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„Haben höchste Alarmstufe ausgelöst“

Erdbeben-Katastrophe in Türkei und Syrien: Mindestens 138 Tote und 500 Verletzte

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Arzneimittel-Mangel verschärft sich

Antibiotika und Fiebersaft knapp: Apotheker in Region Rosenheim rätseln - und äußern Verdacht

Gerührt, nicht geschüttelt: Nadja Wehner und ihre Mitarbeiterin Christina Kurz bei der Herstellung eines Präparats in der Rosen-Apotheke.
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Gerührt, nicht geschüttelt: Nadja Wehner und ihre Mitarbeiterin Christina Kurz bei der Herstellung eines Präparats in der Rosen-Apotheke.

Herbstzeit, Grippezeit - und Mangelzeit: Die Engpässe bei Medikamenten in der Region Rosenheim verschärfen sich. Nun sind auch Antibiotika betroffen. Was sind die Gründe für die Knappheit? Auch Ärzte und Apotheker stehen vor Rätseln, äußern aber einen Verdacht.

Rosenheim - Apotheker können es auch so machen: Tabletten im Mörser zerstoßen, etwas Lösungsflüssigkeit dazu, gut mischen und mit einem Hauch Himbeer-Aroma abschmecken - fertig ist der Ibuprofensaft für fiebernde Kinder. „Im Notfall geht das“, sagt Nadja Wehner von der Rosenapotheke in Rosenheim-Happing.

Doch die Improvisation kostet. Für einen Saft gegen Schmerzen, der normalerweise knapp über fünf Euro kostet, müssen die Eltern eines von Fieber geplagten Kindes dann schon mal 35 Euro hinlegen, sagt Wehner. Wegen der darauf verwendeten Arbeit, wegen des geringen Umfangs der Produktion, wegen der teuren Ausgangsstoffe. Und doch ist die Apothekerin froh, dass eine Mitarbeiterin fürs Mischen ausgebildet ist und das Labor der Apotheke benutzen kann.

Schließlich weiß niemand, wie lange die Engpässe im Arzneiwesen noch anhalten. Und welche Medikamente vielleicht noch betroffen sein werden. Dass Ibuprofensaft für Kinder knapp ist, vermelden die Apotheker seit Wochen. Seitdem sind weitere Mittel auf die Mangelliste geraten. „Schmerzzäpfchen für Kinder sind knapp, Penicillin ist nicht lieferbar“, nennt Dr. Nikolaus Klecker aus Rosenheim, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, als Beispiele.

Viele Ursachen für den Medikamente-Mangel

Was die Ursachen betrifft, stehen Ärzte und Apotheker aus der Region Rosenheim mitunter vor Rätseln. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte spricht schon länger von einem einigermaßen durchschnittlichen Angebot, aber stark erhöhter Nachfrage etwa bei Fiebersäften.

„In 2022 ist der Bedarf an den betroffenen Arzneimitteln überproportional angestiegen“, heißt es auf der Homepage. „Die Ursachen hierfür konnten bislang nicht befriedigend ermittelt werden.“ Warum aber ist seit dem Spätsommer nichts nachproduziert worden?

Einig sind sich die Fachleute darin: Deutschlands Abhängigkeit vom Ausland wird mehr und mehr zum Risiko. „Wir schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge“, sagt Dr. Nikolaus Klecker. „Vieles produziert man im Ausland, in Deutschland gibt es die entsprechende Vorsorge nicht mehr“, sagt Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim. „Das muss man abstellen.“ 

Probleme außerhalb Deutschlands gibt es genug, angefangen bei Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Aber auch die Abhängigkeit von China birgt Risiken. Das behauptet, nicht weiter überraschend, Pro Generika, die Interessenvertretung deutscher Generika-Hersteller.

Das sagen aber auch die Praktiker und Abnehmer aus der Region. „Die Null-Covid-Politik der chinesischen Staatsführung bringt das so mit sich“, sagt Florian Nagele von der Mangfall-Apotheke in Kolbermoor, Vertreter der Region in der Bayerischen Apothekerkammer. „Da gibt es einen Corona-Ausbruch, und dann bleibt eben das Schiff im Hafen.“ Und mit ihm womöglich Medikamente, die man in Rosenheim gebrauchen könnte. Überhaupt, Corona: Da verbinden sich viele Faktoren, Bedarf, Krankenstand, unsichere Aussichten, mangelhafte Vorsorge seitens der Politik. „Es wirkt, als habe Corona wie ein Katalysator gewirkt“, sagt Dr. Fritz Ihler.

Manche Medikamente rechnen sich nicht mehr

Viele sind offenbar hausgemacht. Viele Ärzte und Apotheker in der Region Rosenheim sehen eine Mitverantwortung bei der Politik, die Arzneimittelhersteller unter Druck gesetzt habe. Fritz Ihler beispielsweise. „Das darf man nicht alles der freien Marktwirtschaft überlassen“, sagt er.

Tatsächlich scheint sich manches nicht mehr zu rechnen. Der Holzkirchener Generika-Produzent Hexal zum Beispiel hat die Herstellung von Kindersäften mit Ibuprofen eingestellt. Auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen antwortete das zu Sandoz gehörende Unternehmen: Es gebe unterschiedliche Gründe, warum Produkte aus dem Portfolio genommen werden. „Einer davon ist, dass der Vertrieb wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist.“  

„Immer nur billig und Dumping-Preise, das funktioniert nicht“, sagt Nadja Wehner. „Wenn man da einen Mittelkurs gefahren hätte, wären die Hersteller nicht weg.“ Dann, so fügt sie noch hinzu, müsste man auch nicht im Notfall einen Saft selber mixen. Zum Siebenfachen des normalen Preises.

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