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Lärm im Idyll

Saatkrähen-Kolonie im Kurpark Bad Aibling wächst und mit ihr die Probleme

Mehr und mehr siedeln sich die Saatkrähen auch in den Städten an.
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Mehr und mehr siedeln sich die Saatkrähen auch in den Städten an.

Sie sind immens laut, sie sind hartnäckig und sie sind viele: Die Saatkrähen im Bad Aiblinger Kurpark haben sogar den Maßnahmen der Stadt getrotzt, die ihre Nester aus den Bäumen holen ließ. Sie haben einfach wieder neu gebaut.

Bad Aibling – Er ist die grüne Oase in Bad Aibling, viele Besucher und Einheimische zieht es gerade in diesen Tagen in den Kurpark, um die Sonne, die sprießenden Pflanzen und – eigentlich – die Ruhe zu genießen. Doch ausgerechnet im innersten Kurpark ist es vorbei mit dem Idyll. Das Zwitschern der Singvögel, das Plätschern des Wassers, selbst die Stimme des Nachbarn auf der Parkbank ist nicht mehr zu vernehmen. Von frühmorgens bis zum Sonnenuntergang hört man nur eines: die Laute der Krähen.

Kurdirektor: „Es ist infernalisch laut“

„Infernalisch“ – ein anderes Wort findet Kurdirektor Thomas Jahn nicht für diese Dauerbeschallung. Ein „Paradies“ ist der innere Kurpark derzeit nur für die schwarzen gefiederten Gesellen, die gar nicht daran denken ihre ideal gelegenen Brutstätten – sehr hohe Laubbäume, ruhige Lage, keine Feinde, Nähe zu Wasser und Feldern – aufzugeben.

Nester durften entfernt werden

Zwar hatte die Regierung von Oberbayern der Stadt heuer zweimal die Genehmigung erteilt, die Nester aus den Bäumen zu entfernen (nur, solange sich keine Eier darin befinden). Allerdings nur in sehr begrenztem Umfang und nicht in dem Maß, wie von der Stadt beantragt, wie Bürgermeister Stephan Schlier auf Anfrage unserer Zeitung sagt.

Mitarbeiter des Bauhofs waren nach Angaben von Leiter Josef Feuersinger zwei mal zwei Tage damit beschäftigt. Doch: „Kaum waren die Nester unten, haben die meisten Tiere oben wieder zu bauen angefangen“, schildert Martin Haas vom städtischen Ordnungsamt. Beim letzten Mal habe man über 50 Nester gezählt. Eine dritte Genehmigung habe die Stadt nicht mehr erhalten.

Lesen Sie auch: Rosenheim wird der Krähen nicht Herr: Abschuss als Alternative?

Für den Bürgermeister ist der Lärm ein großes Ärgernis. Auch in der Madau und in Harthausen mehren sich die Saatkrähen von Jahr zu Jahr. „Mittlerweile fehlt mir wirklich das Verständnis für das hohe Schutzniveau. Die Population nimmt einfach überhand.“ In der Entnahme der Nester sieht er indes die einzige wirksame Maßnahme. „Dabei kommt kein Tier zu Schaden, es entsteht eben kein Nachwuchs. Deshalb ist es unsere Zielsetzung, jedes Jahr wieder eine Erlaubnis für die Entnahme der größtmöglichen Anzahl von Nestern zu erwirken.“

„Wollen Problem nicht nur verlagern“

Mit Vergrämungsaktionen wie durch Falken, Lärm oder dem Aufhängen von toten beziehungsweise gepfählten Krähen zur Abschreckung – im vergangenen Jahr von einigen Landwirten im Mangfalltal praktiziert – werde das Problem nur verlagert.

In der diesjährigen Entnahmeaktion sieht Kurdirektor Jahn „maximal einen Teilerfolg – es sind jetzt vielleicht nicht ganz so viele Nester wie im vergangenen Jahr“. Man müsse zusammen mit der Regierung nach Lösungen nun früh genug suchen, um das Problem für 2022 besser in den Griff zu bekommen.

Ein kleiner Baustein sind die neuen Abfallbehälter mit Klappen, die die Stadt für den Kurpark bestellt hat. Denn aus den jetzigen offenen Behältern bedienen sich die Tiere nur zu gern an allem, was nur essbar ist.

Mensch trägt seinen Teil dazu bei

Dass Krähen sich immer mehr in den Städten ansiedeln, liegt – darauf verweisen Natur- und Vogelschützer – auch am Menschen selbst. Flurbereinigung, Abholzung, Einsatz von Bioziden, immer dichtere Besiedelung – all das sorge dafür, dass die ländlichen Lebensräume der Tiere mehr und mehr zerstört werden. Zudem fänden sie in den Städten ein breites und attraktives Nahrungsangebot.

Vom Thermenwäldchen in den Park?

Anita Fuchs vom Bund Naturschutz Bad Aibling hat beobachtet, dass es seit den Fällungen im Thermenwäldchen keine Nester mehr gebe. „Es könnte sein, dass diese Kolonie ,umgezogen‘ ist.“ Dass sich Kolonien bei Störungen zersplittern, sei ein bekannter Effekt und sollte im Kurpark entsprechend beachtet werden, so Fuchs. „Viele versprengte Kolonien in der Stadt wären wohl kaum erwünscht.“ Tendenzen, dass sich Brutkolonien bei Vergrämungsmaßnahmen in der Umgebung vervielfältigen, seien bereits zu beobachten.

Im Sommer soll es ruhiger werden

In den kommenden Monaten gilt es wohl, mit dem Lärm zu leben. Mitte März bis Ende April legt das Weibchen nach Angaben des Bund Naturschutz zwei bis sechs Eier. 16 bis 18 Tage später schlüpfen die Jungen. Nach 32 bis 35 Tagen werden die jungen Saatkrähen flügge und schließen sich zu Jugendschwärmen zusammen. „Danach sollte dann auch wieder Ruhe einkehren“, sagt Ursula Fees, Geschäftsführerin der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Rosenheim.

Saatkrähe steht unter Schutz

Mit dem Inkrafttreten des Bundesnaturschutzgesetzes wurde die Saatkrähe ab dem Jahr 1977 in Deutschland unter Schutz gestellt. Damals galt der Bestand nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) als gefährdet; in der Folge sei eine Bestandserholung eingetreten. Es ist verboten, die Tiere zu töten, zu fangen oder ihre Nester während der Brutzeit zu zerstören. „Siedeln sich Saatkrähenkolonien in der Nähe des Menschen an oder überschreiten sie eine gewisse Größe, werden sie häufig als störend empfunden. Maßnahmen zur Vergrämung, die in Eigeninitiative ergriffen oder die von den Naturschutzbehörden genehmigt werden, sind oft nur wenig erfolgreich. Meist führen sie zur Aufsplitterung von Kolonien und damit zu einer Verteilung der Probleme auf größerer Fläche“, so das LfU. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass jeder Fall gesondert betrachtet werden muss. In Bad Aibling war das aktuell die Entnahme von Nestern.

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