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Unklarheit und Frust in der Region

„Strohfeuer“: Es hagelt Kritik am Neun-Euro-Ticket für den ÖPNV

Die Fahrer werden oft nach dem Neun-Euro-Ticket gefragt, können aber keine Antworten geben.
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Die Fahrer werden oft nach dem Neun-Euro-Ticket gefragt, können aber keine Antworten geben.

Es hapert gewaltig beim geplanten Neun-Euro-Ticket der Bundesregierung. Viele Fragen sind offen und ob es wirklich Bürger entlastet, ist zweifelhaft. Kritik hagelt von allen Seiten: Schlechte Kommunikation, schlechte Planung und reiner Aktionismus.

Rosenheim – Neun Euro oder ganz umsonst? Ab wann? Werden die Abonnenten entschädigt und wo gilt es? Für Stadt und Land zusammen oder jeweils einzeln? Und vor allem: Wer bezahlt das? Es gibt mehr Fragen als Antworten zum Beschluss der Bundesregierung im Zuge des Krieges in der Ukraine und den gestiegenen Energiepreisen den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) attraktiver zu machen.

Nichts ist in trockenen Tüchern

Wer bei Ingmar Töppel, Geschäftsführer des Stadtverkehrs Rosenheim, anruft, der hört auch keine Antworten, sondern eher eine gute Portion Frust: „Wenn Sie das wissen, sagen Sie bitte Bescheid. Dann kann ich das an meine Fahrer weitergeben, die werden nämlich mit Fragen malträtiert.“

Auf alle oben genannten Fragen kennt Töppel keine Antwort. Das Prinzip kennt er schon. „Ich habe damals aus der Zeitung erfahren, dass das Bayernticket bei uns gilt.“ Das war noch unter Edmund Stoiber.

Unterstützung erhält Töppel von der Rosenheimer Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig (CSU): „Da wird etwas rausgeblasen ohne sich mit Verkehrsbetrieben, Ländern oder Kommunen abzustimmen“, bemängelt sie. Vor allem die Verkehrsverbände habe es „kalt erwischt“.

Aber nicht nur in Rosenheim herrscht Unklarheit. Ein Grund dafür sind die verschiedenen Tarifsysteme. Wer von München nach Augsburg fährt, bräuchte mindestens zwei Neun-Euro-Abos, einmal München, einmal Augsburg, und dazu noch eines für den Regionalverkehr. Ob der im Neun-Euro-Paket ist, weiß auch noch keiner.

Bis zu 450 Millionen Euro könnte das Ticket allein im Freistaat kosten, ließ Verkehrsstaatsminister Christian Bernreiter verlauten und bemängelte die schlechte Kommunikation des Bundes mit den Ländern. Kommunen und Verkehrsverbünde hätten keine Ahnung, wie sie den Beschluss umsetzen sollten, erklärte er gegenüber der Deutschen Presseagentur. Die Verkehrsminister der Länder wollen dann lieber gleich ein Null-Euro-Ticket, um den administrativen Aufwand zu minimieren.

„Ein populistischer Schnellschuss“

Die eigentlichen Kosten durch die geringeren Einnahmen will allerdings der Bund auffangen. Der administrative Aufwand würde durch ein Null-Euro-Ticket nahezu eliminiert. Einzig die Abo-Kunden müssten entschädigt werden. Auch das soll passieren, erklärte Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Ob das in Form von Rückerstattung oder durch Nicht-Abbuchen erfolge, ist noch offen. Auch würde das Null Euro Ticket die Fragen von Geltungsbereichen beantworten. Gratis fahren gelte ja dann überall.

Dennoch bleibt Kritik bestehen: Von einem Schnellschuss sprach Bernreiter und der Fahrgastverband pro Bahn fügte noch das Adjektiv „populistisch“ hinzu. Das Geld sei besser in die Infrastruktur des ÖPNVs investiert. Dazu wisse man eben nicht wie, was, wann, wo gelte. Für Berliner würde das neun Euro Ticket für die Bundeshauptstadt und für das Land Brandenburg gelten, schließlich gibt es dort einen großen Verkehrsverbund. In Rosenheim gibt es zwei – einmal Stadt, einmal Land. Also braucht man eventuell zwei Tickets.

Wer nicht zum Bahnhof kommt...

Aber auch an der grundsätzlichen Wirkung des Pakets hat Daniela Ludwig einiges zu kritisieren: „Von dem Neun-Euro-Ticket profitieren nur die Menschen in den Ballungsräumen.“ Denn auf dem Land seien die Menschen oft auf ihr Auto angewiesen. Wer nicht zum Bahnhof kommt, der kann auch nicht fahren – Ticketpreis hin, Ticketpreis her.

Aber auch die Menschen in Ballungsräumen würden deswegen nicht zwangsläufig auf ein Auto verzichten. Menschen in Großstädten nähmen ohnehin selten deswegen das Auto, weil der ÖPNV zu teuer sei.

Gerade für einen Flächenlandkreis wie Rosenheim sei aber die bestehende Infrastruktur problematisch. Nachaltige Investments wären für Ludwig zum Beispiel mehr flexible Rufbussysteme. Etwas, was in der Region auch schon passiert, etwa am Chiemsee. Aber ein weiterer Ausbau sei sinnvoll. Vor allem da die Mehrheit der Deutschen nicht in Ballungsräumen, sondern im ländlichen Raum lebt.

„Das ist ein Strohfeuer“, erklärt sie auch mit Hinblick auf die 90-tägige Laufzeit. Schließlich sei es unwahrscheinlich, dass die Sanktionen gegen Russland plötzlich einfach wegfallen.

Riesiger Aufwand für nur 90 Tage

Die Rosenheimer Busfahrer werden sich wohl noch ein paar Fragen zu dem Thema anhören müssen und können keine Antwort geben. Bei der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft zwischen Bund und Ländern sitzt man mit Hochdruck an der Gestaltung des Vorschlags, aber Daniela Ludwig rechnet nicht vor dem 1. Juni mit einer Umsetzung. Angepeilt war eigentlich der 1. Mai.

Wie schnell dann Kommunen und Verkehrsbetriebe das Ganze umsetzen können, wird sich zeigen. Schließlich müssen Softwaresysteme genau wie zahlreiche Automaten umgestellt werden. Und wer das zahlt, weiß stand jetzt auch keiner. Ingmar Töppel, der das dann umsetzen soll, sowieso nicht.

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