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Nahe Verwandte an das Virus verloren

Rosenheim: Seelsorgerin Hannelore Maurer erlebt im Corona-Jahr persönlichen Schicksalsschlag

Blickt trotz allem zuversichtlich in die Zukunft: Seelsorgerin und Gemeindereferentin Hannelore Maurer.
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Blickt trotz allem zuversichtlich in die Zukunft: Seelsorgerin und Gemeindereferentin Hannelore Maurer.

Das Jahr der Corona-Pandemie hat auch bei der Rosenheimer Seelsorgerin Hannelore Maurer Spuren hinterlassen. Nicht nur beruflich, sondern auch im privaten Bereich. Eine Geschichte über ihre ganz persönlichen Schicksalsschläge, Einsamkeit und warum die Hoffnung trotz allem bleibt.

Rosenheim – Der Tag, an dem Hannelore Maurer zum ersten Mal erfuhr, wie schlimm die Corona-Krise wirklich ist, fiel auf einen Freitag. Der Ostergottesdienst wurde gerade erst abgesagt, kurz danach erhielt sie die Nachricht, das ihre Tante (90) wegen einer Infektion mit dem Coronavirus ins Krankenhaus eingeliefert wurde. „Zu der Zeit waren Besuche auf der Intensivstation bereits verboten“, sagt Hannelore Maurer. Was blieb, war der Kontakt über das Telefon.

Verabschiedung per Whatsapp-Nachrichten

„Meine Tante hat selbst mit 90 Jahren noch Whatsapp-Nachrichten geschrieben“, sagt sie und lacht. Doch es ist nur ein kurzes Lachen. Denn in einer eben solchen Nachricht mussten sich die beiden Frauen schließlich voneinander verabschieden. Erholt hat sich ihre 90-jährige Tante von der Corona-Infektion nämlich nicht mehr.

Statt am Bett ihrer Tante zu sitzen und ihre Hand zu halten, trauerte Hannelore Maurer etliche Kilometer entfernt auf ihrer Terrasse. „Das ist kein Abschied für Angehörige“, sagt Maurer.

Corona-Auflagen erschweren die Trauerbegleitung

Und doch ist es ein Abschied, der seit dem Beginn der Corona-Pandemie zu so etwas wie einer neuen Normalität geworden ist. An Beerdigungen dürfen nur die engsten Familienmitglieder teilnehmen, Umarmungen und das anschließende Beisammensein fallen größtenteils weg.

Auflagen, für die Hannelore Maurer zwar Verständnis hat, die ihre Arbeit in der Trauerbegleitung aber um einiges erschweren. „Ich bin jemand, der viel mit Berührungen arbeitet“, sagt sie. Dass vieles nur noch begrenzt möglich ist, mache nicht nur ihr zu schaffen.

Seelsorge in der Region

Sie erinnert sich an Besuche in Alten- und Pflegeheimen, erzählt von demenzkranken Menschen, die nicht verstehen können, warum die Kinder sie plötzlich nicht mehr besuchen kommen. „Viele fühlen sich im Stich gelassen“, sagt Maurer. Mit Gesprächen, und Nähe versucht die Gemeindereferentin vor allem diesen Menschen durch die Krise zu helfen. Nicht immer erfolgreich. „Ich habe viele Corona-Tote beerdigt. Aber mindestens genauso viele Menschen, die gestorben sind, weil sie einfach aufgegeben haben.“ Umso wichtiger sei es gewesen, dass in den Alten- und Pflegeheimen zuerst mit den Impfungen begonnen wurde. „Der Mensch braucht im Alter den Kontakt“, ist sie sich sicher.

Aber die Gemeindereferentin weiß auch, dass es nicht nur die Senioren sind, die unter der Corona-Krise leiden. „Es kommt zu einer zunehmenden Vereinsamung. Auch bei Jüngeren.“ Maurer versucht dieser Entwicklung mit zahlreichen Telefonaten, deponierten Briefen vor Haustüren und Seelsorgegesprächen am Inndamm entgegenzuwirken. „Beim Unterwegssein kommt die Seele in Bewegung“, sagt Maurer. Dinge, über die Betroffene beim Gespräch in der Seelsorge vielleicht nicht sofort gesprochen hätten, würden jetzt nur so aus ihnen heraussprudeln. Es sind Momente wie diese, die Hannelore Maurer vor Augen halten, warum sie ihren Beruf so sehr liebt. Auch während der Corona-Krise.

Rosenheimer Gottesdienste blieben bestehen

Und das obwohl die Kritik an der Kirche vor allem im vergangenen Jahr noch einmal zugenommen habe. Immer wieder habe Maurer sich anhören müssen, dass die Kirche während der Corona-Krise nichts gemacht habe. Hinzu kamen die negativen Kommentare darüber, dass Gottesdienste stattfinden dürfen, während die Gastronomie geschlossen bleiben muss.

„Ich kann das durchaus verstehen, aber unsere Gottesdienste haben gerade den älteren Menschen sehr geholfen“, sagt die Seelsorgerin. Nach einer anfänglichen Scheu seien es vor allem die über 80-Jährigen gewesen, die sich in der Kirche eingefunden hätten, um den Worten des Pfarrers zu lauschen.

Glaube und das Licht am Ende des Tunnels

Gern erinnert sich Hannelore Maurer an diese Momente des vergangenen Jahres. Und doch ist es ein Jahr, das die Seelsorgerin mehr gefordert hat als sonst. „Ich musste persönliche Verluste hinnehmen“, sagt sie.

Sie meint damit den Tod ihrer Tante, aber auch den überraschenden Tod ihrer Pflegeschwester, die im Alter von 53 gestorben ist. Ebenfalls an den Folgen einer Corona-Infektion. Doch auch dieser Schicksalsschlag hindert Hannelore Maurer nicht daran, weiterhin für die Menschen da zu sein. Oder es zumindest zu versuchen.

„Es ist schwierig, andere zu trösten, wenn einem selber die Kraft ausgeht“, sagt sie. Erst kurz nach Weihnachten sei sie zur Ruhe gekommen, habe mit der Aufarbeitung begonnen. Mit jedem Tag geht es ihr besser. Der Glaube helfe ihr, aber auch der Fokus auf das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels.

Rosenheimerin blickt nach vorne

Denn so tief die Spuren auch sind, die das Corona-Jahr im Leben der Gemeindereferentin hinterlassen hat, so dankbar ist sie für die vielen positiven Dinge. Und das, was sie aus der Krise mitgenommen hat: „Wir haben gelernt, uns auf das Wesentliche zu besinnen. Unser Leben war viel zu voll.“

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