Wer kennt‘s noch in Wasserburg?

Das steckt hinter dem verlassenen Schwimmbecken an den stillgelegten Altstadtbahngleisen

Altes Schwimmbecken am Ortsrand von Wasserburg hinter dem Gelände des Inn-Salzach-Klinikums
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Versteckt zwischen Bäumen befindet sich am Ortsrand von Wasserburg ein verlassenes Schwimmbecken, das zum Gelände des Inn-Salzach-Klinikums gehört.

Wasserburg - Versteckt zwischen Bäumen glitzert eine ruhige Wasseroberfläche im Herbstlaub. Daneben stehen ein paar knallrote von Moos bewuchterte Holzhütterl, die das Becken zu bewachen scheinen - die kleine verwaiste eingezäunte Schwimmanlage mitten im Grünen befindet sich hinter dem Inn-Salzach-Klinikum Gabersee. Wir haben uns erkundigt, was es damit auf sich hat.

Seit mehr als 20 Jahren schon liegt es brach, das Schwimmbecken hinter dem Inn-Salzach-Klinikum (ISK) in Richtung Gut Gern. Parallel zur Bundestraße B15, aber doch gut versteckt zwischen Bäumen und ein bisserl im Graben, in direkter Gesellschaft zu den verwitterten Gleisen der Wasserburger Altstadtbahn - an dieser Stelle am südlichen Ortsrand von Wasserburg ist die verlassene Badeanstalt zu finden. Das Becken gehört dem Bezirk Oberbayern, wie das angrenzende Klinikum auch.

Still ruht die Wasseroberfläche auf dem alten Schwimmbecken hinter dem Gelände des Inn-Salzach-Klinikums Wasserburg zwischen dem Herbstlaub.

Wurzeln des Schwimmbeckens gehen zurück in die 60er-Jahre

Wolfgang Schmid, Wasserburger Stadtrat und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Gabersee, weiß mehr über die Vergangenheit des alten Beckens. Er war selbst häufig mit Freunden, seiner Familie und dem Nachwuchs im Kleinkindalter bis Mitte der 90er-Jahre dort und hat beste Erinnerungen an die „guten alten Zeiten“, wie er im Gespräch mit wasserburg24.de erzählt.

Gebaut wurde es Mitte der 60er-Jahre, als die Idee entstand, ein bisserl außerhalb des Klinikgeländes eine solche Badeanstalt für die Mitarbeiter des ISK zu errichten. Die konnten dort mit Kollegen und ihren Familien schwimmen, grillen und gemütlich beisammensitzen. Hintergrund war neben einer generellen Attraktivitätssteigerung auch die Anwerbung von Klinikpersonal“, weiß Schmid. Denn auch damals gab es schon in regelmäßigen Abständen Personalmangel im Pflegebereich - mit dem Bau des Schwimmbeckens wollte man dem gegenwirken und den Beruf  der Krankenpflege attraktiver machen. Die Blütezeit erlebte das Schwimmbad in den 80er-Jahren.

Geselliges Beisammensitzen am Schwimmbecken hinter dem Gelände des Inn-Salzach-Klinikums in Wasserburg. Die Bilder wurden im Sommer 1982 aufgenommen und befinden sich im Familienalbum von Wolfgang Schmid.

Ende des Schwimmbeckens am Ortsrand von Wasserburg im Jahre 1998

Neben dem Freibad gab es noch ein kleines Hallenbad im Hochhaus des Klinikums. Wegen Instandhaltung, verschärften Hygienebedingungen sowie der überholten Schwimmbad-Technik hätten beide Becken allerdings über kurz oder lang für viel Geld saniert und auf modernen Stand gebracht werden müssen, weswegen sich die Klinikleitung letztlich jedoch für die Einstellung des Betriebs entschieden habe. Daher wurde 1998 das Freischwimmbad aufgegeben, das Hallenbad folgte sechs Jahre später.

Noch existent auf dem Gelände des Inn-Salzach-Klinikums sind hingegen eine Kegelbahn und ein Tennisplatz, die auch regelmäßig genutzt werden - sowohl von Mitarbeitern als auch von Patienten, schließt Schmid seine Erläuterungen. Das Schwimmbecken im Grünen allerdings ist seither verwaist und fristet seit der Stilllegung Ende der 90er-Jahre stumm sein Dasein.

Archivbilder vom alten Schwimmbecken hinter dem Gelände des Inn-Salzach-Klinikums Wasserburg aus dem Familienalbum von Wolfgang Schmid: Sie vermitteln den Eindruck einer gewissen Gemütlichkeit und Attraktivität für junge Familien.

Seit circa 2004 verpachtet der Eigentümer, der Bezirk Oberbayern, das Gelände rund um die Badeanstalt. Inzwischen ist das Becken zur Heimat von Fischen geworden, die vom derzeitigen Pächter dort eingesetzt wurden, erläutert Schmid abschließend. Würde das Becken gänzlich austrocknen, verschieben sich die statischen Verhältnisse, drum befindet sich dort noch stehendes Gewässer. Davor diente das Becken übrigens als Löschweiher für das nahe gelegene Gut Gern.

Eine Reaktivierung in naher Zukunft scheint aber wohl eher nicht in Sicht. Was bleiben, sind Erinnerungen an eine wie es scheint griabige Freibadzeit in den 80er-Jahren. Und womöglich denkt der ein oder andere Wasserburger bei einem Spaziergang auf den Spuren der stillgelegten Altstadtbahngleise inter dem Gelände des Inn-Salzach-Klinikums an die vergangene Blütezeit des Schwimmbads zurück.

mb

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