnah wohl nicht möglich sein.

Oberaudorf - Nach der Verkündung der neuen Regelungen für Skigebiete und Skilifte in Deutschland am letzten Donnerstag, den 26. November, sehen sich Betreiber von Skigebieten vor dem Aus. Die von Söder verkündeten neuen Regeln „haben enorme Auswirkungen auf unsere Region“, sagt Hannes Rechenauer von der Hocheck Bergbahnen und Freizeitanlagen GmbH & Co. KG in Oberaudorf.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten, als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am vergangenen Donnerstag die neuen Regeln für Skigebiete und Skiliftbetreiber verkündete. Auch Hannes Rechenauer von den Hocheck Bergbahnen aus Oberaudorf wandte sich in einem offenen Brief sofort an den Oberaudorfer Bürgermeister Matthias Bernhardt. Das zentrale Problem der neuen Regeln sieht Rechenauer in der einseitigen Entscheidung für Bayern.

Allem voran warnt Rechenauer vor der Belastung der Region durch den Umstand, dass Österreich eine Öffnung der Skigebiete anstrebt. Die derzeitige Grenzsituation ist dabei laut ihm ein Problem. Er sagt voraus: „Es ist damit zu rechnen, dass über Weihnachten bei uns die Lifte nicht laufen dürfen und Tirol alles in Betrieb ist.“ Seiner Ansicht nach seien die Folgen „an der Grenze dann Chaos durch Kontrollen der Bundespolizei, Schließung von kleinen Grenzübergängen, Stau etc.“.

„Man schließt ja auch nicht europaweit alle Strände, nur weil es auf Malle einen Ballermann gibt.“

Über die „enorme Belastung auf unsere Region“ hinaus sieht Rechenauer die Entscheidung als „nicht verhältnismäßig“ an. Der Betreiber der Seilbahn am Hocheck merkt an, dass sein Unternehmen bereits Hygienekonzepte in Abstimmung mit den bayerischen Ministerien umgesetzt, Investitionen getätigt sowie weitere Vorbereitungen getroffen habe, um einen sicheren Betrieb gewährleisten zu können. Seiner Ansicht nach hinke das Argument des Vergleichs mit Ischgl: „Man schließt ja auch nicht europaweit alle Strände, nur weil es auf Malle einen Ballermann gibt.“

Vor diesem Hintergrund bittet Rechenauer in dem offenen Brief den Oberaudorfer Bürgermeister darum, Markus Söder einzuladen, „damit er sich vor Ort über die tatsächliche Situation informiert“.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Matthias,   die soeben vom Ministerpräsidenten verkündeten Regeln haben enorme Auswirkungen auf unsere Region; es entsteht in unserem unmittelbaren Wirtschaftsraum wieder eine nicht ohne triftigen Grund passierbare Grenze - diese einseitige Entscheidung Bayerns wird sicher eine Reaktion von Österreich auslösen;   aufgrund dieser Entscheidung von Herrn Söder ist damit zu rechnen, dass über Weihnachten bei uns die Lifte nicht laufen dürfen und in Tirol alles in Betrieb ist - an der Grenze dann Chaos durch Kontrollen der Bundespolizei, Schließung von kleinen Grenzübergängen, Stau etc.;   Es bleibt festzustellen; - dass mit den bayerischen Ministerien vereinbarte Hygienekonzept wurde an unserer Bergbahn reibungslos im Sommer umgesetzt - dafür haben wir entsprechend investiert - unsere Gäste haben alle Maßnahmen akzeptiert und befolgt - alle Anstell-, Warte-, Einstiegs- und Ausstiegsbereiche sind bei uns unter „freiem Himmel“ - unsere 4er-Sesselbahn sowie die Schlepplifte sind komplett offen - wir haben unseren Webshop technisch optimiert und gewähren dort einen zusätzlichen Sonderrabatt damit die Gäste ihre Skitickets bereits online kaufen, dadurch keine Warteschlangen an der Kasse - im Winter tragen unsere Gäste Handschuhe sowie häufig Schals oder Buffs als Mund- / Nasenschutz - in Oberaudorf haben wir ein Familienskigebiet ohne große Aprepartys - der Vergleich mit Ischgl ist hier nicht zutreffend; man schließt ja auch nicht europaweit alle Strände, nur weil es auf „Malle“ einen „Ballermann“ gibt    Es ist jedenfalls kein Fall bekannt, dass von Seilbahnen ein erhöhtes Corona-Risiko ausgeht bzw. dort ein Infektionsgeschehen beobachtet wurde! ( nicht einmal Herr Lauterbach behauptet dies ) Die nunmehr angedachte Schließung bis 15.01.2021 ist daher nicht verhältnismäßig. Durch die Schließung der Bergbahn ergeben sich erhebliche negative Effekte auf die Wertschöpfung in unserem Ort sowie der Region, ein Arbeitsplatz bei der Bergbahn sichert/schafft fünf Arbeitsplätze in der Region. Ich darf Dich daher darum bitten Herrn Söder nach Oberaudorf einzuladen, damit er sich vor Ort über die tatsächliche Situation informiert.

Der offene Brief an Matthias Bernhardt im Wortlaut

Existenzen bedroht: Rechenauer nicht alleine mit seinen Befürchtungen

Auch von höherer Stelle waren kurz nach der Bekanntgabe der Entscheidung zur Schließung der bayerischen Skigebiete kritische und warnende Aussagen zu hören. Matthias Stauch, Präsident des Verbandes Deutscher Seilbahnen sagte in einem Pressegespräch am Donnerstag, 26. November: „Ein Wintersportverbot zwischen Weihnachten und Neuem Jahr ist für einen Großteil unserer Betriebe existenzbedrohend“.

Auch er mahnte an, dass „Bayerns Pisten keine Party-Zone mit Hotspot-Risiko“ sind. Bereits Mitte März beendete der Frühjahrs-Lockdown die Wintersaison 2019/2020 vorzeitig. Dadurch kam es laut Seilbahnverband auf der wirtschaftlichen Seite zu erheblichen Einbußen.

mda

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