Skifahren während Corona: Verband Deutscher Seilbahnen informiert über aktuellen Stand

„Wintersportverbot für einen Großteil unserer Betriebe existenzbedrohend“

Personen fahren auf dem Zugspitz-Gletscher mit einem Skilift.
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Personen fahren auf dem Zugspitz-Gletscher mit einem Skilift.

Landkreis - Die italienischen Skigebiete sollen erst im neuen Jahr öffnen, Österreich hingegen drängt auf einen schnellen Saisonbeginn. Und Bayern mahnt zur gemeinsamen Lösung. Skifahren im Corona-Winter, kann das klappen? Der Verband deutscher Seilbahnen informiert über die aktuelle Lage.

„Ein Wintersportverbot zwischen Weihnachten und Neuem Jahr ist für einen Großteil unserer Betriebe existenzbedrohend“, sagt Matthias Stauch, Präsident des Verbandes Deutscher Seilbahnen in einem Pressegespräch am Donnerstagvormittag, 26. November. „Das wäre katastrophal und wir können es nicht nachvollziehen.“ Ob man klagen will? „Wir halten uns momentan alle Optionen offen“, so Stauch.

Wintersportverbot in Bayern wäre für viele Betriebe existenzbedrohend

Die deutsche Seilbahnbranche bereitet sich gerade auf Basis der Erfahrungen vom Sommer intensiv, sorgfältig und mit Umsicht vor. Das „Winter“-Hygienekonzept der Seilbahnen steht. Der Schutz der Gesundheit von Gästen und Mitarbeitern sowie die Vermeidung gegenseitiger Ansteckung hat dabei oberste Priorität. „Erholung und Bewegung in der freien Natur hat in der gegenwärtigen Situation einen besonderen Wert,“ so Stauch. „Dabei sind Bayerns Pisten keine Party-Zone mit Hotspot-Risiko. In unseren Familienskigebieten geht es eher beschaulich zu. Après-Ski wird es in diesem Winter nicht geben,“ macht er deutlich, „wir arbeiten mit einem durchdachten und effektiven Hygienekonzept. Die erfolgreiche Beförderung unserer Gäste im Sommer ohne Infektionsgeschehen macht uns kompetent im Umgang mit den notwendigen Maßnahmen“

Bereits Mitte März beendete der Frühjahrs-Lockdown die Wintersaison 2019/2020 vorzeitig. Dadurch kam es laut Seilbahnverband auf der wirtschaftlichen Seite zu erheblichen Einbußen. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Umsätze um fast 27 Prozent eingebrochen, die Zahl der Ersteintritte liegt um etwa 22 Prozent unter der des Vorjahres. Der Neustart erfolgte je nach Bundesland zu unterschiedlichen Zeitpunkten, Ende Mai waren alle Seilbahnen mit umfangreichen Hygienekonzepten wieder in Betrieb. Die Unternehmen ziehen für die anschließende Zeit eine positive Bilanz, auch bezüglich Gästeverhalten und Akzeptanz der allgemeinen Hygieneregeln wie Abstand halten und Mund-Nase-Schutz. Insgesamt verzeichnen alle Betriebe mehr einheimische Besucher sowohl aus Deutschland wie aus der eigenen Region. Unter den Gästen herrschte positive Stimmung, sie zeigten großes Vertrauen in die Hygienemaßnahmen der Seilbahnbetriebe. Bis Ende Oktober besuchten 5,6 Mio Gäste und damit 13,5% mehr als im Vorjahr die Seilbahnen. 

„Wir fordern von Seiten der Politik Planungssicherheit für unsere Unternehmen“

Ein generelles Verbot des Skisports über die Weihnachtsferien, wie es innerhalb Europas z.B. von Italien verlangt wird, sei sicher falsch, so das Fazit des Verbandes Deutscher Seilbahnen. Grundsätzlich sei eine europaweite Abstimmung in Corona-Belangen zu befürworten, ein generelles Verbot des Wintersports gehöre aber nicht dazu

Die Seilbahnen haben nach eigenen Angaben die Voraussetzungen für einen sicheren Wintersport geschaffen. „Nun fordern wir von Seiten der Politik Planungssicherheit für unsere Unternehmen und für unsere Mitrarbeiter“, betont Stauch. Der sichere Ausfall des Seilbahnbetriebs bis Mitte Dezember sei wirtschaftlich bereits schwer zu verkraften. „Eine längere Stillstandzeit muss unbürokratisch und im entsprechenden Umfang finanziell ausgeglichen werden“, so Stauch abschließend. 

jb

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