Tätowierer im Lockdown

Wasserburger Tätowiererin klagt über bayerische Corona-Sonderregelung: „Wir wurden vergessen“

Eva Kalina (rechts) vom Tätowierstudio „The Ink Shop“ kritisiert den Lockdown, der für Tätowierer derzeit gilt. Das Besondere: In allen anderen Bundesländern dürfte sie arbeiten, nur in Bayern nicht.
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Eva Kalina (rechts) vom Tätowierstudio „The Ink Shop“ kritisiert den Lockdown, der für Tätowierer derzeit gilt. Das Besondere: In allen anderen Bundesländern dürfte sie arbeiten, nur in Bayern nicht.

Eva Kalina, Inhaberin des Wasserburger Tattoo Studios „The Ink Shop“, ist sauer. Seit November befindet sie sich im Lockdown ohne wirkliche Öffnungsperspektive. Der Grund dafür ist nicht nur die anhaltende Corona-Pandemie, sondern auch die Tatsache, dass Kalina in Bayern wohnt.

Wasserburg – In allen Bundesländern Deutschlands dürfen Tätowierer arbeiten, nur im Freitstaat nicht. Mit 40 weiteren Tattoo- Studios hat sich Kalina nun zusammengeschlossen, um auf diese Tatsache aufmerksam zu machen.

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Nur in Bayern dürfen Tattoo-Studios nicht öffnen

„Wir wurden vergessen“, sagt Kalina. Zu dieser Überzeugung kommt sie auch deshalb, weil andere „körpernahe Dienstleister“ ihren Tätigkeiten inzwischen wieder nachgehen dürfen, nur die Tätowierer nicht und das auch nur in Bayern. Denn mit den Lockerungen im März durften in allen anderen Bundesländern die Tattoo-Studios zur gleichen Zeit wie Kosmetik-Salons öffnen. „Nur in Bayern wurde der Beschluss nachträglich geändert“, erklärt Kalina.

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Eine für die Tätowierer völlig unverständliche Sonderreglung. Gemeinsam haben sie deshalb ein Video online gestellt, das auf ihre Situation aufmerksam macht.

Hohe Hygienestandards

Denn es gebe mehrere Gründe, die gegen die bayerische Regelung sprächen. „In den Studios hatten wir schon immer hohe Hygienestandards“, sagt sie. „Ganz unabhängig von Corona haben wir schon immer Desinfektionsmittel benutzt und die Flächen nach jedem Kunden abgewischt.“

Eva Kalina vom Tätowierstudio „The Ink Shop.

Auch das Tragen von Masken und Handschuhen gehörte schon lange zur täglichen Arbeit dazu. Eine Tatsache, die sich auch im Infektionsgeschehen zeige, denn laut Informationen der Gruppe gab es bislang keine nachgewiesene Corona-Ansteckung in den Tattoo-Studios.

Gefahr, dass illegal zuhause tätowiert wird

Zudem gebe es in den Studios grundsätzlich eine geringe Kontaktdichte. „Die meisten arbeiten mit einem oder zwei Kunden am Tag“, erklärt die Gruppe. Wenn es zu einer Infektion komme, könne die Nachverfolgung also gewährleistet werden. „Und wir hätten ja auch kein Problem damit, davor negative Schnelltests vorzulegen“, ergänzt Kalina.

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Inzwischen sind die Tätowierer auch vor den Verwaltungsgerichtshof gezogen. Aber Kalina und ihre Mitstreiter sind der Überzeugung, dass es gute Gründe für eine Öffnung gebe. Sie sehen auch eine echte Gefahr in dem langen Lockdown und der fehlenden Öffnungsperspektive.

Illegal zu Hause tätowieren

Denn es bestehe das Risiko, dass mehr und mehr Kollegen für ihre Tätigkeit in die benachbarten Bundesländer verreisen würden, um dort ihrem Beruf nachzugehen. Oder ihre Kunden sogar zu sich nach Hause einladen und sie dort illegal tätowieren.

Eine Entwicklung, die Kalina durchaus nachvollziehen kann. Zwar gebe es auch für Tattoo-Studios staatliche Hilfen, doch diese würden bei Weitem nicht reichen. „Wenn wir ehrlich sind, decken die nicht einmal die Fixkosten.“

Leben vom Ersparten

Denn trotz Lockdown würden ja weiterhin Miet- und Stromkosten für die Studios anfallen. Für private Ausgaben bleibe ohnehin nichts. Kalina selbst kann noch von Erspartem leben. „Und auch bei mir wird es langsam knapp.“ Andere hätten schon lange keine andere Wahl mehr und müssten bei sich zuhause tätowieren.

„Und, ob da immer alles so desinfiziert wird, wie man das sollte, bezweifle ich“, sagt Kalina. Auch, ob die Masken getragen werden, stellt sie infrage. „Im Studio würde das natürlich anders laufen.“

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Das sagt das Ministerium

Tätowierer würden zwar einer körpernahen Dienstleistung nachgehen, erklärt ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage der Wasserburger Zeitung. Die Dienstleistung sei aber im Gegensatz zur Tätigkeit von Nagelstudios, Kosmetikbetrieben und Fußpflegern weder hygienisch noch pflegerisch notwendig. Darum seien Tattoo-Studios sowie ähnliche Unternehmen wie Piercingstudios, Permanent-Make-Up-Studios und (Wellness-)Massagesalons nach dem 12. Bayerischen Infektionsschutzgesetz weiterhin geschlossen zu halten. Diese Auffassung habe auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof am 13. April bestätigt.

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