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Mehr Nachfrage als Kapazitäten

Lieferung erst 2023? Die Schatten-Seiten des Solar-Booms in der Region

Die gestiegenen Energiepreise sorgen für starke Nachfrage bei den Herstellern von Solaranlagen. In vielen Fällen müssen Käufer mit längeren Wartezeiten rechnen.
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Die gestiegenen Energiepreise sorgen für starke Nachfrage bei den Herstellern von Solaranlagen. In vielen Fällen müssen Käufer mit längeren Wartezeiten rechnen.

Der Krieg in der Ukraine lässt die Energiepreise steigen. Immer mehr Eigenheimbesitzer setzen deshalb auf Solarenergie vom eigenen Dach. Was die gestiegene Nachfrage bei den Herstellern von Photovoltaikanlagen für Folgen hat, berichten drei Vertreter von Unternehmen aus der Region.

Kolbermoor/Kirchdorf/Rimsting – Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine steigen die Energiepreise. Immer mehr Hausbesitzer wollen sich deshalb Solaranlagen aufs Dach bauen lassen. Das führt auch in der Region zu einer verstärkten Nachfrage und zu längeren Lieferzeiten.

Die Auftragslage ist „ungebremst hoch“, sagt Tobias Bernhardt. Der Geschäftsführer der Kolbermoorer Firma Ibeko-Solar erklärt, dass eine der „Hauptherausforderungen der Energiewende der Fachkräftemangel“ ist. „Dies reicht von guten Vertriebsingenieuren über die Auftragsabwicklung bis hin zu Monteuren und Elektrikern.“ Weiter sei die Materialverfügbarkeit eine „Herausforderung“, so Bernhardt.

Häufig fehlen ganz simple Bauteile

„Dies reicht von Modulen über Wechselrichter und Stromspeicher bis hin zu einfachsten Basiskomponenten wie Kabeln.“ Hat dies Auswirkungen auf seine Lieferzeiten? „Bei uns ist das glücklicherweise ein bisschen anders. Durch nachhaltige langjährige Lieferantenbeziehungen, ein großes Lager und vorausschauende Forecasts und Lieferverträge können wir unsere Verfügbarkeit weitgehend sicherstellen – und damit gibt es sogar die Chance, bei uns seine PV-Anlage noch in diesem Jahr zu erhalten.“ Aber leicht ist es für die Kolbermoorer Firma laut Bernhardt dennoch nicht: „Auch wir kämpfen täglich mit Herausforderungen in den Lieferketten: sei es bedingt durch den Ukraine-Krieg, geschlossene Häfen durch Pandemien oder einfach Rohstoffknappheit.“

Das bestätigt auch Manuel Schwarzmaier, Leiter des Vertriebs der EMEA Dachsysteme bei der Schletter Solar GmbH in Kirchdorf bei Haag. „Die Lieferzeiten sind zum Teil deutlich länger als üblich. Die Nachfrage ist im Augenblick auch bei uns größer als wir produzieren können. Deshalb sind die Lieferzeiten nicht wie üblich zwei bis drei Wochen, sondern momentan bei acht bis zehn Wochen und länger“, berichtet der Vertriebsleiter.

Lieferketten aufrecht erhalten

Trotzdem habe das Unternehmen versucht, sich in den vergangenen Jahren breit aufzustellen, um die Lieferketten aufrecht zu erhalten. „Dadurch sind wir nicht so abhängig von den Lieferproblemen einzelner Lieferanten oder in bestimmten Weltregionen. Zum anderen haben wir seit Anfang des Jahres versucht, hohe Lagerbestände aufzubauen“, so Schwarzmaier.

Auch bei der Versorgung mit Rohstoffen wie Edelstahl oder Aluminium gebe es laut dem Vertriebsleiter keine grundsätzlichen Engpässe. „Bei dem sprunghaften Nachfrageanstieg, wie wir ihn aktuell erleben, ist das Nadelöhr eher die Produktion. Wir können nicht einfach die Fließbänder schneller einstellen“, sagt er.

Eigenverbrauch rechnet sich eher als Einspeisung

Ob es sich derzeit für private Haushalte lohne, eine Photovoltaikanlage anzuschaffen, hänge davon ab, was die Käufer damit bezwecken wollen. „Wenn ein Kunde beispielsweise mit der Einspeisung von Strom ins Netz Geld verdienen will, ist das in der Tat immer schwieriger geworden. Die Einspeisevergütung ist in den vergangenen zwei Jahren um rund 30 Prozent gesunken. Eine Photovoltaikanlage muss schon ziemlich groß sein, damit sie sich alleine dadurch rechnet“, erklärt Schwarzmaier.

„Was sich aber umso mehr rechnet – gerade bei den dramatisch steigenden Energiepreisen – ist der Eigenverbrauch. Selbst erzeugter Solarstrom, der im Haushalt genutzt wird, muss nicht teuer beim Energieversorger gekauft werden. Nach der Explosion des Strompreises zu Jahresbeginn ist vielen Hausbesitzern mehr denn je die Unabhängigkeit vom Energieversorger gerade recht. Vielen ist es auch wichtig, sauberen Strom zu produzieren“, sagt der Vertriebsleiter.

Sorgfältige Kalkulation

In allen Fällen gelte aber: Eine Photovoltaikanlage sei eine langfristige Investition. Die Erträge und die gesamten Kosten der Solarstrom-Anlage müssten sorgfältig kalkuliert werden.

„Mit dem Politikwechsel in Deutschland im letzten Herbst entstehen derzeit für die wesentlichen Komponenten einer Photovoltaik-Anlage modernste Produktionsstätten“, berichtet Angelika von Eiken, Sprecherin des Rimstinger Unternehmens „Koco Energy“. Nachdem die Politik der vergangenen zehn Jahre den Markt um rund 70 Prozent habe schrumpfen lassen, steige die Nachfrage inzwischen wieder. Zwar bemühe man sich in „hohem Tempo“, die runtergefahrenen Produktionskapazitäten wieder hochzufahren. Jedoch gebe es erhebliche Lieferengpässe, welche sich wohl bis ins nächste Jahr hineinziehen würden.

„Gott sei Dank war diese Entwicklung spätestens seit der Bundestagswahl im letzten Herbst vorhersehbar“, sagt von Eicken. „Koco Energy“ sei in der Lage gewesen, sich trotz zwei- bis dreifachen Auftragseingangs in diesem Jahr die notwendigen Liefermengen rechtzeitig zu sichern. „Trotz der höheren Kosten war die Entscheidung, Komponentenlieferungen aus Deutschland zu sichern, richtig, weil damit den Bauherren hochwertigste Produkte mit einer seriösen Gewährleistung geliefert werden konnten“, wie sie findet. Natürlich treffe auch das Rimstinger Solarunternehmen auf unvorhersehbare Engpässe bei Kleinteilen, die bei der Montage einer Photovoltaik-Anlage nötig seien. „Gerade einfachere Befestigungsteile kommen häufig aus den vom aktuellen Krieg betroffenen Gebieten. Hier braucht es daher oftmals kreative Ideen bei der Beschaffung.“

Niedergang durch deutsches Steuerrecht

Den Niedergang der einst florierenden deutschen Solarindustrie führt Angelika von Eiken unter anderem auf das deutsche Steuerrecht zurück. „Hauptursache sind wohl die langen Abschreibungszeiträume im deutschen Steuerrecht, insbesondere bei sich schnell entwickelnden Technologien. Weil damit im Gegensatz, beispielsweise zum asiatischen Markt, mit einem veralteten Maschinen- und Fertigungspark deutsche Firmen preislich und qualitativ nicht mehr konkurrenzfähig waren.“

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