OVB-SERIE „SAFARI DAHEIM“

Die Saatkrähe ist ein schlauer und lautstarker Nachbar, der Rosenheim attraktiv findet

Saatkrähen gelten als schlau und äußerst mitteilungsbedürftig.
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Saatkrähen gelten als schlau und äußerst mitteilungsbedürftig.

Die Saatkrähe, mit der sich die 107. Folge der OVB-Serie „Safari daheim“ befasst, sucht die Nähe zum Menschen. Was allerdings nicht auf Gegenseitigkeit beruht, wie verschiedene Vergrämungsversuche in der Region immer wieder verdeutlichen.

Rosenheim – Auf den ersten Blick könnte man die Saatkrähe (Corvus frugilegus) mit der Rabenkrähe verwechseln. Aber bei genauerem Hinsehen ist das wichtigste Erkennungsmerkmal die hellweiße, grindige und federlose Schnabelwurzel, die bei den Altvögeln gut erkennbar ist.

Ansonsten sind sie in Größe, Farbe und Flugbild als Einzeltier eher schwierig zu unterscheiden. Ganz aus der Nähe betrachtet ist der Vogel von Kopf bis Fuß schwarz, sein Federkleid hat in der Sonne einen metallischen, violetten Glanz.

Feiner, spitzer und gerade

Junge Saatkrähen haben noch eine feine Befiederung an der Schnabelwurzel, ihnen fehlt also die helle Schnabelbasis. Ihr Schnabel ist etwas feiner, spitzer und gerade, im Gegensatz zur Rabenkrähe, deren Schnabel klobiger wirkt und nach unten gewölbt ist. Wie bei allen Rabenvögeln zeigen Männchen und Weibchen keinen Unterschied im Federkleid.

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Die Saatkrähen besiedeln halboffene Kulturlandschaften mit Feldern, Wiesen und Äckern. Vor allem im Frühjahr und Sommer nützen sie die niedrige Vegetation zur Nahrungsaufnahme. Zu ihrem optimal strukturierten Lebensraum brauchen sie für ihre Nistplätze kleine Feldgehölze, Auwälder oder hohe Baumgruppen, die meist aus Laubhölzern bestehen. Typisch dabei ist, dass Neuansiedlungen immer in der Nähe von Dörfern, Parkanlagen oder sogar inmitten von Städten angelegt werden.

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Saatkrähen ernähren sich sehr unterschiedlich. Wie alle Rabenvogelarten fressen sie sowohl pflanzliche wie auch tierische Kost. Die eiweißreiche Nahrung besteht aus Würmern, Schnecken, Insekten und deren Larven. Und wenn sie eine unvorsichtige Maus oder deren Nestinsassen erwischen, wird auch diese nicht verschmäht. Bei der gemeinsamen Nahrungssuche auf einem frisch angesäten Feld kann es zu erheblichen Ernteverlusten kommen, wenn hunderte Saatkrähen systematisch nach den Saatkörnern stochern. Bei Samen aller Art überwiegt jegliches Getreide, aber auch Beeren, Eicheln und Nüsse stehen auf ihrem Speiseplan.

Alte Nester werden genutzt

Die Brutzeit und Aufzuchtzeit der Saatkrähen dauert von April bis Juni. Sind alte Nester vorhanden, werden diese genutzt. In Kolonien können 25 bis 30 sehr nah aneinander gebaute Nester gezählt werden, aber auch über 500. Den Nestbau betreibt das Paar gemeinsam, das Bebrüten der braun gesprenkelten vier bis sechs grünlichen Eier übernimmt das Weibchen.

19-tägige Brutzeit

Während der 19-tägigen Brutzeit wird das Weibchen vom Männchen gefüttert. In den ersten zehn Tagen nach dem Schlüpfen der Jungen besorgt das Männchen allein die Fütterungsarbeit. Danach übernehmen beide Elterntiere die Aufzucht. Nach dem Verlassen des Horstes werden die Jungen noch eine Weile von den Altvögeln versorgt, ehe sich die Jungen in Jugendtrupps zusammenschließen.

In diesem Baum finden sich mehrere Horste der Saatkrähen.

Viele Saatkrähen sind nur Wintergäste. Vor mehr als 120 Jahren betrug der Bestand etwa 10 000 Krähenhorste in Bayern und war somit häufiger Brutvogel. Durch die immer intensivere Landwirtschaft galt die Saatkrähe bald als Schadvogel und erreichte 1955 mit 600 Brutpaaren ihren absoluten Tiefstand.

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Vor allem die Vernichtung ihrer Kolonien wirkte sich fatal auf die Bestände aus. Das besserte sich erst, als die Saatkrähe 1977 durch das Bundesnaturschutzgesetz unter Schutz gestellt wurde. Auch eine andere Einstellung der Behörden und eine immer kritischer hinterfragende Bevölkerung gegenüber der Verfolgung der Vögel trug zur kontinuierlich steigenden Bestandserholung bei.

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Da Saatkrähen zu den sehr schlauen Rabenvögeln zählen, haben sie erkannt, dass es sich in Menschennähe bestens leben lässt. Auch Rosenheim finden sie immer attraktiver. Selbst in Brannenburg, unweit des Wertstoffhofes, befindet sich seit Neuestem eine kleine Kolonie mit 15 Horsten. Da Saatkrähen als Kolonienbrüter soziale und somit sehr mitteilungsfreudige Kreaturen sind, sind unmittelbare Anwohner der Kolonien wenig begeistert.

Mit Falken und Knallgeräten

Alle möglichen Maßnahmen werden zur Vergrämung der Vögel angewandt. Das sind etwa der genehmigte Einsatz eines Falken durch eine Falknerei, elektronische Warn- und Angstrufe, Austausch des Geleges durch Gipseier oder Knallgeräte, wie sie in den Weinbergen zum Verscheuchen von Staren verwendet werden. Jedoch kommt es meist nur zu einer Verlagerung oder Aufsplitterung der Kolonien.

In Bayern gilt die Saatkrähe heutzutage nicht mehr als gefährdete Art. Als natürliche Feinde gelten Uhu, Wanderfalke, Habicht, Baum- und Steinmarder, Waschbär und Kolkrabe. Auch Pestizide spielen eine nicht unwesentliche Rolle in der Mortalität.

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt im Durchschnitt nur bei 3,5 Jahren, obwohl in Ausnahmefällen auch 22 Jahre erreicht werden können, wie Ringfunde beweisen.

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